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22.11.1985 - 

Anwendungslandschaft steht nach Prognosen der Diebold-Marktforscher vor einem Umbruch:

Klassische DV zunehmender Kritik ausgesetzt

FRANKFURT (ru) - Keineswegs zu Ende ist hierzulande der Boom bei der Informationstechnik. Die stärkste Dynamik wird bis 1990 von der DV-Technik mit einem Plus von 15 bis 20 Prozent ausgehen, während der Gesamtmarkt in dieser Zeitspanne um jährlich etwa 10 Prozent wachsen wird. Diese Entwicklung prognostizierte die Management-Beratung Diebold Deutschland GmbH auf ihrem diesjährigen "Forum 85" in Frankfurt.

Als wachstumsintensivster Einzelmarkt nach der DV-Technik wird von den Frankfurter Marktforschern der Bereich Industrie- und Medizinelektronik eingestuft. Er soll sich bis 1990 zwischen 10 und 12 Prozent vergrößern. Daran schließt sich der Komponentenmarkt mit einem Wachstum von rund 10 Prozent an, gefolgt von der Kommunikationstechnik mit 8 bis 10 Prozent. Unterdurchschnittlich (2 bis 5 Prozent) wird die Entwicklung für Drucker, Kopierer, Scanner und Managementgrafik beurteilt.

Auf den reinen DV-Sektor bezogen, werden die Standardcomputer bis zum Ende dieser Dekade den höchsten Umsatz ausmachen, allerdings mit nur einem unwesentlichen Wachstum. Der stärkste Impuls auf diesem Teilmarkt wird von den professionellen Personal Computern und den Mehrplatzmikros ausgehen. Mit dem höchsten Wachstum, das gleichfalls für einen hohen Umsatz sorgt, rechnen die Diebold-Experten für die kommenden vier Jahre bei der Software sowie bei integrierten Schaltungen.

Bei den DV-Anbietern sei nach Diebold eine strategische Anpassung zu beobachten. Dazu gehöre der Einstieg in ergänzende Technologiezweige wie Telekommunikation sowie die Konzentration auf Spezialbereiche. Als Beispiel wird Nixdorf mit seinem Branchenmarketing genannt.

Als Weg, auch noch in einigen Jahren erfolgreich am Markt operieren zu können, werden technische Spezialisierung, die Orientierung auf Problemlösungen und die Verminderung der Fertigungstiefe, also eine globale Arbeitsteilung, gesehen.

In der Bundesrepublik wird nach Ansicht der Frankfurter Marktbeobachter die Entscheidung für die Nutzung von Informationstechnik antizyklisch getroffen. Bei Kostendruck neigten die Unternehmen hierzulande zu Rationalisierungsinvestitionen. Dazu Diebold-Geschäftsführer Gerhard Adler: "Inwieweit daraus unmittelbare Nachfrage erwächst, hängt stark davon ab, ob diese Investitionen zu kurzfristig realisierbaren Nutzeffekten führen. Bei komplexeren Lösungsansätzen sei mit einer längeren Zeit der Produktreife zu rechnen.

Keineswegs als sicher gilt, daß der sogenannte Reifepunkt wie in der Vergangenheit mit einem Konjunkturtal der Branche zusammenfällt. Gerade Langfristprojekte entwickeln eine Eigengesetzlichkeit. Hersteller, die weitgehend unbehelligt von den zyklischen Konjunkturschwankungen operieren wollten, müßten eine differenzierte Innovationsstrategie betreiben, konkret: verschiedene Produkte entwickeln.

Einen jährlichen Zuwachsbedarf an Rechnerkapazität von 20 bis 40 Prozent setzte der Vize der Diebold-Geschäftsführung, Fritz R. Müller als realistisch an. Dies sei das Resultat eines vermehrten Wunsches nach höherem Komfort und besserer Informationsqualität. Hinzu komme die zunehmende individuelle Datenverarbeitung, die neue zentrale und dezentrale Anwendungen verlange. Entschieden trat Müller der Auffassung entgegen, daß die Dezentralisierung der Datenverarbeitung den Zentralrechner entlaste: "Dezentralisierung heißt die Übernahme neuer Anwendungen auf verteilte Systeme."

Vor einem Umbruch steht laut Diebold auch die Anwendungslandschaft. So genügten Anwendungen der ersten und zweiten Generation nicht mehr den Ansprüchen. Eine aufwendige Pflege binde Entwicklungskapazitäten und verursache hohe Kosten. Darüber hinaus hätten Bestrebungen zur Rationalisierung bei der Anwendungsentwicklung

große Auswirkungen auf vorhandene Strukturen.

Gewandelt hat sich ebenfalls das Bild des DV-Leiters. Er gilt heute nicht- mehr als der allmächtige Entscheider. Nicht selten führen Mißtrauen und Zweifel der Geschäftsführung an seinem Können zu externen Konzepten.

Eine Veränderung zeichnet sich auch im Mikrocomputer-Markt ab. Vernetzte Mikros würden Ende dieses Jahrzehnts, so die Marktanalysen, die klassischen Büro- und Minicomputer ablösen. Die künftige Relevanz der Mikros unterstreiche die wachsende Leistung der Mikroprozessoren mit höheren Rechengeschwindigkeiten und weiterer Integration von Funktionen. Eine führende Marktposition zeichne sich hierbei für Motorola und Intel ab. Hinzu kommen ab 1987 bedienerfreundlichere Benutzeroberflächen, die zum Markterfolg beisteuern, sowie höhere Platten- und Diskettenkapazität bis 500 MB und Betriebssysteme für Mehrplatzrechner.

ENTSCHEIDUNGSSTRUKTUREN DER ANWENDER

Für Anbieter und Hersteller ist es oft sehr schwierig geworden, die Entscheidungsstrukturen eines Unternehmens bei Investitionen in die Informationstechnik zu durchschauen.

- Der DV-Manager ist nicht mehr der unumschränkte "Decision-Maker". Seine Empfehlungen stoßen oft auf Ablehnung.

- Geschäftführung und Vorstände haben gelernt, sich in die Problematik einzudenken und sind akzeptable Gesprächspartner geworden.

- DV-Ausschüsse, besetzt mit kritischen Benutzern, kontrollieren die Entscheidungen. Auch bei strategischer Neuorientierung wirken sie oft aktiv an dem Konzept mit.

- Mißtrauen und Zweifel am Können des DV-Managers führen zu Gutachten und Konzepten mit fremder Hilfe.

Quelle: Diebold