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09.01.1981

Klein und unauffällig auf jedem Artikel angebracht:EAN-Kosten zu Lasten des Verbrauchers

AACHEN (CW) - Trotz einiger positiver Seiten ist der EAN-Strichcode für den Handel zu teuer. Die Kosten, so folgert Artur S. Wörthmann, DV-Leiter bei der Trawigo Süßwaren-Spezialitäten Aachen Germany GmbH & Co. KG, werden auf den Verbraucher abgewälzt. Am 28. April 1977 hat der Aufsichtsrat der CCG (Centrale für Coordination Gesellschaft zur Rationalisierung des Informationsaustausches zwischen Handel und Industrie mbH) die Einführung der Europäischen Artikelnumerierung (EAN) in der Bundesrepublik zum 1. Juli 1977 beschlossen. Daraus ergaben und ergeben sich für Handel und Industrie sehr weitreichende Konsequenzen.

Mit der Einführung der EAN, welche sich auf die Kommunikation zwischen Industrie und Handel und des Handels untereinander positiv auswirkt, wurde die Strichcodierung auf den Verpackungen gefordert. Und genau hier fängt das große Problem an. Dieser Strichcode, den kein Mensch lesen, geschweige denn interpretieren kann, läßt sich äußerst schwer auf der Artikelverpackung anbringen, sieht häßlich aus und verunstaltet oft die Packung, die mit viel Mühe entworfen wurde.

Der Strichcode benötigt viel Platz und kostet immens viel Geld, auch wegen dem präzisen Druckfilm, der hohen Druckmaterialanforderung und der hohen Druckgenauigkeit. Die Toleranzen liegen beim Masterfilm bei maximal 0,0002 inch und beim Druck bei 0,004 inch. Dazu kommen die Änderungskosten der Klischees und Druckzylinder. Wenn nur ein Zylinder zu ändern ist, so kostet diese Änderung unser Haus exakt 1200 Mark. Wenn wir diesen Betrag auf alle unsere Artikel ausdehnen, müssen wir nur für diesen einen Posten die Kosten von 1500 000 Mark aufbringen.

Ein namhafter Vertreter seiner Branche hat für einen Sortimentsbereich seines Hauses über 1 Million Mark bereits aufgewendet, um den Strichcode auf seine Packungen zu bekommen.

Weitere Konzentration

Diese doch sehr hohen Kosten kann sich ein kleiner Produzent gar nicht leisten. Es steht zu befürchten, daß die Forderung, den Strichcode auf die Verpackung zu bringen, ein weiterer Schritt zur Konzentration der Anbieter ist. Soll vielleicht lästige Konkurrenz ausgeschaltet werden?

Die aufgedruckten Striche können von sogenannten Scanner-Kassen omnidirektional, also richtungs- und positionsunabhängig, mittels Laser-Einrichtung gelesen werden und über einen angeschlossenen Computer interpretiert, einer Ware zugeordnet und an der Kasse wieder mit Artikeltext und -preis angezeigt und auf dem Kassenzettel ausgedruckt werden.

Die Scanner-Kasse ermöglicht das schnelle und sichere Kassieren (wenn die Artikel codiert sind) und soll dadurch dem Kunden Wartezeiten ersparen. Jedes Geschäft hat, wenn der nötige Hintergrund in Computern und Programmen besteht, größere Vorteile durch

- artikelgenaues Erfassen der Warenein- und -ausgänge,

- bessere Lagerkontrolle, Inventurmöglichkeit und Dispositionsmöglichkeit direkt am Regal,

- Informationen aller Warenbewegungen über jeden gewünschten Zeitraum,

- bessere Regalraumzuteilung,

- die Möglichkeit ein geschlossenes Warenwirtschaftssystem einzuführen.

Ab sieben Kassen

Nach dem heutigen Stand der Technik ist eine solche Lesemöglichkeit für den Strichcode mit Computer erst ab sieben Scanner-Kassen wirtschaftlich. Die Tengelmann-Gruppe kostete die Installation solch eines Systems in ihrem Wiesbadener Markt rund 750 000 Mark.

Zunächst eine Bestandsaufnahme und einige Zahlen: Zur Zeit sind etwa 50 Prozent der Artikel im Lebensmittelbereich mit Strichcode versehen. Im kommenden Jahr werden es rund 60-65 Prozent sein. In Deutschland gibt es rund 98 000 Bertriebsstätten mit Lebensmittel. Davon könnten etwa 2500 Handelsbetriebe und Filialen mit Scanner arbeiten. In 20 Geschäften erst wurden Scanner-Systeme installiert.

Der größte Teil des Handels und der Hersteller dürfte am bbn- und EAN-System teilnehmen und bereits seine Bundeseinheitliche Betriebsnummer (bbn) besitzen. Die Teilnahme am EAN-System ist zu empfehlen, weil die Kommunikation zwischen Industrie und Handel unter sich verbessert und erleichtert wird.

Weg zur Seligkeit?

Aber muß der Strichcode so stark in den Vordergrund geschoben werden und müssen Vorlieferanten der wenigen Firmen, die Scanner-Kassen einsetzen, geradezu erpreßt werden, die immensen Kosten der Vercodierung zunächst zu tragen. Im Endeffekt wird sie der Verbraucher bezahlen müssen.

Das Interesse an mehr Transparenz und Marketinginformation des Marktes allgemein und der eigenen Betriebsstätte stellt einen wichtigen Faktor in einem Handels-Unternehmen dar. Wenn man richtige Werte, bezogen auf den einzelnen Artikel, die Aktion oder Warengruppe möchte, wird an der Kasse eine schnelle Eingabemöglichkeit für die Artikelnummer benötigt. Aber ist da der Strichcode das "Allein Seligmachende"?

Nach neuestem Stand der Technik existiert ein Scanner, der die vom Menschen lesbare OCR-A- und OCRB-Schrift ebenfalls omnidirektional lesen kann. Damit ist der bisherige Nachteil dieses Lesegerätes aufgehoben. Die Vorteile eines solchen Systems überwiegen bei weitem.

- Ein OCR-Code ist unauffällig und klein auf jedem noch so kleinen Artikel aufzudrucken.

- Es genügt Schreibmaschinen- und Auszeichnungszangenqualität, um im Bedarfsfall den Aufdruck selbst zu erstellen.

- Fortfall teurer Filme, Kontrolleinrichtungen, Druckprobleme.

- Leichte Änderungen beim Handel, weil Änderungen selbst gemacht werden können.

- Sehr leichte Möglichkeit des Handels zur Einbeziehung solcher Produkte in das Scanner-System, welche nicht vom Vorlieferanten codiert wurden oder nicht codiert werden konnten.

- Eigene Warenzusammenstellungen oder Aktionen oder eigene Produkte lassen sich leicht codieren beziehungsweise auszeichnen.

- Leichte Möglichkeit, mit einem Etikett in einem Arbeitsgang Codierung und Preis zu drucken und Ware auszuzeichnen (Auszeichnungszange, kombiniertes Waage-Etikettiergerät), auch auf gewichtsabhängiger Frischware wie Obst, Gemüse oder Fleisch und sie damit in das Dispositions- und Marktabrechnungssystem einzubeziehen.

- Nach- oder Umzeichnung der Ware kann nachträglich (vor Ort) leicht ausgeführt werden.

- Der OCR-Scanner liest nicht nur den Artikelcode, sondern zusätzliche Informationszeilen (Produktinformation: 3mal 42 Zeichen) wie aufgedruckten Preis (wichtig bei Frischware), Regal-Nummer oder Frische-Datum.

- Er kann die Anforderungen anderer Handelsbereiche im Nonfood, wie Textilhandel Tapeten, Farben, welche mit 12/13 Stellen Artikel-Code nicht auskommen, ebenfalls abdekken. Teilweise arbeitet man im Nonfoodbereich schon längere Zeit mit OCR-Schriften. Man könnte hier vereinheitlichen.

Speicher genügt

- Das Scanner-System wird auch für kleinere Märkte und Lebensmittelgeschäfte interessant, da im Hintergrund nicht unbedingt ein großer Computer stehen muß, sondern eine elektronische Kasse mit Speichermöglichkeit genügt (Preis und Nummer wird durch das Etikett und Leser in einem Arbeitsgang gespeichert und auf dem Kassenzettel ausgedruckt).

- An die OCR-Schrift ist man allgemein, nicht zuletzt durch die Anwendung bei allen Bankformularen und Schecks, gewöhnt.

- Die Forderung der Verbraucher nach preislicher Auszeichnung der Ware ist erfüllt.

"Wenn nicht mehr jede einzelne Packung ein Preisschild hat, greift der Verbraucher enthemmter zu. Im Einkaufswagen hat er dann keinen Überblick mehr, er kann nicht zusammenrechnen, wie viel er zu zahlen hat", versucht Dr. Siegfried Müller vom Institut für Wirtschaftspsychologie in Köln das Phänomen zu erklären (wie in den USA und Deutschland schon nachgewiesen), daß der durchschnittliche Umsatz pro Kunde, als auch die Anzahl der gekauften Artikel, nach der Umrüstung auf Scanner-Kassen (ohne Preisauszeichnung) steigt. Teilweise wurden in den USA Supermärkte mit Scanner schon auf Verlangen der dortigen Verbraucherverbände, die dort eine viel stärkere Macht haben als hier, boykottiert. Das hatte auch seinen Grund: Das Herantasten an die Preisgrenzen, im Klartext: Welchen Preis nehmen die Kunden gerade noch in Kauf?, ist in den USA sehr stark entwickelt.

Noch ein Wort zu den Verbrauchern. Sie zahlen letztendlich die Zeche. Sollten sie nicht das Recht haben, die einfachste und billigste Methode zu fordern, mit der der Hersteller und Handel an seine benötigten Informationen kommt?