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07.11.1997 - 

Interview

"Kleine Firmen bekommen dieselbe Macht wie große"

CW: Was bringt die Zukunft des World Wide Web?

Saffo: Die entscheidende Eigenschaft des Web ist, daß es sich permanent und in einer rasenden Geschwindigkeit verändert. Eben diese Mutationsfähigkeit kürt es zu einem unvergleichbaren Business-Werkzeug. Noch vor vier Jahren galt etwa die Werbung im Internet als Utopie. Vier Monate später hatte sich Reklame im Web jedoch als etwas ganz gewöhnliches entwickelt.

CW: Aber Werbung im Web wird heute häufig als Fehlinvestition oder zumindest als eine Idee bezeichnet, die die Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte.

Saffo: Die Werbung im Web steckt noch in den Kinderschuhen - ebenso wie das Fernsehen in den 50er Jahren. Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis sich Online-Reklame auszahlt. Trotzdem ist das Web bereits heute das potenteste kommerzielle Medium auf unserem Planeten.

CW: Ist das Web mehr als lediglich ein weiteres Kommunikations-Tool?

Saffo: Ja, das Web bringt fundamentale Veränderungen mit sich. Bislang galt Kommunikation als Synonym für eine Art Leitung zwischen zwei oder mehrere physischen Orten. Seit der kommerziellen Nutzung des Web ist nun die Kommunikation das Ziel. Deshalb wird sich das Web nicht nur als Übertragungskanal zwischen kommunizierenden Menschen etablieren, sondern als Medium eignen, in dem sich Menschen aus aller Welt treffen, um zu kaufen, verkaufen oder sich ganz einfach zu amüsieren.

CW: Wie wird das Web geschäftliche Aktivitäten verändern?

Saffo: Zunächst einmal senkt das Web die Transaktionsausgaben ganz gewaltig. Mit seiner Hilfe ist es plötzlich möglich, Transaktionen zu einem Bruchteil der sonst üblichen Kosten abzuwickeln. Dies hilft nicht nur Geld sparen und die Effizienz steigern, sondern verändert auch die Einkaufs- und Verkaufsgewohnheiten von Menschen. Kleine Firmen erhalten plötzlich die gleiche Macht und dieselben Möglichkeiten, die bislang nur die große Unternehmen hatten.

CW: Was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen in den kommenden zehn Jahren?

Saffo: In zehn Jahren wird man das Web aufgrund technischer Innovationen nicht mehr wiedererkennen. Die zugrundeliegenden Maschinen werden zehnmal soviel Rechenleistung und Arbeitsspeicher besitzen wie heutige Systeme. Das wiederum bedeutet, daß auch die Bandbreite für Übertragungen überproportional steigt. Auch das Web als Informations-Medium dürfte sich stark verändern. Es entwickelt sich weg von einem Modell, das Menschen für den Zugriff von Informationen nutzen, und hin zu einem Medium, in dem sich Personen treffen, um Informationen auszutauschen.

CW: Glauben Sie, daß Unternehmen, die im Web tätig sind, erfolgreicher agieren werden als Companies, die traditionelle Geschäftsmodelle verfolgen?

Saffo: Eins ist klar: Man wird sicherlich riskantere Geschäfte tätigen und vermehrt damit zusammenhängende Pleiten registrieren. Neue Technologien sind nun mal für kleinere Organisationen oder einzelne Personen leichter zu nutzen als für größere Gruppen oder Unternehmen.

CW: Kennen Sie ein Beispiel für ein gelungenes Web-Konzept?

Saffo: Ja, den Verkauf von Büchern im Internet. Als Amazon.com ins Leben gerufen wurde, mochten nur die wenigsten an den Erfolg glauben. Doch der Anbieter agierte flink, blieb mit beiden Beinen auf dem Boden und wuchs mit der Technologie.

CW: Müssen Unternehmen heutzutage unbedingt online gehen?

Saffo: Nein, nicht grundsätzlich. Das Web eignet sich für verschiedene Industrien unterschiedlich. Ein Student der Stanford University formulierte es am treffendsten: Im Cyberspace gibt es keine Distanz zwischen zwei Punkten. Es entsteht ein ganz neuartiges Geografie-Bewußtsein. Der Geschäftspartner oder Wettbewerber, der sich auf der anderen Seite des Planeten befindet, sitzt direkt neben Ihnen. Zwei Mausklicks, und Sie sind bei ihm.

CW: Wie unterscheidet sich der Einfluß des Web von den Auswirkungen anderer historischer Technologien?

Saffo: Television entwickelte sich zu einem Massenmedium. Das Fernsehen hat die Welt in unsere Wohnzimmer transportiert. Doch alles, was wir tun konnten, war, unsere Nasen gegen ein Glas zu pressen und zu gucken. Im Web kann man Dinge - anders als beim Fernsehen - beinflussen.