Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.11.1980 - 

Checkout-System mit EAN-Scanner:

Kleine Märkte mit den Waffen der Großen

Obwohl die neuen Kassensysteme mit EAN-Scanner ins Kreuzfeuer der Branchenkritik geraten sind, bahnt sich ein Durchbruch nun auch in kooperativ arbeitenden Lebensmittel-Geschäften mit Verkaufsflächen um die 1000 Quadratmeter ab. Die Verbände im Bereich Hartwaren empfehlen ihren Mitgliedern im Einzelhandel und in der Industrie allerdings, die Entwicklung noch abzuwarten, "um Fehlinvestitionen zu vermeiden". Es geht hier um den heftig entfachten Streit OCR oder EAN. Der folgende Beitrag berichtet über die neuesten Entwicklungen an der Scanner-Front.

Der Fachverband Deutscher Eisenwaren- und Hausratshändler (FDE) wehrt sich dagegen, das EAN-System (Europäische Artikel-Nummer) für die gesamte deutsche Wirtschaft verbindlich zu machen. Der Nachteil des Systems liege unter anderem in der begrenzten Anzahl von nur 13 Stellen im Strichcode "der systembedingten Unmöglichkeit einer klassifizierenden Auswertung ohne Zusatzprogramm und insbesondere in den sehr hohen Investitionskosten für die Scanner-Kassen und die Computer". Von Scantron wurde kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Battelle-Institut ein OCR-Gerät entwickelt, das bis zu 42 alphanumerische Zeichen in OCRA- oder B-Schrift in drei Zeilen lesen kann. Dieses System, das "in Kürze technisch ausgereift auf den Markt kommen soll", urteilt der FDE, biete "wesentlich mehr Möglichkeiten und ist auch für kleine und mittlere Betriebe interessant und erschwinglich".

Nachdem die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE) kürzlich erklärte, daß das EAN-System nicht für alle Branchen geeignet sei, hat nun der Wirtschaftsverband Eisen, Blech und Metall verarbeitende Industrie (EBM) zusammen mit dem Wirtschaftsverbund Stahlverformung seinen Mitgliedern empfohlen, sich vorläufig nicht auf das Strichcode-Verfahren und das EAN-System festlegen zu lassen, bevor nicht die Entwicklung und Prüfung der Anwendungsmöglichkeiten der OCR-Lesegeräte abgeschlossen ist. Damit ist der gesamte Einzelhandel mit Eisenwaren, Hausrat und Heimwerker-Bedarf angesprochen.

Verbilligung erwartet

Es ist nun aber nicht von der Hand zu weisen, daß sich der Scanner-Einsatz im Lebensmittel-Einzelhandel bewährt hat und mit dem schon 1981 erwarteten größeren Durchbruch auch wesentliche Verbilligungen auf dem Kassenmarkt eintreten werden. Das jedenfalls versichern uns sowohl Computerhersteller als auch Topmanager von Handelshäusern. Das System setzt sich nämlich auch im problemlosen Hartwarenbereich in den Supermärkten, SB-Märkten und Warenhäusern durch, weil es laut Tengelmann und Allkauf "eine der letzten Rationalisierungsmöglichkeiten im deutschen und europäischen Handel ist".

Fast wöchentlich stoßen neue Anwender im Lebensmittel-Einzelhandel zu den Scanner-Pionieren. Nach Tengelmann in Wiesbaden (Grosso), Doderer in Augsburg, Rewe in Schwerte (Ruhr) "scannen" jetzt auch Hertie in der Lebensmittelabteilung der Mainzer Filiale, Schmidt & Co. in Hagen, Rendit in Gladbeck, Rewe in einem Kontra-Markt in Köln-Rodenkirchen, Tengelmann in einem neuen Ladentyp in Gladbeck; auch Karstadt will in den nächsten Monaten in einer Hamburger Filiale Scanner-Kassen installieren, Planungen gibt es bereits bei Allkauf (Mönchengladbach), Schaper in Hannover und dem Berliner Filialunternehmen Manns.

Nach einer Nielsen-Zählung (Marktforschungsinstitut) trägt inzwischen jeder zweite Artikel im Lebensmittelhandel den Strichcode. In den USA existieren schon 2200 Firmen mit Scanner-Einsatz. Wie sich die Scanner-Anwender mit der artikelgenauen Erfassung des Sortiments ständig über das Geschehen am Markt informieren, soll das folgende Fallbeispiel deutlich machen.

Die Essener Rendit Handelsgesellschaft & Co. KG (Essen) erfaßt in ihrem neuen Rendit-Verbrauchermarkt mit rund 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche im City-Einkaufs-Center in Gladbeck das gesamte Sortiment mit 20000 Artikeln (davon 40 Prozent im Nonfood-Bereich) mit automatischen Lesesystemen (Scannern). Die NCR-Scanner an den Kassenstellen der Checkout-Linie lesen den bereits auf den Verpackungen aufgedruckten EAN-Code sowie den UPC-Code der mit Meto-Zangen aufgebrachten Balken-Code-Haftetiketten. Die an den Kassenstellen erfaßten und vom Rechner verarbeiteten Daten überprüfen den Lagerbestand und geben jederzeit Auskunft über Kundenverhalten oder Stundenaktivitäten. Die Daten ermöglichen laut NCR eine Personaleinsparung, die sich am Marktgeschehen orientiert.

Gesamtes Sortiment erfaßt

Das Sortiment ist unterteilt in 85 Warengruppen. Disponenten befassen sich mit den im Markt anfallenden Daten (Rendit hat noch vier andere Märkte dieser Größenordnung), stellen diese zu Bestellungen zusammen und geben sie dann an die Zentrale in Essen weiter. Das gesamte Sortiment von 20000 Artikeln wird nun mit automatischen Lesesystemen erfaßt, außer Fleisch, Wurst, Obst und Gemüse. Aus der Vielzahl von Abfragemöglichkeiten seien nur einige genannt: prozentualer Ertrag je Artikel brutto und netto, Rohgewinnermittlung, Warengruppenumsatzbericht, vergleichbar mit Vortag, -woche, -monat und jahr, Kassiererumsatzbericht, Kundenfrequenz und Wareneingang. Laut Rendit wurde die gewünschte Verbesserung der Organisation erreicht.

Scanner-Kassen gab es in Deutschland bisher nur in großflächigen Märkten des Einzelhandels. Sie konnten wie Rewe verkündet, "zu einem weiteren Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Betrieben genutzt werden". Für den selbständigen Lebensmittelhandel mit Marktgrößen um 1000 Quadratmeter entwickelte und realisierte jetzt ein gemeinsames Projektteam der Rewe-Zentral AG und der Nixdorf Computer AG kassenorientierte Warenwirtschaftssysteme mit Scanner-Einsatz. Das Projekt hat zum Ziel, innerhalb von etwa zwei Jahren für den selbständigen Lebensmittel-Einzelhandel Lösungen für die Verkaufsabwicklung und Warenbewirtschaftung bereitzustellen.

Das erste autarke Scanner-System für Lebensmittelgeschäfte der angesprochenen Art wurde jetzt in einem Kontra-Markt der Rewe in Köln-Rodenkirchen in Betrieb genommen. Darüber hinaus werden Möglichkeiten untersucht, Kassensysteme mit Scannern auch für Ladengrößen bis zu 500 Quadratmeter attraktiv zu machen. Das elektronische Verbundsystem von Nixdorf besteht aus folgenden Geräten: Rechner (mit Ausfallsicherung, zwei Plattenlaufwerke mit je 10 Millionen Byte-Zeichen zur Datenspeicherung, zwei Bildschirme und ein Protokolldrucker für den Dialog mit dem Computer, vier modulare Kassen mit vier automatischen Scannern und eine Kasse mit Lesestift (Getränkeshop) für die Verkaufsabwicklung, zwei Etikettendrucker (Balkencode EAN-Norm) zur nachträglichen Auszeichnung von Artikeln, die (noch) keine EAN-Codierung tragen.

Mit diesen Hardware-Komponenten wurden laut Nixdorf die Voraussetzungen für eine systemgesteuerte Warenwirtschaft auf Marktebene im selbständigen Lebensmittel-Einzelhandel geschaffen. Die manuelle Preiseingabe an der Kasse beschränkt sich auf Frischartikel und Sonderfälle. Im Kontra-Markt Rodenkirchen arbeitet das System mit zirka 4500 Artikeln herstellerausgezeichnet (EAN), zirka 2500 Artikeln nachträglich im Laden ausgezeichnet (EAN-Norm), zirka 5000 Artikeln mit Warengruppenidentifikation und Einzelpreis (nach EAN-Norm) und zirka 1000 Artikeln mit herkömmlicher Preisauszeichnung.

Sukzessive ins System

Das Kassensystem wird mit den Anwendungsprogrammen IKS (integriertes Kassen-System) betrieben. Der Jahresumsatz des Marktes mit fast 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche beläuft sich derzeit auf zirka zehn Millionen Mark. Hier wurde der erste Schritt in Richtung eines geschlossenen Warenwirtschaftssystems für den selbständigen Lebensmittel-Einzelhandel in der Rewe-Gruppe beschritten. Weitere Stufen, wie Wareneingangsbearbeitung, Disposition und Bestellwesen etc. werden sukzessive in den Systemverbund übernommen, der zur Zeit tatsächliche Kosten von zirka 0,9 Prozent vom Umsatz verursacht.

Zielsetzung ist laut Nixdorf eine Reduzierung der Kosten durch entsprechenden Nutzen auf 0,5 bis 0,7 Prozent vom Umsatz. Zu weiteren Einsparungen dürften noch führen: schneller Durchsatz am Checkout verbesserter Kundenservice, mehr Sicherheit beim Registrieren und Kassieren, bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter, exaktere Daten für die Personaleinsatzplanung, höhere Leistungen des Kassenpersonals, verbesserter Kassenabschluß und Kassenberichte, detaillierte Informationen über die Umsatzentwicklung; außerdem zuverlässige Aktionskontrollen, sichere Aufdeckung von Schwachstellen der Sortimentspolitik, Artikelbestandsführung, Rohgewinnermittlung für Einzelartikel, Erleichterung bei der Bewertung von Inventuren, Analyse von Inventur-Differenzen, sofortiges Wirksam werden von Preisänderungen, weniger Umzeichnungen, Datenaustausch, Kassen-Bon im Klartext mit Preis, Artikel, Menge, Pfand etc. sowie automatische Beschriftung von Euro-Schecks durch Datenkassen.

*Heinz Heiner ist freier Wirtschaftsjournalist.