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23.12.1998 - 

Interview

"Kleinere Projekte haben größere Aussicht auf Erfolg"

Mit Jim Johnson, President des Marktforschungsunternehmens The Standish Group, sprach CW-Redakteurin Karin Quack

CW: Der Name Ihres Unternehmens ist eng verbunden mit den niederschmetternden Mißerfolgsquoten, die Sie den IT-Projekten vor zwei Jahren bescheinigten.

Johnson: Sie meinen die Aussage, daß 40 Prozent dieser Projekte fehlschlagen und nur 27 Prozent erfolgreich abgeschlossen werden ...

CW: Genau. 1998 sind die Untersuchungsergebnisse aber offensichtlich freundlicher ausgefallen: Demnach werden nur noch 28 Prozent der IT-Vorhaben in den Sand gesetzt. Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Ursachen für diese Besserung?

Johnson: Zum einen sind in den Ergebnissen von 1996 die Vorhaben eingeschlossen, die wegen des Web aufgegeben wurden. Viele Client-Server-Projekte schlugen fehl, weil sich herausstellte, daß diese Systeme nicht über das Web betrieben werden konnten. Zudem war den Leuten aufgrund unserer vorhergehenden Untersuchungen (aus dem Jahr 1994, Anm. d. Red.) klargeworden, wo die Schwachstellen ihrer Projekte lagen, und viele zogen die Konsequenzen daraus. Es wurde sozusagen politisch korrekt, Projekte einzustellen.

CW: Mit anderen Worten: Die Zahlen von 1998 lassen sich besser mit denen von 1994 vergleichen als mit denen von 1996.

Johnson: Ja, dieser Vergleich spiegelt eine kontinuierliche Entwicklung. 1998 gab es weniger Fehlschläge (28 gegenüber 31 Prozent ) und mehr Erfolge (26 gegenüber 16 Prozent).

CW: Wenn von vier Projekten nur eines erfolgreich beendet wird und ein anderes komplett den Bach hinuntergeht, ist das immer noch alarmierend. Aber zumindest zeigt die Entwicklung eine positive Tendenz. Wodurch wird sie bewirkt?

Johnson: Die Projekte sind heute weniger ehrgeizig, was zum Teil daran liegt, daß das Jahrtausendwende-Problem viel Geld aus den Budgets beansprucht. Außerdem haben die vielen Web-Projekte den durchschnittlichen Umfang der Vorhaben spürbar reduziert. Kleinere Projekte haben größere Aussicht auf Erfolg.

CW: Knapp die Hälfte der von Ihnen untersuchten IT-Vorhaben werden zwar irgendwann zu Ende gebracht, sprengen dabei aber den ursprünglichen Zeit- und/oder Budget-Rahmen und bieten am Ende weniger Funktionen als geplant.

Johnson: Das stimmt. Aber auch hier ist ein positiver Trend erkennbar: Zeitvorgaben und Budgets wurden 1998 weniger stark überschritten als 1994 - statt um 164 beziehungsweise 180 Prozent nur noch um 79 beziehungsweise 69 Prozent.

CW: Wer nach erfolgreichen Projekten sucht, muß sich beim Handel umschauen. Dort gelingen Ihren Studien zufolge sechs von zehn IT-Vorhaben. Was macht diese Branche anders als die anderen?

Johnson: Dort sind die Leute bescheidener. Aufgrund der geringen Margen kann diese Branche nicht soviel Geld ausgeben.

CW: Damit erfüllt der Handelsbereich die Forderungen Ihres Erfolgsrezepts: Ein Projekt soll nicht länger als sechs Monate dauern, höchstens sechs Leute einbinden und maximal 750000 Dollar kosten. Sind alle anderen Vorhaben zum Scheitern verurteilt?

Johnson: Nein, das ist nur eine Faustregel. Aber das Risiko eines Fehlschlags wächst mit der Größe des Projekts.

CW: Die Implementierung einer betriebswirtschaftlichen Standardsoftware wie SAP R/3 ist demzufolge immer riskant.

Johnson: Ja, das ist sie wohl. Aber einige Unternehmen beherzigen auch bei solchen Projekten unsere Empfehlung, das Gesamtprojekt in kleinere Teilprojekte aufzuspalten. Die SAP selbst wendet diesen Grundsatz an - in ihrer Asap-Methode.

CW: Asap eignet sich aber nur für kleine und mittlere Unternehmen.

Johnson: Ja, das glaube ich auch. Aber es gibt auch für Großunternehmen Wege, die R/3-Einführung zu vereinfachen, also die Komplexität zu verringern.

CW: Was konkret schlagen Sie vor?

Johnson: Leider kann ich Ihnen für dieses Problem keine einfache Lösung anbieten. Fest steht: Solche Vorhaben sind kompliziert, teuer und risikobehaftet. Allerdings fließen sie in unsere Untersuchung nicht ein. Wir berücksichtigen nur neue Anwendungsentwicklungs-Vorhaben.

CW: Also könnte die Fehlschlagsquote de facto sogar noch höher liegen. Aber kommen wir auf Ihre Untersuchungsreihe zurück. Welche Ergebnisse erwarten Sie für das Jahr 2000?

Johnson: Wir hoffen, daß sich die Ergebnisse weiter verbessern. Aber wenn wir zuviel Optimismus verbreiten, werden die Leute möglicherweise leichtsinnig, und das könnte sich wieder negativ auswirken.