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02.05.1980 - 

Nachrichten aus der DV-Provinz:

Kleinstädter klagen über Service-Probleme CW-Bericht, Manfred Hasenbeck

MÜNCHEN - DV - Anwender auf dem flachen Land fühlen sich gegenüber ihren Kollegen in den Ballungszentren benachteiligt. Ihren Standortnachteil bekommen sie oft bereits bei den Vertragsverhandlungen zu spüren. So bot beispielsweise ein Kölner Hersteller der Plettenberger Schade GmbH ein System mit doppelter Wartungsgebühr an. "Das war wirklich das Allerletzte", echauffierte sich DV-Leiter Rolf Pietrowski.

IBM-Anwender Kurt Brühl, Leiter Org/ DV bei Gebrüder Knauf im fränkischen Iphofen, bemängelt vor allem die unterschiedliche Qualifikation der Service-Leute: "Wir kriegen vorwiegend die Anfänger präsentiert, während die erfahrenen Techniker bei den Großkunden in der Stadt herumhängen." Über das gleiche Problem klagt Edgar Zehringer von der Metzeler GmbH, Memmingen: "Man hat manchmal das Gefühl, als würde zunächst ein x-beliebiger Techniker geschickt, um uns bei Laune zu halten", stichelt der DV-Chef, "denn der versteht meist noch weniger als wir."

Wenn er Ersatzteile für seine IBM 370/ 125 braucht, ist die nächste Anlaufstation für Siegfried Kögel von der Berner GmbH, Künzelsau, das rund siebzig Kilometer entfernte Heilbronn. Häufig jedoch, berichtet Kögel, seien Teile in diesem relativ kleinen Lager nicht vorhanden, "dann müssen wir sie mit dem Taxi aus dem Frankfurter Zentrallager ranschaffen lassen".

Aus Angst vor Service-Problemen sind Unternehmen in Neinstädten nur selten bereit, mit "kleineren" Herstellern zu arbeiten. Hartmut Opfermann, CTM-Anwender bei der Pfeiffer Kunststoff GmbH in Radolfzell am Bodensee, hat zwar hardwareseitig keinen Trouble - das Herstellerwerk befindet sich in unmittelbarer Nähe -; dafür gibt es Schwierigkeiten bei der Software. Die Pfeiffer-Crew arbeitet mit zwei externen Programmierern zusammen, die mehr als hundert Kilometer über Land fahren müssen, um nach Radolfzell zu kommen. "Es ist schwierig für uns, ein halbwegs gutes Softwarehaus zu finden", stöhnt Opfermann. Es gäbe zwar gute Leute in Nürnberg, die seien jedoch nicht bereit, den weiten Weg auf sich zu nehmen. Insofern sei, so Opfermann, sein Haus "von Dreibis-Vier-Mann-Betrieben abhängig, die zwar viel versprechen, aber dann keine Leistung bringen".

Als weiteren Nachteil ihrer Abgeschiedenheit sehen DV-Leute in der Provinz den fehlenden Kollegenkontakt. "Man ist allein auf weiter Flur", jammert Peter Neuber von der Nagel KG in Elze bei Hannover.

"Die Suche nach neuen Mitarbeitern können wir uns praktisch schenken", resigniert Jürgen Goldbach von der Gerz GmbH in Sessenbach bei Koblenz, der über ein Jahr lang nach einem Programmierer Ausschau hielt. Das niedrige Gehaltsniveau "weit ab vom Schuß" sei die größte Hürde bei der Personalbeschaffung.

Einen Vorteil hat jedoch das "Landleben" nach den Worten von Hartmut Opfermann: "Die Fluktuation ist bei uns nahezu null."