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16.11.1990 - 

Klimatechnik und Raumausbau in einem Gesamtkonzept zusammenführen

Klimaplanung Rechenzentren ist auch ein Sicherheitsproblem

Immer wieder gibt es Schäden aufgrund der Klimatechnik in Rechenzentren. Einige spektakuläre Wasserschäden oder Schwelbrände machten dies auch in jüngster Vergangenheit deutlich. Planungsfehler, Wartungsmängel, fehlende Redundanz der Überwachungs- und Regeltechnik, aber auch Standortfehler können dazu beitragen.

Es ist schon fast ein Religionsstreit, ob Klimaschränke und Umluftgeräte in Maschinenräumen aufgestellt werden sollen, können, dürfen oder nicht. Aufgrund verschiedener nachhaltiger Schäden, bewirkt durch Klimatechnik im DV-Bereich, empfiehlt es sich grundsätzlich, die Klima- und sonstigen haustechnischen Einrichtungen aus den DV-Bereichen fernzuhalten. Die wichtigsten Gründe dafür sind:

- Es wird eine Funktionstrennung und damit Trennung der Zugänglichkeit erreicht. Wartungstechniker müssen nicht in den DV-Raum und Mitarbeiter der DV in der Regel nicht in die haustechnischen Räumlichkeiten. Die Zugangskontrollen und Schlüsselorganisation können effizienter und sicherer gestaltet werden. Erst jüngst hatte ein Mitarbeiter eines Wartungsbetriebes in einem Roboterraum eines der zahlreichen Cartridges als Souvenir entnommen ...

- Die Klimaanlagen, Umluftgeräte etc., die mit Kühlflüssigkeiten arbeiten und auf eventuell unerschöpfliche Wasserquellen zurückgreifen, bergen die Gefahr von Wasserschäden an den DV-Geräten. Dabei reichen unter Umständen schon die geringen Mengen eines geschlossenen Kreislaufs ohne automatischen Anschluß an eine unerschöpfliche Quelle aus, denn die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit aufgrund eines Schadens am Kreislauf kann an den unter Spannung stehenden DV-Geräten zu elektrolytischer Korrosion führen.

- Umluftgeräte etc. arbeiten mit mechanischen Teilen. Es kommt immer wieder vor, daß defekte Lüfter oder Treibriemen heißlaufen, und korrosive Brandgase frei werden. Um die Gefahr zu reduzieren, muß eine Aufstellung außerhalb des zu schützenden DV-Raumes erfolgen. Die Lufteinführungen in den DV-Bereich sind vor allem gegen Rauchübertritt zu schützen.

- Immer wieder passiert es, aß Netzteile aufgrund eines Defektes einen Elektrobrand verursachen. Das ist zwar eine Gefahr, die nicht anlagenspezifisch für Klimaanlagen und ihre Komponenten gilt, sondern alle DV-Geräte betrifft, die aber reduziert werden sollte, wann immer es möglich ist.

Zwischen Anlagenbetreiber, DV-Hardware- sowie DV-Klimageräte-Hersteller und dem Raumausbau-Unternehmen werden zu häufig weder Standort-, Sicherheits- noch Betriebsbedingungen des Rechenzentrums abgestimmt.

Dies hat sehr oft zur Folge, daß entscheidende Aspekte nicht oder nur unzureichend berücksichtigt werden, wie zum Beispiel:

- Standby-Kapazität,

- Installation eines Doppelbodens (Luftverteilung),

- das manchmal notwendige Abhängen der Decken oder die Installation von Kanälen,

- die Realisation erforderlicher Brandschutzmaßnahmen,

- Sicherheitsvorkehrungen aller Art zur Vermeidung von Stillstandzeiten,

- Grenzwertmeldungen,

- Enbindung und Alarmierung der Haustechnik sowie

- Aufstellungsort des Kondensators für die Wärmeabgabe der RLT-Anlage (RLT = Rumlufttechnik) und Berücksichtigung des Geräuschpegels.

Eine falsche Auswahl der Klimageräte, zum Beispiel der Verzicht auf Modulartechnik, führt zu weniger

- Betriebssicherheit,

- Flexibilität,

- dezentralen Installationsmöglichkeiten,

- Erweiterungsoptionen und

- gegebenenfalls zu höheren Betriebskosten.

Die Modulartechnik offeriert die Möglichkeit, Klimageräte dem realen Bedarf anzupassen und dementsprechend zu erweitern.

Keine bedarfsgerechte Geräteauslegung

Allein die richtige Auslegung nach Norm von DV-Klimageräten und Kondensatoren gewährleistet noch keine maßgeschneiderte Gerätebestimmung, die den erforderlichen Bedingungen entspricht. Für die Sicherheit der Rechenzentrums-Hardware und -Software sollte deshalb eine gegebenenfalls auch über den Normwerten liegende Kondensatorleistung, zum Beispiel ein Kondensator mit größerem Lamellenpaket, gewählt werden. Die Lüftermotoren müssen stufenlos zu regeln sein, um Energie zu sparen und den Kondensationsprozeß auch bei niedrigen Außentemperaturen zu optimieren.

Unzureichende Sicherheitsplanungen

Die Standortwahl für die Infrastruktur, sicher geschottete Brandabschnitte, aber auch Maßnahmen gegen Anschläge von außen und Manipulationen von innen sind von großer Bedeutung.

Die Außenluft- und Fortluftöffnungen der RLT-Anlage, die Kanalführung sowie der Standort des Kondensators sind unter Sicherheitsaspekten sorgfältig zu planen.

Fehlender Wartungsvertrag

Die Installation einer hochwertigen Klimaanlage stellt deren kontinuierliche Funktionssicherheit keineswegs sicher. Auch bei ausschließlicher Verwendung präzise geprüfter Fertigungskomponenten lassen sich Funktionsstörungen nie absolut ausschließen. Nutzungsspezifische Abweichungen vom geplanten Betriebsverhalten verursachen schnell unangenehme und kostenintensive Betriebsausfälle.

Der Betreiber sollte eine hohe Betriebssicherheit fordern: pro Kältekreislauf eine Betriebssicherheit von über 99 Prozent.

Ausführungshoheit sollte definiert worden

Die Auftragsvergabe an viele verschiedene Lieferanten ohne eindeutige Definition der Ausführungshoheit führt allzu häufig zu unnötigen Reibungsverlusten bei Planung und Realisierung. Da die Gewerke für Lüftung, Heizung, Anfechtung und Kühlung sowie die Schaltung und Regelung voneinander abhängig sind, sollten die klimatechnischen Anlagen stets "aus einer Hand" stammen.

Als besonders problematisch erweist sich dies bei nachträglicher Erweiterung, die allzuoft nur durch einen Herstellermix zu realisieren sind, wodurch Optimierung und Sicherheit auf der Strecke bleiben.

Da Klima- und Lufttechnik in enger Beziehung zum Raumausbau stehen, ist ein unter raumlufttechnischen Aspekten fachgerechter Innenausbau von eminenter Bedeutung. Daher sollte von Beginn an sichergestellt werden, daß diese "räumlichen" Bedingungen gebührend berücksichtigt werden. So muß zum Beispiel darauf geachtet werden, ob

- Trenn- und Schrankwände mit und ohne Schallschluck-Einrichtungen,

- Akustikdecken,

- besondere Beleuchtungen,

- Datensicherungsräume,

- Feuermelde- und Löschanlagen sowie

- Doppelböden

zu installieren sind. Nur wenn gewährleistet ist, daß architektonische Anforderungen und arbeitstechnische Abläufe unter Einhaltung der anerkannten technischen Regeln beachtet werden, kann das störungsfreie Funktionieren einer Klimaanlage garantiert werden.

Die Anwender einer Klimaanlage vertreten sehr oft die Meinung, nach erfolgter Installation der Klimageräte stelle sich so bald nicht die Notwendigkeit einer Modernisierungsberatung. Hier wird jedoch der technische Fortschritt als statische, unveränderbare Größe verstanden. Dabei sind technische Neuerungen sehr häufig schon nach kurzer Dauer "veraltet" (Energiespar-Systeme, Überwachungssysteme).

Nicht nur regelmäßige und vorbeugende Diagnose und Wartung sind also gefragt, sondern auch eine Beratung darüber, wie man neue Erkenntnisse in bestehende Konzepte einfließen lassen kann. Dies ist besonders wichtig bei geplanten Veränderungen mit Auswirkungen auf die Klimatechnik.

Rechenzentrums-Sicherheit ist ganzheitlich zu sehen. Sicherung der technischen Infrastruktur ist nur ein Teilgebiet, und Sicherung der Raumlufttechnik davon nur ein wenn auch wichtiger Aspekt.

Bei Betrachtung dieser Thematik erkennt man außerdem: Sicherheit ist ein Bestandteil von Wirtschaftlichkeit. Viele Sicherheitsaspekte sind eindeutig der Wirtschaftlichkeit förderlich; Verfügbarkeit ist ein Wirtschaftlichkeitsaspekt; Sicherheit dient ihr.

Die acht häufigsten

1. Stadortmängel,

2. fehlende oder unzureichende Abstimmung in der Planugsphase,

3. Auswahl eines falschen Klimageräte-Konzeptes,

4. keine bedarfsgerechte Geräteauslegung,

5. unzureichende Sicherheitsplanung,

6. fehlender Abschluß eines umfassenden Instandhaltungs- und Wartungsvertrages,

7. keine eindeutige Festlegung der Ausführungshoheit und

8. Verzicht auf die Inanspruchnahme einer Betreuung während der Nutzungsphase.

*Reiner von zur Mühlen ist Geschäftsführer der von zur Mühlenschen Sicherheitsberatungs GmbH, Bonn, und Gesellschafter der PZ-Plan GmbH, die sich ausschließlich mit Rechenzentrumsplanung befaßt.