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IT in Krankenhäusern/Patientendaten im Fluss


12.12.2003 - 

Kliniken straffen Abläufe und senken Kosten

Der Michels-Kliniken-Verbund profitiert von einem neuen Krankenhausinformationssystem (KIS). Einmal installierte Anwendungsmodule sowie das Kommunikations-Gateway werden in allen sechs Michels Kliniken, insgesamt 2000 Betten, realisiert.Von Stefan Gutfreund*

Steigenden Kostendruck bekommen insbesondere Einrichtungen der stationären und medizinischen Rehabilitation zu spüren. Entlastung versprechen in dieser Situation auf lange Sicht nur ein umfassendes Krankenhausinformationssystem, kurz: KIS, und ein direkter Datenaustausch mit den Kostenträgern. Sie helfen, die internen wie externen Abläufe zu straffen und zu beschleunigen, dadurch auf die Kostenbremse zu treten und gleichzeitig die Qualität der erbrachten Dienste zu steigern.

Der Kliniken-Verbund der Michels Kliniken besteht aus Brandenburg Klinik in Bernau bei Berlin, Nordseeklinik auf Norderney, Herzog-Julius-Klinik in Bad Harzburg, Sachsenklinik in Bad Lausick, dem Neurologischen Rehabilitationszentrum Leipzig in Bennewitz sowie der Tagesklinik in Leipzig. Alle sechs nutzen bereits vier Anwendungsmodule aus dem Baukasten des "KIM System Pro" des LMZ-Software- und -Hardwarehauses in Saalfeld. Die Grundkomponente Patientenverwaltung, dazu die Therapieplanung gehören seit mehr als einem Jahr ebenso dazu wie der ärztliche Entlassungsbericht und die Rezeptionskasse. Die Dokumentation aller Leistungen auf den Stationen inklusive der Termine ist beim Vorreiter Reha-bilitationszentrum Leipzig seit Anfang November dieses Jahres im Betrieb. Bis Mitte kommenden Jahres werden alle Michels Kliniken auch auf dieses Modul bauen können. Zuvor wird der Baustein Labor im ersten Quartal 2004 in Bennewitz folgen und dann ebenso zügig wie die anderen Softwaremodule in den anderen Häusern installiert werden. Auch der direkte elektronische Datenaustausch mit den Kostenträgern Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), Landesversicherungsanstalten (LVA) und Krankenkassen steht bereits. Er wird gemäß Paragraph 301 Sozialgesetzbuch über das "Sedi-Gate-Reha-Fact", ein Produkt von Siemens Business Services (SBS), abgewickelt.

Verwaltung mit integrierter Therapieplanung

Die bisherigen Erfahrungen mit dem System können sich sehen lassen. Über das Basismodul "Patientenverwaltung" werden sowohl die "Patienteneinberufung", "Bettenplanung", der "Fahrdienst" als auch die "Patientenabrechnungen und -statistiken" im Hintergrund absolviert. Die Erfassung der medizinischen Leistungen, bisher allerdings nur in Bennewitz, erfolgt schnell und fehlerfrei barcodegestützt. Damit ist die Dokumentation im stationären Bereich automatisch komplett, schlüssig und auf dem aktuellen Stand. Grafische Darstellungen unterstützen das Personal bei der Bettendisposition, wobei auch Reservierungen, Aufenthaltsunterbrechungen sowie Verlegungen auf andere Stationen und Phasenwechsel berücksichtigt werden.

Auf den Stationen spielt die Patientenverwaltung mit direktem Zugriff auf Stammdaten wie Patientendaten, Kostenträger, Behandlungsarten und behandelnde Ärzte mit dem Modul "Therapieplanung" zusammen. Neue oder veränderte Patientendaten können ad hoc eingegeben werden und sind damit in allen integrierten Softwaremodulen verfügbar. Das Ergebnis dieser Integration: Die untersuchenden, behandelnden und betreuenden Stellen haben diese Informationen am PC-Bildschirm parat. Die Daten, sukzessive um neue Informationen ergänzt, werden Workflow-gesteuert an die nächste bearbeitende Stelle weitergeleitet. Zusätzlich stehen bei der Eingabe Felder zur Verfügung, um Patienten und Behandlungsanforderungen näher zu beschreiben. Das erlaubt nicht nur eine Konkretisierung erforderlicher Maßnahmen, sondern erschließt auch detaillierte Statistiken, um Behandlungsweisen und Pflegemaßnahmen weiter zu verbessern.

Im Rahmen der Therapieplanung können im Hintergrund auch alle Elemente verwaltet werden, die einen funktionierenden Therapieablauf garantieren: Räume, Arbeitsplätze, Therapeuten, Therapiemaßnahmen, Therapiezeiten und bisherige Verordnungen bis hin zu Mahlzeiten, Seminaren und Freizeitaktivitäten. Weil das Softwaremodul Patientenverwaltung alle Abrechnungsarten einschließlich Tagessätzen und Fallpauschalen, künftig auch G-DRG (= German Diagnoses-related Groups), abdeckt, gehen auch die Abrechnungen gegenüber den Kostenträgern schneller über die Bühne.

Sie sind zum Stichtag nach Aufenthalt oder als Zwischenabrechnung möglich, umgesetzt als Einzel- oder Sammelrechnung. Durch das integrierte Rechnungsausgangsbuch sind offen stehende Positionen für die Zuständigen in der Verwaltung nachvollziehbar und effizient verwaltbar. Damit vergeht heute in den Michels Kliniken, zusätzlich gestützt durch den direkten Datentransfer via Kommunikations-Gateway, weniger Zeit, bis Rechnungen beglichen werden und das Geld zurückfließt.

Drastisch reduzierter Aufwand

Mit der Direktübernahme der Patientendaten ins Modul "Ärztlicher Entlassbericht" hat sich in den sechs Kliniken auch dieser Aufwand drastisch reduziert. Das beginnt damit, dass über diese Schnittstelle ausschließlich die dafür notwendigen Daten übernommen werden. Eingabefehler bei zusätzlich erforderlichen Informationen sind durch eine intuitive Bedienerführung weitgehend ausgeschlossen. Durch hinterlegte Vorlagen und vorgefertigte Textbausteine wird die Berichterstellung zusätzlich beschleunigt. Empfängeradressen und bereits angefertigte Dokumente wie Labor-, Therapiedaten und diagnostische Berichte werden auf Knopfdruck eingebunden. Der Texteditor aus der gewohnten Microsoft-Office-Welt vereinfacht das Handling. Durch ein Messaging-System kann die virtuelle Patientenakte direkt zum nächsten Bearbeiter weitergeleitet werden. Selbst der Export an externe Schreibbüros, zum Beispiel in Stoßzeiten, ist möglich. Als Trägermedium für ärztliche Entlassungsberichte an die Kostenträger dient normales Schreibpapier. Damit sind keine Bestellungen von spezifischen Entlassungsbögen bei diesen Leistungsträgern mehr nötig.

Daneben haben die Michels Kliniken ein gemeinsam mit LMZ entwickeltes, integriertes Tool im Einsatz. Es erleichtert den Ärzten per "Frage-Antwort-Spiel" das Ausfertigen der Entlassungsberichte gemäß den Vorgaben der Kostenträger, was auch die Bearbeitungszeiten verkürzt. Den Ärzten bleibt mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patienten.

Direktverkauf über Rezeptionskasse

Weitere Erleichterungen und mehr Effizienz beschert den Krankenhäusern das integrierte Softwaremodul "Rezeptionskasse", ein vollwertiges Kassensystem. Am PC können beispielsweise Telefonkosten, Eigenanteile für Rezepte, Konsumartikel bis hin zu Reisekostenerstattungen sowie ambulante Therapieleistungen für privat Krankenversicherte abgerechnet werden. Sowohl die stationären als auch die ambulanten Patienten profitieren von diesem Modul. Auch die Rechnungsdaten dieser Kassen fließen in die interne Abrechnung ein - wichtig beispielsweise für das Controlling. Für Posten, die vom Kostenträger getragen werden, beherrscht die Rezeptionskasse sämtliche Routinen für eine vorgabekonforme Rechnungsstellung.

Medizinische Leistungserfassung

Mit der medizinischen Leistungserfassung hat das Rehabilitationszentrum Leipzig erst seit Anfang November 2003 praktische Erfahrungen sammeln können. Aufgabe dieses Moduls ist, die auf den Stationen erbrachten Leistungen in Art und Zeitpunkt lückenlos zu dokumentieren. Dafür gibt es zwei Alternativen: manuelle Erfassung oder schneller und fehlerfrei mittels Barcode-Lesestift. Favorisiert wird die zweite Alternative. Einmal dokumentiert, können auf dieser Basis zudem aussagekräftige Statistiken hinsichtlich der Terminbelegung von Patienten, Ärzten, Therapeuten und Pflegekräften sowie zum Medikamentenverbrauch und Zeitaufwand pro Patient erstellt werden. Das dürfte zu noch mehr Planungssicherheit und höherwertigeren Diensten beitragen.

Verlässlich und sicher läuft auch der Datenaustausch mit den Kostenträgern ab. Sedi-Gate-Reha-Fact, deutschlandweit schon in mehr als 300 Krankenhäusern und Reha-Kliniken eingesetzt, macht dies möglich. Dazu übernimmt das Gateway drei Funktionen parallel: Konvertierung zwischen der proprietären Schnittstelle des KIS und Edifact, Vertraulichkeit durch Verschlüsselung und elektronische Signatur sowie die Kommunikation von und zu den Kostenträgern via X.400. Dazu kommen Zeitgewinn und Kosteneinsparungen durch dieses Kommunikations-Gateway, das in jedem der sechs Häuser Dienst tut. Vor seiner Installation mussten die Daten auf Papier ausgedruckt, per Post an die Kostenträger versendet und hier erneut händisch erfasst werden, ebenso umständlich in der in Gegenrichtung.

Auf Flexibilität angewiesen

Das Gateway muss nicht auf die Tätigkeit eines schnellen Datenvermittlers zwischen Kostenträgern und Kliniken beschränkt bleiben. Die Michels Kliniken haben auch die Tür zum E-Procurement weit aufgestoßen.

Für die Integration des nächstfolgenden Anwendungsmoduls "Labor" bis hin zur elektronischen Patientenakte können die Kliniken auf die Vorteile eines modularen KIS zählen. Der Aufwand für die Installation der Module dürfte sich, wie bei den bisherigen Bausteinen, in Grenzen halten. Gerade Krankenhäuser und Reha-Kliniken sind in hohem Maße auf eine derartige Flexibilität angewiesen, beispielsweise um veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen schnell folgen zu können. (bi)

*Stefan Gutfreund ist Leiter des Qualitäts-Managements des Michels-Kliniken-Verbunds mit Sitz in der Brandenburg Klinik in Bernau bei Berlin.

Die Vorteile

Mit den bisher installierten Modulen und dem Kommunikations-Gateway haben sich die Michels Kliniken folgende Vorteile erschlossen:

- Qualitätssicherung nach innen und außen;

- aktuelle, fehlerfreie, aussagekräftige sowie durchgehend geschützte Daten;

- ein hohes dokumentiertes Behandlungs- und Pflegeniveau;

- schnelle und kostensparende Prozesse sowohl bei der Patientenbehandlung und -pflege als auch innerhalb der Verwaltung und beim Datenaustausch mit den Kostenträgern.

Sicherheit

Sensible Patientendaten fordern Krankenhäusern und Reha-Kliniken ein Höchstmaß an Sicherheitsvorkehrungen ab. Am Netzeingang der sechs Michels Kliniken wehrt eine Firewall alle Angriffe verlässlich ab; ihre sechs Systeme werden extern durch Siemens Business Services (SBS) betrieben. Der Datenverkehr zwischen Kliniken und Kostenträgern wird von Sedi-Gate-Reha-Fact unter Verwendung eines PKI-Verfahrens abgewickelt, wobei ein externes Trust-Center die Verlässlichkeit der öffentlichen Schlüssel gewährleistet.

Zugriffe auf die einzelnen Anwendungsmodule wie Patientenverwaltung, Therapieplanung, ärztlicher Entlassungsbericht, Rezeptionskasse und medizinische Leistungserfassung können gezielt auf bestimmte Datenbereiche eingegrenzt werden. Die Rechtesteuerung dazu wird zentral abgewickelt.

Abb: Alle Aspekte in einem Krankenhausinformationssystem

Zugriffe auf einzelne Anwendungsmodule können gezielt auf bestimmte Bereiche eingegrenzt werden. Die Rechtesteuerung ist zentral. Quelle: LGZ