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09.07.2007

KlöCo erwartet von Stahlkonzernen Verkauf ihrer Handelssparten

Von Andreas Heitker

Von Andreas Heitker

Dow Jones Newswires

BARCELONA (Dow Jones)--Die Klöckner & Co AG (KlöCo) rechnet damit, dass sich die großen europäischen Stahlproduzenten zunehmend von ihrem Handelsgeschäft trennen werden. Trotz der fortschreitenden Konsolidierung in der internationalen Stahldistribution schätzt das Duisburger Unternehmen die Gefahr, selbst aufgekauft zu werden, deshalb auch als gering ein. "Wir sehen uns nicht als Übernahmekandidat", sagte der KlöCo-Vorstandsvorsitzende Thomas Ludwig im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires.

Von den Stahlkonzernen habe es bislang keine Interessensbekundungen gegeben. "Da ist noch niemand auf uns zugekommen." Auch an ein Interesse von Finanzinvestoren glaube er nicht. Ludwig verwies auf den Freefload von 100%. Eine Übernahme könne deshalb nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Mit einer Marktbewertung von mittlerweile 2,7 Mrd EUR plus Schulden sei Klöckner aber mittlerweile schon ein "ein dicker Brocken" für einen Interessenten.

Bei der Vorstellung der spanischen Landesgesellschaft hatte Ludwig zuvor vor Journalisten in Barcelona prognostiziert, dass sich die Trennung von Produktion und Distribution auch in der europäischen Stahlbranche weitgehend durchsetzen wird. "Strategisch integrative Konzepte bei den Konzernen werden an Bedeutung verlieren", sagte der Vorstandsvorsitzende. Grund seien die zunehmende Produktspezialisierung der Hersteller und die zunehmende Globalisierung der Stahlkonzerne. "Wir glauben nicht, dass die Anbindung des Handels an die Produzenten nötig oder richtig wäre."

In Westeuropa erfolgt etwa zwei Drittel der Marktversorgung mit Stahl über Handelsunternehmen wie Klöckner oder über Service Center. In Europa verbuchten 2006 in der Distribution die Stahlproduzenten ThyssenKrupp einen Marktanteil von 8%, Arcelor Mittal von 5% und Corus von 4%. KlöCo kam als größter Produzenten-unabhängiger Anbieter auf einen Marktanteil von 7%.

Nach Einschätzung von Klöckner werden die großen Stahlhersteller zwar auch in Zukunft Service Center für Großkunden als Geschäftsfeld behalten. Ansonsten würden die Produzenten aber viel stärker in die weitere Internationalisierung investieren und verstärkt versuchen, sich den Zugriff auf Rohstoffe zu sichern.

KlöCo-Finanzvorstand Gisbert Rühl verwies vor den Journalisten darauf, dass es in Nordamerika bereits eine weitgehende Trennung von Stahlproduktion und -handel gibt. Dieses sei auch für Europa das richtige Modell, sagte er. Die US-Unternehmen seien im Stahlhandel profitabler. Bei den Stahlproduzenten sei der Handel dagegen nicht eigentlicher Teil der Wertschöpfungskette. Auch der Kapitalmarkt schätze das Handelsgeschäft bei den Stahlkonzernen nicht, weil es die Margen senke und Bilanz-verlängernd wirke.

Dass sich die österreichische voestalpine bereits 2006 von ihrer Handelssparte getrennt hat, könnte nach Einschätzung von Rühl Vorbildfunktion auch für andere Unternehmen der Branche haben. Bei Corus sei nach der Übernahme durch Tata Steel derzeit alles offen. Bei ThyssenKrupp sei das Services-Segment "ein Portfolio-Thema". Im Moment sei zwar ein Verkauf nicht zu erwarten, langfristig aber auch nicht auszuschließen. Arcelor Mittal habe zwar eine Ausweitung der Distribution angekündigt. Ob dies tatsächlich umgesetzt werde, sei aber noch zu bezweifeln.

Klöckner will Akquisitionstempo weiter verschärfen

Für die Stahlhändler bedeutet die zunehmende Konzentration in der Stahlbranche nach Einschätzung von Klöckner ebenfalls den "Zwang zur Größe". Die weitere Konsolidierung sei auch in der Distribution nötig. KlöCo will deshalb nach Angaben von Rühl auch sein Akquisitionstempo noch weiter erhöhen. Im Jahr 2008 werde es möglicherweise noch mehr als die für dieses Jahr in Aussicht gestellten 10 bis 12 Übernahmen geben, sagte er. Langfristig würden nur die größeren Distributeure, die Skaleneffekte nutzen könnten, profitabel sein und überleben können.

Der Konzern ist "auf gutem Weg", in diesem Jahr die angekündigten 10 bis 12 Zukäufe auch zu schaffen, sagte der Finanzvorstand. Acht Akquisitionen hiervon wurden bereits verbucht. KlöCo setze dabei weiter auf Akquisitionen von kleineren und mittleren Unternehmen, sagte Rühl. Klöckner traue sich aber mittlerweile auch den Kauf eines größeren Unternehmens mit einem Umsatz von mehr als 750 Mio EUR zu.

Nach Angaben von Rühl ist KlöCo bereit, im Zuge einer Übernahme das vier- bis fünffache des EBITDA für kleinere Unternehmen zu bezahlen und das fünf- bis sechsfache EBITDA für größere Unternehmen. KlöCo selbst werde derzeit mit etwa dem siebenfachen EBITDA bewertet.

Webseite: http://www.kloeckner.de

-Von Andreas Heitker, Dow Jones Newswires, +49 (0)211 13872 14,

andreas.heitker@dowjones.com

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