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08.02.1980

Klotz am (RZ)-Bein: Viele Programme sind überflüssig

"In den meisten DV-Abteilungen ist es schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden", so Dieter Lehner von der Geyer GmbH & Co. in Nürnberg, "Programme zu fahren, die kein Mensch mehr benötigt." Einst im "Hau-Ruck"-Prinzip entstanden, weil sie ein Fachbereich gerade mal schnell brauchte, würden sie heute ein "Fensterbank-Dasein" führen. Ein wirksames "Unkraut-Vertilgungsmittel" gibt es offenbar nicht "Allein der Versuch, Listenanforderungen einfach abzuwürgen, ergibt regelmäßig ein großes Lamento", resigniert Klauspeter Wühr von der Münchener Schaltbau GmbH. August-Jürgen Fahle (Flabeg GmbH, Fürth) sieht die Ursache für unliebsamen Programm-Wildwuchs in dem wachsenden Informationsbedürfnis der Fachabteilungen, das die EDV nicht mehr zeitgerecht befriedigen könne. Zu einer Durchforstung der Programmbibliotheken käme es deshalb nicht. Insellösungen oder sogenannte ad-hoc-Auswertungen seien somit weniger gewollt als zwangsläufig.

August-Jürgen Fahle

Leiter des Rechenzentrum, Flabeg GmbH, Fürth

Bei mittleren Unternehmen mit einer entsprechenden EDV Mannschaft und Hardware muß man das Problem, ob sämtliche gefahrenen Programme notwendig

sind, etwas anders sehen als bei einem Großunternehmen mit der entsprechenden Hardware und (noch wichtiger) der entsprechenden Manpower.

Als "ad hoc-Antwort" würde ich sagen: Es sind nicht sämtliche gefahrenen Programme notwendig. Das klingt zwar sehr pauschal, aber aus Erfahrung weiß ich, daß einmal an geforderte Statistiken "ewig" gefahren werden, weil irgendwann eine

Auswertung noch einmal verlangt werden könnte. Der Informationsaustausch zwischen den Fachabteilungen klappt meist auch nicht wie gewünscht. Dieses Problem kann teilweise nur durch eine Accounting-Auswertung und dann konsequenterweise mit einer entsprechenden

Kostenstellenbelastung gelöst werden.

Ein wesentlicher Gesichtspunkt dürfte jedoch sein, daß durch stetes Wachsen der Informationsbedürfnis se seitens der Fachabteilungen die EDV nicht Schritt halten konnte und dadurch zwangsläufig Insellösungen und "ad hoc-Auswertungen" geschaffen wurden. Kein Programm läuft so lange, wie die sogenannten " Eintagsfliegen " .

Einerseits fehlt die Manpower um ein Arbeitsgebiet nach dem anderen in einer Konsolidierungsphase zu durchforsten und aus mehreren Klein-Statistiken eine aussagekräftige zu bauen. Zum anderen sind es in der sogenannten Planungsphase einige Fachabteilungen denen der Durchblick fehlt, um (vor Aufkommen von lnsellösungen) der EDV ihre mittel- und langfristigen Forderungen oder Wünsche zu nennen. Meiner Meinung nach wäre es von Vor teil, wenn die EDV zusammen mit der Fachabteilung die vorhandenen

Listen sichtet - aber wer gibt schon zu, daß er jahrelang Statistiken ab legt.

Als Lösung des Problems sehe ich eigentlich nur Online-Verarbeitung mit Dialog Arbeitsplätzen. Die aktuelle Versorgung der Daten setzt allerdings ein entsprechendes Datensystem voraus.

Franc Thiemann

Leiter EDV, Wilhelm Jackstädt & Co, Wuppertal

Es wird immer Programme geben, die irgendwann aus aktuellem Anlaß geschrieben wurde und mit deren Output nach einiger Zeit kaum noch jemand arbeitet. Je größer das Unternehmen, desto schwieriger wird es zu übersehen sein, ob ein Programm wirklich noch erforderlich ist.

Wir liegen hier von der Größenordnung her etwa an der Grenze, gerade noch den Überblick zu haben. Zumindest kennen wir noch jeden, der an den EDV-Auswertungen arbeitet. Trotzdem müssen auch wir Vorkehrungen treffen, um keine Makulatur zu produzieren. Hierbei hilft uns die immer wieder ausgereizte Kapazität unserer Anlage.

Die im Hause installierte 370/125 (512K mit 17 Terminals im Local- und Remotebetrieb) ist mit etwa 250 Stunden wöchentlich voll ausgelastet. Da die anfallenden Überstunden - wir haben keinen Schichtbetrieb - durch Freizeit abgegolten werden, sind Einsparungsvorschläge seitens der Operatoren und Programmierer zwangsläufig.

Durch guten Kontakt zu den Fachabteilungen lassen sich die meisten Probleme lösen. Sollte trotzdem jemand nicht freiwillig auf eine, nach unserer Ansicht nicht erforderlichen Liste verzichten wollen, müssen wir nachhelfen. Das geschieht dann, indem wir die uns fragwürdig erscheinenden Ausdrucke von Fall zu Fall nicht dem Empfänger aushändigen, sondern sie stillschweigend zurückbehalten. Erfolgt keine Reklamation, wird das Programm in Zukunft nur noch auf Anfrage laufen . Ärger hat es hierdurch bisher noch nicht gegeben.

Bei unseren ständigen "Programmerforderlichkeitsüberprüfungen", fällt auch im eigenen Bereich etwas ab. So ist es durchaus möglich, daß im gleichen zeitlichen Turnus zwei Programme, wenn auch mit anderen Aufgaben, durch die gleiche Datei fegen. Auch hier haben wir schon manche Minute für den pünktlichen Feierabend beisteuern müssen.

Auch wer schon vor Jahren TP installiert hat, wird feststellen, daß so manches Bildchen auf dem Bildschirm (meist aus lauter Begeisterung in der Anfangs-Euphorie entstanden) heute im grauen Arbeits-Alltag keinen mehr vom Hocker reißt.

Alfred Milz

Leiter des RZ, Bankhaus H. Aufhäuser, München

Für die normalen Programme in der täglichen Produktion muß i ich die Frage, ob alle gefahrenen Programme überhaupt erforderlich sind, mit ja beantworten. Da wir, nur eine geringe Programmierkapazität besitzen, haben wir bis jetzt nur die wichtigsten Sachgebiete EDV-mäßig übernommen. Welche Sachgebiete in welcher Reihenfolge umgestellt werden, wurde im Rahmen einer langfristigen Planung Anfang: der 70er Jahre festgelegt.

Die Wertung der Priorität eines sonstigen Programmierauftrages

liegt in meiner Entscheidungsbefugnis, so daß ohne stichhaltige Begründung keine weniger wichtigen Projekte programmiert werden. Eine andere Frage ist die, ob alle Programmteile erforderlich sind. Ich habe zum Beispiel festgestellt, daß bei einem Wechsel eines Sachbearbeiters plötzlich bestimmte Angaben auf einer Liste nicht mehr erforderlich waren, da sich zwischen ursprünglicher Planung und laufender Produktion eine Änderung der Arbeitsabläufe ergeben hat. Je nach Begründung sind wir diesem Sachbearbeiterwunsch nachgekommen oder haben ihn abgelehnt, da ja bekanntlich jede Änderung eines alten Programmes Schwierigkeiten mit sich bringen kann.

Anders sieht es bei sogenannten Hilfsprogrammen aus. Diese Programme werden für einen einmaligen Zweck erstellt um irgendwelche dringenden Auswertungen zu bekommen oder Dateien zu korrigieren die durch einen Programmierfehler oder Softwarefehler entstanden sind. Diese Programme werden nicht erforderlich, wenn eine entsprechende Software vorhanden wäre. Bislang haben wir bei uns noch keine Programme ausgemustert.

Dieter Lehner

Leiter EDV und Organisation, Geyer GmbH & Co, Nürnberg

Es ist auch in der DV der Brauch, daß man zum Jahresende Bilanz zieht.

Bei derartigen Überlegungen sieht ein EDV-Leiter unter anderem auch die Programme, die täglich, wöchentlich oder monatlich in seiner Abteilung gefahren werden.

Damit legt er sich ein "heißes Eisen" auf den Schreibtisch, denn es stellt sich ihm automatisch die Frage: Sind sämtliche derzeit gefahrenen Programme überhaupt erforderlich?

Prinzipiell sollte zwischen Systemsoftware und Anwendungsprogrammen unterschieden werden.

Über die Programme der Systemsoftware wird sehr viel von kompetenter Seite geschrieben, so daß ich mit meiner Betrachtung bei den Anwendungsprogrammen bleiben möchte. Der auslösende Moment zur Entstehung von Anwendungsprogrammen ist die Forderung eines Fachbereiches, Auswertungen beziehungsweise Unterstützung zu erhalten. Dazu werden Programme benötigt, die sehr oft im "Hau-Ruck-Prinzip" entstehen. Laufen sie erst einmal, werden sie in den Arbeitsablauf der EDV-Abteilung aufgenommen und haben damit ihre "Einsegnung" erhalten. Man kann sich leicht vorstellen, daß nach geraumer Zeit ein Berg von Programmen anwächst, den zu überschauen, kaum jemand in der Lage ist.

Die Wirtschaftlichkeit der Datenverarbeitung wird an diesem Punkt problematisch. Denn, wer hat schon die Möglichkeit, die Wünsche der verschiedenen Fachbereiche exakt zu koordinieren und eine Überprüfung der Programme auf gleiche Aussagefähigkeit, bei geringem Modifizieraufwand, vorzunehmen.

Großunternehmen haben es sicherlich leichter, denn sie sind aufgrund ihrer Organisationsstruktur in der Lage, entsprechend mehr Personalkapazität einzusetzen. Bei mittleren und kleineren EDV-Anwendern ist jedoch gerade das Personal knapp und stellt somit auch von der Kostenseite her gesehen, das größte Problem dar.

Man befindet sich als DV-Mann in einem Teufelskreis. Will man die Programme in ihrer Anwendung überschaubar halten und dabei eine hohe Leistungsfähigkeit erzielen, ist man gezwungen, auf der Personalseite dementsprechend zu investieren. Ganz abgesehen davon, daß gutes Personal sehr schwer zu bekommen ist.

Es ist also zur Selbstverständlichkeit geworden; daß Programme gefahren werden, die bei genauer Hinsicht nicht mehr erforderlich sind. Am besten läßt sich dies bei einem Systemwechsel feststellen, denn beim Einsatz neuer Techniken verändert sich die Software automatisch. Zu diesem Anlaß wäre es sehr vorteilhaft, wenn sich Fachbereich, Organisation und Datenverarbeitung zusammenfinden, um gemeinsam an einem Konzept zu arbeiten, das alle Abteilungen zufriedenstellt. Vor allem der Fachbereich sollte hier tätig werden, denn er allein ist schließlich für die Qualität der Anwendung verantwortlich. Die Zeiten eines Dirigismus seitens der "Lochkarten- oder Hollerithabteilungen" sind ein für alle mal vorbei - Gott sei Dank!

Erst jetzt merkt man, daß die Fachbereiche eine nicht zu übersehende Rolle bei den zu fahrenden Programmen spielen. Wer macht sich schon Gedanken über die Aussagefähigkeit der Auswertungen im Lauf der Zeit. So manche Listen werden angefordert, weil sie schon immer geschrieben wurden, auch wenn sie nur ein "Fensterbank-Dasein" fristen.

Klauspeter Wühr

Leiter der Organisation und Datenverarbeitung, Schaltbau GmbH, München

Die Beantwortung der Frage ob alle derzeit in unserem Hause eingesetzten Programme erforderlich sind, kommt in erster Linie auf den Standpunkt an. Genauer gesagt, als Organisator muß ich ein Eingeständnis selbstverständlich weit von mir weisen, da ich doch nur Programme laufen lasse, die für das Unternehmen nützlich, ja sogar notwendig sind. " Als EDV-Leiter stöhne ich jedoch fürchterlich über Kataloge und Statistiken, die mit zehn verschiedenen Sonderkriterien und in dreißigfacher Ausfertigung anfallen.

In meiner organisatorischen Funktion bin ich mir klar darüber, daß eine Reihe "Uralt-Programme" mitgeschleift werden, die endlich einmal umgestellt werden sollten, aber

durch andere Prioritäten immer wieder in den Hintergrund geschoben wurden. Weiterhin ist mir nicht unbekannt, daß es noch immer Statistiken gibt, die in den Fachabteilungen frisiert werden, bevor sie die Geschäftsführung erhält. Dieser Zustand wird sich solange hinziehen,

bis auch das Management über einen eigenen DV-Anschluß verfügt.

Der DV-Mann glaubt an eine Zukunft des sich immer mehr verbreitenden informativen Dialogs, als Hilfsmittel, um alte Zöpfe abzuschneiden. Ob dies jedoch auch speziell bei Statistiken und Katalogen gelingt, bezweifelt hingegen der Organisator.

Ebenso zweifelhaft ist, ob alle mühsam und "brandeilig" erstellten Auswertungsprogramme zum Aufbereiten von Listen, bezüglich intuitiver Wünsche der Geschäftsleitung (sprich Management-Informations-System zu Fuß), drei Tage vor Übergabe der ersten Liste überhaupt noch interessant sind. Weil man jedoch bislang immer nur nach unten organisiert und nicht nach oben, laufen Listen unbegründeterweise häufig jahrelang, werden verteilt, abgeheftet und kaum ein Mensch schaut einmal hinein.

Der Versuch, solche Listen einfach abzuwürgen, stößt jedoch regelmäßig auf ein großes Lamento. Andererseits kann es passieren, daß man zusammen mit einer Fachabteilung eine Liste entwirft, die dann jahrelang ein Mauerblümchendasein führt, bis sie durch Zufall von der Geschäftsleitung entdeckt und enthusiastisch angenommen wird. Dann wollen sie aber noch die Vergleichszahlen der letzten Jahre sowie die Kummulierung der Quartale haben.

Alle Routinearbeiten wie Bestandsführung, Buchhaltung, Disposition, Auftragsverwaltung, Lohn oder Gehalt sind prädestiniert für eine normal strukturierte DV-Abteilung in einem mittleren Industriebetrieb. Alle anderen Aufgaben, die wir unter dem Sammelbegriff "Informationssystem" sehen, beinhalten die Gefahr des Überalterns, wenn sie nicht flexibel (Generatortechnik) konzipiert worden sind.

Bei der Stapelverarbeitung bremst die DV-Abteilung natürlicherweise alles Unangenehme und stellt bei jeder Programmpflege oder jeder laufzeitintensiven und druckintensiven Verarbeitung die Frage nach der Notwendigkeit dieses Aufwandes an den Organisator.

Meine Hoffnung für die Zukunft ist eine vernünftige, erschwingliche Datenbanksoftware, eine neue Generation von Anwenderprogrammpaketen, die integriert ineinandergreifen und das gesamte Spektrum der betriebswirtschaftlichen Forderungen eines Fertigungs-Unternehmens abdecken.