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30.04.1999 - 

"Architekten des Eigenkapitals" gehen an die Börse

Knorr hofft auf Erfolge im Venture-Capital-Geschäft

MÜNCHEN (hv) - Jungen IT-Unternehmen Starthilfe zu geben und sie vor und nach dem Börsengang strategisch zu unterstützen - das ist das Geschäft von Thomas Knorr und Manfred Frey. Beide sind seit Montag, den 26. April, um einiges reicher, dem Tag, an dem die kleine Knorr Capital Partner AG aus München an die Börse ging.

Thomas Knorr zählt zu den schillernden Persönlichkeiten der deutschen Venture-Capital-Szene. Erstes Lehrgeld in Sachen Risikokapital zahlte der diplomierte Kaufmann und Volkswirt Mitte der 80er Jahre bei BMW. Als Angestellter betreute er dort zwei Wagniskapital-Fonds - einen in den USA, einen in Deutschland. "Als die erste Venture-Capital-Welle aus den USA nach Deutschland herüberschwappte, hatte BMW die von Boston Consulting inspirierte Idee, in Informationstechnik zu investieren. Das Automobilgeschäft schien damals seinen Zenit überschritten zu haben", blickt Knorr zurück.

Ziel sei es gewesen, in hoffnungsvolle Firmen aus dem Computertechnik-, Software-, Telekommunikation und Halbleitergewerbe zu investieren. Im Gegensatz zu Daimler-Benz verabschiedete sich BMW aber wieder schnell von der Diversifizierungsstrategie, so daß sich Knorr zwischen einem tristen Dasein im Beteiligungs-Controlling des Autobauers und dem Schritt in die Selbständigkeit entscheiden mußte.

Der heute 46jährige wählte den unternehmerischen Alleingang und sah seine Lebensaufgabe fortan darin, jungen Unternehmen dabei zu helfen, einen Business-Plan aufzustellen und Eindruck bei potentiellen Investoren - damals im wesentlichen den großen Vermögensgesellschaften - zu schinden. Als Spezialist im Bereich Großrechnertechnik und Cobol-Programmierung sah sich Knorr mit dem nötigen technischen Sachverstand gesegnet, um seiner Klientel weiterzuhelfen.

Ein wenig naiv sei er damals gewesen, so räumt der Münchner heute ein. Er habe sich zunächst zu stark an den USA orientiert, wo Jungunternehmen sehr schnell an die Nasdaq gebracht wurden, so daß Risikokapital-Geber zuversichtlich sein konnten, ihr Investment nach nicht allzu langer Zeit hochverzinst zurückzubekommen. "Hier gab es kein Pendant zur Nasdaq - Unternehmen gingen in eine Neugründung hinein, wußten aber eigentlich nicht, wie sie aus dem Engagement wieder herauskommen sollten." Der einzige Weg für Geldgeber seien Beteiligungen gewesen. Deshalb habe sich Knorr sehr schnell auf das Geschäftsfeld Beteiligungsberatung konzentriert.

Im Jahr 1992 tat sich die Münchner Firma mit Manfred Frey zusammen, der zuvor fünf Jahre Deutschland-Chef des IT-Marktforschungs-Unternehmens IDC gewesen war. Gemeinsam suchten und betreuten die beiden nun hoffnungsvolle IT-Startups, um sie Großunternehmen wie IBM oder Hewlett-Packard anzudienen - immer in der Hoffnung, die Konzerne würden sich auf eine Minderheitsbeteiligung einlassen. Das Geschäft lief schleppend, denn die Branchenriesen wollten Einfluß ausüben und waren, wenn überhaupt, nur an Komplett- oder Mehrheitsübernahmen interessiert.

Aus dieser Zwickmühle wollte sich das Duo nun mit einer Finte befreien: Man beschloß, deutsche Startups an die New Yorker Börse Nasdaq zu bringen. "Am Anfang ließ sich das Geschäft sehr gut an, die Amerikaner sind sehr offen und freundlich. Sie waren begeistert, als wir mit Unternehmen hinüberpilgerten und an die Nasdaq wollten", blickt Knorr zurück. Börsenaufsicht und Investment-Banker seien regelrecht zuvorkommend gewesen - eine Erfahrung, die das Duo in Europa nicht gemacht hatte.

Trotz aller Sympathie zeigte sich die Nasdaq jedoch nicht bereit, deutsche Aktiengesellschaften mit einer für US-Verhältnisse recht komplizierten AG-Struktur ohne Modifikationen an die Börse zu lassen. Statt dessen forderten die Amerikaner, deutsche GmbHs sollten sich in eine "Incorporated" umwandeln, deren Aktienkapital dann emittiert werden sollte.

Knorr sah darin zunächst kein Problem, doch schon bald zeigte sich, daß der deutsche Fiskus nicht gewillt war, eine solche Umwandlung als Anteilstausch zu akzeptieren. Sie wurde wie eine Veräußerung behandelt - mit allen steuerlichen und juristischen Konsequenzen. Viele Mandanten von Knorr waren angesichts der bürokratischen Fallstricke nun sogar bereit, in die USA abzuwandern. Doch auch dagegen hatte der deutsche Gesetzgeber etwas einzuwenden: "Als wir unsere Auswanderungspläne konkretisierten, stellte sich heraus, daß es de facto eine Wegzugs-Besteuerung gibt", ereifert sich Knorr. Um Steuerflüchtlinge aufzuhalten, behandle der Fiskus ein Unternehmen in diesem Fall so, als würde sein gesamtes Vermögen veräußert.

Mitte der 90er Jahre war für Knorr der Zeitpunkt gekommen, sich wieder auf Deutschland und Europa zu konzentrieren und Jungunternehmen hier an die Börse zu bringen. Das Unternehmen wurde Gründungsmitglied der European Association of Security Dealers (EASD), die entscheidend Anteil am Aufbau der Easdaq hat. Gleichzeitig suchte man den Kontakt zur Deutschen Börse und half mit, den Neuen Markt aus der Taufe zu heben.

Das Kerngeschäft von Knorr Capital liegt denn auch im Bereich der Emissions- sowie Fusions- und Beteiligungsberatung. Bisher unterstützte das Unternehmen die Firmen Mensch und Maschine, Refugium, Plenum, Heyde, PSI, Data Design und Endemann Internet AG bei ihrem Gang an den Neuen Markt. Weitere neun Börsenkandidaten hat Knorr bereits unter Vertrag.

Ein Kern dieses Geschäftsfeldes liegt in der Vorbereitung vorbörslicher Unternehmensprüfungen. Börsenaspiranten sind in der Regel überfordert, wenn es darum geht, mit bankbeauftragten Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten und Analysten zu reden. Knorr hilft ihnen dabei und unterstützt sie auch, wenn die jungen Firmen durch Fusionen oder Beteiligungen wachsen wollen und in entsprechende Übernahmeverhandlungen treten. "Wir sehen uns als Eigenkapital-Architekten, von der Gründung bis zum Börsengang", umreißt der Vorstandssprecher das Betätigungsfeld seines Unternehmens.

Den eigenen Börsengang plant Knorr jedoch wegen des zweiten, bisher noch schwächeren Standbeins: dem Venture-Capital-Geschäft. Die Münchner wollen Kapital sammeln, um die Zahl der Beteiligungen an hoffnungsvollen IT-Startups von derzeit zwei auf zwölf bis 15 zu erhöhen. Mit zehn Prozent ist das Unternehmen heute an der ENC Network Computing GmbH, Düsseldorf, beteiligt und mit 8,33 Prozent an IQ Soft in Budapest. Im laufenden Jahr sollen zwei bis vier weitere Beteiligungen folgen.

Als Erfolgsrezept nennt Knorr die Ausrichtung auf die IT-Branche bei limitierten Investments und einer "engen Führung" der Beteiligungsunternehmen. Die Führung bezieht sich im wesentlichen auf operative Prozesse und die Überwachung strategischer Vorgaben - nicht auf das Kerngeschäft des jeweiligen Partners. Beim Aufspüren geeigneter Startups sollen die Kooperationen mit der Gold-Zack-Gruppe (besitzt 24 Prozent der Knorr-Anteile) sowie der IT Adventure AG helfen.

"Wenn wir heute Venture Capital geben, dann nur Firmen, die wir innerhalb einer gewissen Zeitspanne für börsenfähig halten", betont der Unternehmer. Investiert werde bis zu zwei Millionen Mark, wobei Knorr ein Beteiligungsvolumen von fünf bis 15 Prozent anstrebe. Man wolle nicht, durch eine zu hohe Beteiligung inhaltlich bis auf Ebene der Produktstrategie Einfluß zu nehmen.