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03.08.2001 - 

Neue Internet-Dienste/Fehlende Budgetkontrolle macht misstrauisch

König Kunde will nicht online zahlen

Den neuen elektronischen Zahlungsvarianten im Internet fehlt noch immer die Akzeptanz der Verbraucher. Von Johannes Kelch*

Zu teuer, zu riskant und zu wenig bekannt sind den meisten Internet-Surfern die neuartigen Bezahlverfahren im Internet. König Kunde im weiten Raum des WWW ist ein zutiefst altmodisches, traditionsverhaftetes Wesen, das herkömmliche Privilegien unter keinen Umständen missen will. Hartnäckig besteht der Käufer darauf, zuerst eine Lieferung zu erhalten, sodann den Inhalt zu prüfen, bei Nichtgefallen die ganze Sendung zu retournieren und erst dann zu bezahlen, wenn alles passt, eine gedruckte Rechnung eingegangen ist und obendrein gerade Geld in der Kasse ist.

Traditionsreiche Bezahlverfahren sind noch lange kein alter Hut. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Karlsruhe (TH) zur Akzeptanz von Bezahlsystemen im Internet.

Traditionelle Methode ist der HitDie Datenbasis zu dieser Arbeit stammt aus einer Online-Befragung, die das Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung IWW vom 15. November 2000 bis Ende Februar 2001 durchgeführt hat. Knapp 6000 Surfer schickten vollständig ausgefüllte Fragebögen zurück.

Der absolute Hit - sogar im Zeitalter des Cybercash - ist nach den Erkenntnissen der Karlsruher Wirtschaftsforscher die "traditionelle Methode Zahlung nach Rechnung". Mehr als 72 Prozent der Teilnehmer, die schon einmal online eingekauft haben, gaben an, sie hätten dieses Verfahren gewählt. Mehrfachnennungen waren möglich: 47 Prozent der Befragungsteilnehmer haben auch schon mal die Lastschrift-Abbuchung des Rechnungsbetrags geduldet und ebenso viele bei der Lieferung bezahlt (Nachnahme).

Ganz anders als diese bewährten Klassiker unter den Zahlverfahren schneiden die neuen elektronischen Methoden ab: Ihre Rechnung über das Mobiltelefon beglichen haben von den Umfrageteilnehmern erst 3,4 Prozent. Mit vorausbezahltem elektronischen Geld haben erst 1,5 Prozent Erfahrungen gesammelt. "Inkasso-Systeme" zur Sammelabrechnung von Einkäufen wurden erst von 3,1 Prozent getestet.

Lediglich die Kreditkarte erfreut sich größerer Beliebtheit beim Internet-Shopping. So gaben 32,6 Prozent der Umfrageteilnehmer an, sie hätten über eine verschlüsselte Verbindung ("Secure Socket Layer", SSL) ihre Kreditkarten-nummer mitgeteilt und bezahlt.

Der Schlüssel für die Akzeptanz neuer Zahlungsvarianten liegt in der Einhaltung all der Kriterien, die der König Kunde beachtet wissen will: einfache Handhabung, Nachvollziehbarkeit der Umsätze, keine oder nur geringe Kosten für Registrierung und Transaktionen, Stornierungsmöglichkeiten, Absicherung im Schadensfall und Erhalt der Ware vor Belastung des Kontos.

Wie also sind die Aussichten der noch sehr jungen Bezahlung via Mobiltelefon? Steht der Durchbruch des Handys als Zahlmeister unmittelbar bevor, oder ist dieser Weg eine Sackgasse, noch bevor er beschritten wird?

Der Umgang mit dem Handy-Zahlverfahren ist relativ einfach zu erlernen. Nach einer Registrierung bei einem Payment-Provider muss der zahlungswillige Kunde nur einen Button - zum Beispiel "Paybox" oder "Payitmobile" - drücken, Mobilfunknummer oder Alias eingeben und abschicken. Nach der Prüfung, ob die Bank, die GZS oder der Mobilfunkanbieter die Zahlung akzeptiert, wird der Kunde zurückgerufen. Per SMS, WAP oder nach der automatischen Vorlesung der Transaktionsdaten durch eine künstlich erzeugte Stimme (IVR-Call) bestätigt der Käufer mit der PIN, dass er der Zahlung zustimmt. Sicherheit ist bei diesem Verfahren machbar.

Andere Kriterien der Kunden bleiben hingegen unberücksichtigt. So widerspricht ein Obolus für die Registrierung dem Wunsch, möglichst wenig fürs Bezahlen zu berappen. Auch Paybox und Payitmobile unterlaufen unter der Hand das dem Kunden so wichtige Prinzip "Erst Ware, dann Geld". Klaus Pellny, Produkt-Manager beim Payitmobile-Anbieter Materna, schildert die Abfolge: Der Händler erfährt erst nach erfolgter Transaktion Name und Adresse des Kunden und sendet dann die Ware ab.

Cash Mouse für 40 MarkDer Chipkartenhersteller Giesecke & Devrient sowie seine 100-prozentige Tochter Cpays glauben an die "Geldkarte" als kommendes Internet-Zahlungsmittel. Mehr als 40 Millionen Eurocheque-Karten mit dem Geldkartenchip sind bereits im Umlauf. Bislang lädt aber nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der Kunden den Chip auf, um damit kleine Beträge zu zahlen.

Der Zentrale Kreditausschuss der Banken und Sparkassen hat erst wenige Kartenleser der "Klasse 3" (mit Display und Tastatur) zugelassen, darunter die "Cash Mouse" von Cpays, die etwa 200 Mark kosten soll. Im "Key-Pilot-Projekt", das die Geldkarte in Hamburg ab September populär machen soll, könnte der Preis durch "Subvention" bis auf 40 Mark absinken, so Frank Nordmann, Business-Development-Manager bei Cpays.

Kommt ein solches Kartenlesegerät bei den Kunden an? Die Karlsruher Wirtschaftsforscher haben da ihre Zweifel. Nach ihrer Studie sehen sogar Hersteller und Betreiber der Geräte in den hohen Kosten für sichere Systeme "ein großes Hindernis". Die Kosten der Klasse-3-Geräte stünden "in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Schutzbedürfnis der Kunden".

Bei der Sicherheit gibt es keine Mängel, es werden keine sensiblen Daten wie Kontoverbindungen transferiert, die PIN bleibt auf dem Display des Kartenlesers am heimischen PC. Dafür droht eine andere Gefahr: Geht die Geldkarte verloren, ist das geladene Geld weg.

Dieses Schicksal kann auch die Paysafecard treffen. Das Verfahren: Der Kunde kauft an der Tankstelle eine "dumme Karte", so Athena Pawlatos aus dem Marketing-Bereich der Düsseldorfer Paysafecard.com Wertkarten AG. Die Karte trägt versteckt lediglich eine 16-stellige PIN, die der Internet-Surfer freirubbeln kann.

Die Paysafecard eignet sich sowohl fürs "Micropayment" von Kleinstbeträgen als auch - durch Kombination von Karten - fürs "Macropayment", der Maximalbetrag liegt aber bei 2000 Mark (Einsatz von zehn 200-DM-Karten). Vorstandssprecher Armin Sageder vom Anbieter des neuen Systems glaubt, dass diese simpe Technik den Bedürfnissen der Internet-User nach "Sicherheit, Anonymität und Unkompliziertheit" gerecht wird. Er will Jugendliche unter 18 Jahren, die nicht in den Genuss von Geld- oder Kreditkarten kommen, als Kundschaft gewinnen. Sageder wörtlich: "Mit der Paysafecard sprechen wir jene 80 Prozent der Internet-Nutzer an, die bis jetzt nicht im Netz eingekauft haben."

Vorleistung unbeliebtIn der Umfrage der Karlsruher Forscher spielte die Paysafecard noch keine Rolle. Doch generell erfreuen sich vorausbezahlte Systeme keiner überwältigenden Beliebtheit. So heißt es in der Studie: "Diese Systeme gibt es schon relativ lange, ohne dass sich eines von ihnen im großen Stil durchgesetzt hätte." Die Wissenschaftler sprächen immerhin von einem "großen Potenzial". Dieses sei ableitbar aus der "prinzipiellen Akzeptanz" der Systeme (53 Prozent) und der Tatsache, dass erst 1,5 Prozent der Umfrageteilnehmer guthabenbasierende Zahlungsverfahren ausprobiert haben.

Jene 47 Prozent der Befragten, die derartige Systeme ablehnen, haben dafür ihre Gründe benannt: Mehr als die Hälfte aus dieser Gruppe will "nicht in Vorleistung treten", knapp die Hälfte hat "Angst vor einem Verlust" der Karte. Das Vertrauen in die vorausbezahlten Systeme ist auch bei den grundsätzlich einverstandenen Surfern nicht allzu stark ausgeprägt. So würden mehr als die Hälfte aus dieser Gruppe nur bis zu 100 Mark in ihre elektronische Geldbörse stecken.

Inzwischen hat sogar ein Anbieter eines "wallet"-basierenden Verfahrens vor dem eigenwilligen Kunden kapituliert. So konzentriert sich die Cybercash GmbH jetzt auf das Bezahlen mit Kredit- oder Kundenkarte.

Ähnlich schwach ist das Vertrauen in die "Inkasso-Systeme" ausgeprägt. Knapp 57 Prozent der Befragten wollen explizit die Möglichkeit nicht nutzen.

Das Rennen ist noch völlig offenZu den Anbietern zählen die Firstgate Internet AG in Köln ("click & buy"), das Mönchengladbacher Unternehmen In Medias Res ("Net 900") und die X-Press Pay GmbH in Bonn, die über die Telefonrechnung nicht nur kleine Beträge, sondern auch große Summen abrechnen möchte.

Warum lehnen die Gegner diese Zahlungsmethode ab? Sie beklagen "mangelnde Budgetkontrolle" und vertrauen der "technischen Abwicklung" nicht.

So ist das Wettrennen der Zahlverfahren im Internet völlig offen. Nur eines ist sicher: Es gelten die Gesetze des Marktes. Wer am Ende den Interessen, Wünschen und Bedürfnissen der Kunden am nächsten kommt, wird sich durchsetzen.

*Johannes Kelch ist freier Journalist in München.