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20.06.1981

Können DV-Manager künftig ohne DV-Know-how auskommen?

DV-Insider, die den DV-Leiter bereits als "Manager of Informations" sehen, prognostizieren diesem eine zwangsläufige Abkehr vom konventionellen DV-Know-how. Das Zusammenwirken der Datenverarbeitung mit den "neuen Medien" bewirke, daß DV-Verantwortliche künftig primär Managementfunktionen wahrnehmen müßten. Zwar könne sich ein DV-Chef "mit null DV-Ahnung" kaum im eigenen Bereich durchsetzen, erklärt Jochen Schnöller von Arnold & Richter, aber weder detaillierte Betriebssystem-Kenntnisse, noch das Wissen über ausgefeilte Programmier-Logiken führten zum Erfolg. Wichtiger sei fundiertes Betriebswirtschaftswissen sowie die kritische Beobachtung sämtlicher Abläufe im Unternehmen. Anders Detlev van Zeeland von der Scharmann GmbH & Co.: "Auf der taktischen und operativen Führungsebene muß weiterhin Fachkompetenz vorhanden sein, um eine Abteilung sinnvoll führen zu können."

Manfred Kokott DV-Leiter, Städtisches Krankenhaus Schweinfurt in Schweinfurt

(Siemens 7.531, BS2000)

Leisten kann ein DV-Leiter es sich heute nicht mehr, sich von der Basis zu entfernen. Bei der Planung und dem Einsatz von ineinandergreifenden und vielfältigen Aufgabenkomplexen erfordert es auf der Entscheidungsebene des gesamten Managements ein hohes Fachwissen um den Bereich der Datenverarbeitung - das hinreicht bis an die Basis.

Die Zeit, als die DV reine Massenverarbeitung und Routinearbeit zu leisten hatte, gehört längst der Vergangenheit an. Heute stehen Lösungen im Vordergrund, die den Endbenutzer direkt am Arbeitsplatz mit der Datenverarbeitung konfrontieren. Das Ressort muß heute mehr denn je in den Entscheidungsprozeß einbezogen werden, wenn es darum geht, zu designieren, zu testen oder insgesamt die Entwicklung eines Projektes sicherzustellen. Dabei kommt dem DV-Manager eine ganz entscheidende Rolle zu. Er muß das Verständnis und die Aktivität des Anwendungsbereiches wecken, um die Akzeptanz zu sichern. Die Einführung von DV-Anwendungen ist häufig in der Anfangsphase ohnehin mit spürbaren Reibungsverlusten verbunden, die es gilt zur Vermeidung von fehlerhaften Arbeitsergebnissen bis hin zur Ablehnung des DV-Systems zu sichern. Die Rolle des DV-Leiters liegt darin, mit dem gesamten Planungsinstrumentarium sowie mit anderen Verfahrenstechniken unter Einbeziehung der übrigen Managementbereiche des Betriebes Entwicklungen und deren Umsetzung zu schaffen. Er muß Know-how mitbringen, das hinreicht bis an die Grundlagen der DV, um die Belange seines Bereiches darstellen zu können.

Dem Management kommt im Team innerhalb des DV-Bereiches eine große Bedeutung zu. Dies ist aber auch nur dann zu erreichen, wenn dem DV-Leiter ein Stab qualifizierter und motivierter Mitarbeiter zur Seite steht. Die Motivation, das Engagement und die Kreativität der Mitarbeiter fördern und ausbauen heißt für den DV-Manager, mit der Fähigkeit der Menschenführung und persönlicher Leistungsbereitschaft diese Plattform zu schaffen.

Die steigenden Anforderungen an die Belastungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter stehen heute teilweise im Widerspruch zu den in früherer Zeit der Datenverarbeitung entwickelten und heute von der Technologie der DV überholten Normen, wie Tarifverträge, Mitbestimmung und gesetzlichen Regelungen. Hinzu kommt, daß der Personalmarkt leergefegt ist. Dies bringt den DV-Leiter in eine ernstzunehmende Spannungssituation, die es gilt auch im inneren Bereich durch Mitwirkungshandlungen teilweise an der Basis auszugleichen. Dies erfordert von einem DV-Leiter verstärkte Konzentration auf die Personalführung.

Der DV-Manager muß heute nicht nur Fachabteilungsforderungen umsetzen, sondern mit neuen Technologien versuchen, richtungsweisende Lösungen zu schaffen. Diese erfordern eine genaue Kenntnis der vorgelagerten Systeme, um den Anschluß der Integration in das Gesamtsystem nicht zu verpassen oder zu verbauen.

Die Erwartungshaltung, die der übrige Managementbereich sowie die Fachbereiche des Unternehmens an die DV herantragen, kann eigentlich nur mit guter DV-Kenntnis befriedigt werden, um das Gelingen der Projekte zu sichern.

Ein DV-Leiter, der meint, sich null DV-Ahnung leisten zu können, um sich vom übrigen Feld abzusetzen, wird eines Tages im Strudel seines eigenen Kielwassers untergehen. Inwieweit der DV-Manager aber an der DV-Basis bleiben sollte, hängt ab von Faktoren wie

- Größe des DV-Ressorts

- Stellung des DV-Ressorts durch die Unternehmensführung; die diese auch klar zu anderen Ressorts vertreten sollte.

- Verläßlichkeit und Qualität der zur Verfügung stehenden Mitarbeiter

- und nicht zuletzt von der Unterstützung und dem Verständnis der Unternehmensleitung.

Jochen Schnöller Org./DV-Leiter, Arnold & Richter Cine Technik GmbH & Co., München

Vor zirka 10 bis 15 Jahren begann in vielen Unternehmen die Einführung der DV. Das Thema der Kostenexplosion und der Schrumpfung der Absatzmärkte stand zu diesem Zeitpunkt bei weitem noch nicht so im Vordergrund wie heute. Zu dieser Zeit war für viele Mitarbeiter im Unternehmen die DV ein schwarzer Kasten, in dem oftmals unverständliche Abläufe durchgeführt wurden. Außer dem damaligen DV-Manager gab es kaum Mitarbeiter, die detaillierte Kenntnisse auf dem Gebiet der DV-Abwicklung hatten. Somit blieben Neukonzeptionen und Umstellungsaufgaben in allen Details generell an ihm hängen. Es war damals keine Seltenheit, wenn der DV-Leiter selbst programmierte und testete.

Selbst die Geschäftsleitung mußte zum damaligen Zeitpunkt bei sehr vielen Themen passen, da ihr die nötigen DV-Detailkenntnisse fehlten. Der DV-Leiter war mit seiner Gruppe oftmals ein Unternehmen im Unternehmen.

Was hat sich nun gegenüber der damaligen Zeit verändert und wo wird die Entwicklung hingehen?

Der vielleicht entscheidendste Punkt liegt in den fortgeschrittenen Kenntnissen der Mitarbeiter aus den Fachabteilungen und der Geschäftsleitung. Bedingt durch die permanente Entwicklung von Bildschirmeinsätzen mit Dialogverarbeitung, ist der Computer für den Anwenderkreis ein Arbeitsmittel, wir früher die Buchungsmaschine, der Tischrechner oder die Schreibmaschine geworden. Dadurch steuern künftig Erweiterungen oder Verbesserungen in den einzelnen Abwicklungsbereichen immer mehr die Fachabteilungen. Durch das mittlerweile breite Softwareangebot und der Tools von Herstellern und Softwarehäusern, können diese Anforderungen relativ kurzfristig durch die Mitarbeiter der DV-Abteilung realisiert werden. Zudem ist durch die veränderte Problemstellung die Bereitschaft und das Interesse zur DV erheblich gewachsen, so daß aufwendige Konzeptionsgespräche in der Regel entfallen.

Wo liegt nun aber die Tendenz für DV-Mitarbeiter und somit auch für DV-Manager. Meines Erachtens wird sich auch künftig im DV-Bereich ein Kreis von Mitarbeitern mit der Pflege, Verwaltung und Verbesserung der laufenden Projekte befassen müssen. Diese Mitarbeiter benötigen selbstverständlich die notwendigen Detailkenntnisse im Bereich der DV-Abwicklung.

Der DV-Leiter muß neben der DV-Konzeption (hauptsächlich dafür werden DV-Kenntnisse benötigt), mehr die unternehmensorganisatorischen Tätigkeiten in den Vordergrund setzen. Bedingt durch die Erfahrungen über sämtliche Bereiche im Unternehmen, ist er wie kaum ein anderer Mitarbeiter dafür prädestiniert, Schwachstellen aufzuzeigen und an die Geschäftsleitung weiterzuleiten. Diese Aktivitäten können für die Unternehmensleitung lebenswichtige Hinweise zur Erstellung von sinnvollen Unternehmenszielen geben.

Heute ist es meist sekundär, wie etwa ein Kontoauszug oder eine Rechnung aussieht und ob ein Problem per Datenbank gelöst werden soll. Primär ist es vielmehr, daß ein DV-Leiter versuchen sollte, durch geeignete Maßnahmen Schwachstellen zu egalisieren und durch sinnvolle Konzeption deren Integration kostengünstig und zeitsparend sicherzustellen. Eine weitere Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Ziele aus den verschiedenen Unternehmensbereichen ohne große Reibungsverluste an einer zentralen Stelle zu koordinieren.

Für die meisten Unternehmen liegt der Hebel der Wirtschaftlichkeit auf dem Gebiet der Kostensenkung. Deshalb kommen auf den DV-Leiter immer mehr betriebswirtschaftliche und organisatorische Kontrollfunktionen zu. Er muß für die Unternehmensleitung die Basis für eine straffe Führung und eine klare Zielsetzung erarbeiten. Die Hard- und Software sollte in diesem Zusammenhang nur als modernes Hilfsmittel, genauso wie eine numerisch gesteuerte Werkzeugmaschine im Fertigungsbereich, angesehen werden.

Für einen DV-Manager führen deshalb nicht detaillierte Betriebssystem-Kenntnisse oder ausgefeilte Programmierlogiken zum Erfolg, sondern kritische Beobachtungsgabe über die Abläufe im Unternehmen, fundiert mit den notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Bedauerlicherweise versäumen viele DV-Manager sich rechtzeitig mit den unternehmerischen Anforderungen und Aufgaben direkt zu beschäftigen. Sie wären sicherlich dazu bestens prädestiniert, zumal sie durch die Kenntnisse der Zusammenhänge im gesamten Unternehmen in der Lage sind, entscheidende Anstöße zu liefern. Es sei jedoch fairerweise darauf hinzuweisen, daß dazu auch die richtigen Geschäftsleitungspartner notwendig sind.

Ein DV-Leiter mit null DV-Ahnung kann sich zwar sicherlich nicht im eigenen Bereich durchsetzen. Aber die betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Anforderungen gepaart mit analytischem Sachverstand werden in erheblichem Maße anwachsen, womit auch DV-Anwendungen und organisatorische Abwicklungen immer mehr unter dem Gesichtspunkt der Kosteneinsparung und Rationalisierung gesehen worden müssen.

Berthold Trottnow Berater bei Dr. Höfner- Elser - Dr. Toblen Management- und Personalberatung BDU, Stuttgart

Die Behandlung dieses Themas aus der Sicht des Personalberaters, also jenem, dessen berufliche Aktivitäten sich nahezu ausschließlich im Spektrum des Managements- und Führungskräftebereichs konzentrieren, erfordert zunächst die Definierung der Termini Technici "Manager" respektive "DV-Manager" .

Während den Managern, als Trägern betrieblicher Führungsentscheidungen, in marktwirtschaftlichen Systemen die Fixierung der konkreten unternehmerischen Zielsetzungen bis hin zur langfristigen Gewinnmaximierung obliegt, ist der Begriff des "DV-Managers" ungleich differenzierter zu betrachten.

Gleichlaufend zu den tiefgreifenden Entwicklungsprozessen der Computer-Technologien in den letzten zwanzig Jahren entstand eine Vielzahl früher unbekannter Berufsbezeichnungen wie beispielsweise DV-Organisator, Systemanalytiker, Control-Operator oder DV-Kaufmann, die Eingang in unseren beruflichen Sprachgebrauch gefunden haben. Die Zusammenfassung dieser Berufsbilder unter dem Überbegriff "Führungskraft" beziehungsweise "DV-Manager" erscheint nicht zuletzt aus Gründen der Unvergleichbarkeit problematisch. Wenngleich detaillierte, fachliche DV-spezifische Kenntnisse in den produzierenden Bereichen - wie etwa Rechenzentrum und periphere Stellen - eine notwendige, ja unabdingbare Voraussetzung für qualifizierte Fachkräfte darstellt, zeichnen sich im Anforderungsprofil für "DV-Leiter", "Leiter Systeme und Verfahren" oder "zentrale Organisations-Leiter" bereits heute graduelle Umstrukturierungen ab.

Die anhaltende revolutionäre Entwicklung der Informationstechnik wird auch in den kommenden Jahrzehnten eine Vielzahl von Branchen und insbesondere Berufsbildern grundlegend verändern. Während bisher DV-Führungskräfte ihr berufliches Dasein vornehmlich in einem eng begrenzten Spezialistentum zubrachten und primär technokratisch und operativ orientiert waren, wird der "DV-Manager" der Zukunft in verstärktem Maße strategischen, ressortübergreifenden Anforderungen gerecht werden müssen. Die sich abzeichnenden umwälzenden Fortschritte im Bereich der Mikroelektronik - konventionell verdrahtete Logikschaltungen werden immer häufiger durch Mikrobausteine ersetzt (Nachrichtentechnik, Konsumelektronik, Datentechnik) - lassen schon heute erkennen, daß sich die Qualifikationsmerkmale für DV-Führungskräfte im Umbruch befinden.

Notwendigerweise wird fundamentiertes, fachspezifisches Basiswissen gleichsam "Conditio sine qua non" für qualifizierte Fach-Manager bleiben. Darüber hinaus aber werden weitere Eignungskriterien wachsende Bedeutung erlangen:

- Umfassende und konsequente Anwendung moderner Management-Techniken, also die Erweiterung der bisher weitgehend technischen Kompetenz um die Verantwortlichkeit für Motivation und Führungsverhalten.

- Fähigkeit zur Optimierung des DV-Einsatzes im Hinblick auf organisatorische, betriebswirtschaftliche und betriebssoziologische Zielsetzungen.

- Bereitschaft, die überkommene technologisch-naturwissenschaftliche Prägung im Funktionsprofil des DV-Fachmanns partiell zu ersetzen durch allgemeine Manager-Qualitäten schlechthin. Die Fragestellung nach der vorauszusetzenden DV-Erfahrung des zukünftigen DV-Managers ist mithin dahingehend zu beantworten, daß DV-Fachwissen auch in Zukunft grundlegender und unverzichtbarer Bestandteil des Anforderungsprofils sein wird, aber ergänzende Qualifikationen in den Vordergrund rücken werden: Führungserfahrung, konzeptionelles strategisches Denken, analytische Befähigung sowie ziel- und ergebnisbewußte Arbeitsweise. Für DV-Führungskräfte wird das frühzeitige Erkennen und die kritische, realistische Auseinandersetzung mit diesen Faktoren in den nächsten Jahren von existentieller Bedeutung sein.

Detlev van Zeeland DV-Leiter, Scharmann GmbH & Co., Mönchengladbach (Siemens 7.730, BS 1000)

Die Frage, ob sich der zukünftige DV-Manager null DV-Ahnung leisten kann, ist mit einem klaren Nein zu beantworten. In der Regel sind DV-Leiter in der Ebene der Bereichsleiter angesiedelt. Speziell hier ist es erforderlich, daß man nicht nur übergeordnete Zusammenhänge beherrscht, sondern auch als qualitativ hochstehender Gesprächspartner für seine Mitarbeiter fungiert. Eine wissensmäßige Abkehr von der DV-Basis ist auch einem DV-Leiter, der bisher seine Management-Fähigkeit nur sekundär einsetzte, kaum anzuraten. Im Zwischenspiel von DV-Bereich, Fachabteilung und Geschäftsführung wird er künftig mehr noch als bisher als der kompetente Mittelsmann der Informationstechnologie im gesamten Unternehmen angesehen.

Der Weg des DV-Leiters zum Informationsmanager ist bereits programmiert. Er hat die Beratungsfunktion für nahezu alle Sektionen im Betrieb. Er plant mittel- und langfristige DV-Projekte und muß in dieser Funktion als Ansprechpartner sowohl für den Endbenutzer als auch für den Top-Manager präsent sein. Dies und die allgemeine Verwaltungstätigkeit wird einen großen Teil der Arbeitskraft eines DV-Verantwortlichen in Anspruch nehmen. Andererseits muß er jedoch auch seinen Fachbereich weiterleiten Hier trägt er die Personalverantwortung für hochqualifizierte und teuere Mitarbeiter. Hinzu kommt daß er gegenüber den DV-Herstellern als mündiger Anwender auftreten muß.

Bedenkt man all diese Punkte so verbleibt die Frage, ob ein DV-Manager bei diesem Aufgabengebiet mit null DV-Know-how langfristig seinen Sessel halten kann. Die Antwort gilt im übrigen nicht nur für die DV, sondern auch für alle anderen Bereiche eines Unternehmens: Auf der taktischen und operativen Führungsebene muß Fachkompetenz vorhanden sein, um eine Abteilung sinnvoll führen zu können.