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18.04.1997 - 

Laut Plattner war der R3-Erfolg Ergebnis einer Panne

Kohl würdigt Leistung der SAP zum silbernen Jubiläum

Kohl würdigte die Leistung der Walldorfer, verschwieg jedoch nicht, daß es im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik in Deutschland reichlich Nachholbedarf gebe. Aufgrund der voranschreitenden Globalisierung der Wirtschaft sei jetzt Initiative gefragt, auch wenn vielen Deutschen beim Gedanken an den rasanten Fortschritt "mulmig" werde. Der Kanzler zog den Vergleich zum Fußballsport: "Wenn man im Weltcup spielen will, braucht man entsprechendes Training und gute Spieler. Steigt man ab, ist es enorm schwierig, wieder aufzusteigen. Wir müssen jetzt die Zukunft des 21. Jahrhunderts gestalten."

Positiv Denken lautet das Credo des CDU-Vorsitzenden, der sich vorsichtshalber nicht in die Niederungen der Datenverarbeitung herabließ und statt dessen lieber über die Konjunktur im allgemeinen sprach: Der Aufschwung sei nicht mehr fern, versprach Kohl, das Bruttosozialprodukt werde um 2,5 Prozent steigen.

Leider reagiere der Arbeitsmarkt nicht mehr zwangsläufig positiv auf gute Wirtschaftsdaten: "Die unbestreitbar viel zu hohe Arbeitslosigkeit muß uns beunruhigen." Bis zum Jahr 2000 plane die Regierung bekanntlich, die Zahl der Erwerbslosen zu halbieren. Notorischen Zweiflern schrieb der Kanzler aufs Revers: "Wenn wir uns kein Ziel setzen, brauchen wir gar nicht erst anzutreten." In diesem Zusammenhang bedankte sich Kohl bei der SAP, die allein in Deutschland mehr als 5000 Mitarbeiter beschäftigt und erklärtermaßen weiterhin hierzulande entwickeln und einstellen will.

Während Kohl nicht unerwartet über den Standort Deutschland, die Notwendigkeit einer Steuereform und die besorgniserregende demografische Entwicklung referierte, rang der zweite Ehrengast, Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel, in seiner Laudatio nach Superlativen, um die Leistung der SAP-Gründer zu würdigen.

Jedes Jahr habe die Softwareschmiede ihren Umsatz um durchschnittlich 40 Prozent und die Mitarbeiterzahl um 33 Prozent gesteigert - in diesem Jahr seien allein 1200 Neueinstellungen in Deutschland geplant. Teufel verneigte sich verbal mit der Feststellung, die SAP-Gründer seien in einem Atemzug mit Gottfried Daimler, Robert Bosch und Carl Benz zu nennen.

Gut gelaunt blickten denn auch die Firmengründer in ihren Festreden zurück. Vorstandssprecher Dietmar Hopp begründete den Erfolg damit, daß sich vor 25 Jahren "die richtige Kombination von Köpfen" zusammengefunden habe. Mit Hasso Plattner, Klaus Tschira und Dietmar Hopp sind noch drei der insgesamt fünf Gründer - allesamt ehemalige IBM-Mitarbeiter - an Bord. Hopp vergaß nicht, dem nach zehn Jahren krankheitsbedingt ausgeschiedenen Mitbegründer Claus Wellenreuther zu danken. Den in Ungnade gefallenen Werner Hector, der seine Unternehmensanteile ohne vorherige Absprache mit dem Vorstand verkauft hatte, erwähnte er mit keinem Wort.

Beim Versuch, den SAP-Erfolg zu erklären, verwies der Vorstandssprecher auf die besondere Firmenkultur: Man habe es stets verstanden, Bürokratie zu vermeiden und ein "informelles Teamwork" zu pflegen. "Ich sehe die Tatsache, daß die SAP keinen Betriebsrat hat, als wichtigsten Grund für die geringe Bürokratisierung", erklärte Hopp, der zudem begrüßte, daß die Softwerker keinem Flächentarifvertrag verpflichtet seien.

Daß in der Firmengeschichte der SAP auch das Glück eine Rolle spielte, machte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Hasso Plattner deutlich. Was in der Öffentlichkeit als Client-Server-Entwicklung der ersten Stunde gefeiert wurde, war demnach in Wirklichkeit das Ergebnis eines gescheiterten Mainframe-Projektes.

Im Januar 1991 habe die SAP wenige Wochen vor der endgültigen Auslieferung des R/3-Systems im Test festgestellt, daß die Performance auf dem Großrechner unzureichend und die Testumgebung nicht akzeptabel war. "Sechs Wochen vor der geplanten Präsentation auf der CeBIT", so Plattner, "war das Projekt so gut wie gescheitert. In der folgenden Krisensitzung, sie fand angesichts der Brisanz im Stehen statt, stoppten wir die Entwicklung für die Mainframe-Systeme und sahen unsere letzte Chance in den neuen hochperformanten Unix-Workstations, die wir bis dato nur in der Entwicklung nutzten. Die Präsentation auf Unix schlug wie eine Bombe ein, und noch auf der Messe kauften wir 200 solcher Maschinen. Anderthalb Jahre später begann die Auslieferung von R/3." Dies war laut Plattner die Geburtsstunde von R/3 - einer kaufmännischen Anwendung für netzbasierte Rechner.