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26.04.1996

Kolumne/Die hohe Schule der Eigenwerbung

Christoph Witte

Der breite Einsatz von PCs hat den Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren kaum Produktivitaetsfortschritte gebracht. Anhaenger dieser umstrittenen These duerften sich angesichts juengster Marktforschungsergebnisse bestaetigt fuehlen, die dem PC-Geschaeft in diesem Jahr nur einstellige Wachstumsraten vorhersagen. So geht Dataquest von einem bescheidenen Anstieg um 7,6 Prozent aus. Die Desktop-Gegner koennen nun argumentieren, seht her, jetzt haben auch die Anwender Konsequenzen daraus gezogen, dass sich Investitionen in PCs nicht auszahlen.

Analysten wie die Gartner Group und Hersteller wie IBM giessen zusaetzliches Wasser auf die Muehlen der PC-Skeptiker. So wird Gartner nicht muede, zu betonen, um wieviel die Kosten fuer den laufenden Betrieb von PC-Netzen oder Client-Server-Loesungen ueber denen klassischer Midrange- und Mainframe-Konzepte liegen. Und seit Louis Gerstner den Grossrechner - modisch in Server umgetauft - wieder in den Mittelpunkt der IBM-Version vom Network-Centric Computing gerueckt hat, versucht auch er, das Ende der Desktop-Aera herbeizureden. Die Zeiten seien vorbei, in denen in erster Linie Applikationen fuer den "individuellen Desktop" entwickelt wurden, erklaerte er gegenueber dem amerikanischen Wirtschaftsmagazin "Fortune". Erst in einem Nachsatz raeumt der IBM-Boss ein, dass er vom "Stand-alone-PC" spricht, der sich fuer Unternehmen als extrem teuer herausgestellt habe.

Obwohl spaetestens seit Ende der 80er Jahre der unvernetzte PC in der Unternehmens-DV zur Ausnahme geworden ist, fuehrt Gerstner ihn als Argument an, um das "Chaos" in den Unternehmen zu beschreiben. Dabei kommt es dem IBM-Erneuerer durchaus gelegen, wenn der PC generell in Misskredit geraet, ob als Stand-alone-Maschine oder im Verbund komplexer Client-Server-Architekturen. Mehr Geld ist naemlich noch immer im Mainframe-Geschaeft zu verdienen - mit Hardware, Software, Peripherie und Services. In diesem Markt nimmt die IBM - anders als im hart umkaempften PC-Geschaeft - eine unangefochtene Position ein.

Neue Trends wie Internet, Intranet und Network-PC erleichtern es dem IBM-Boss, wieder ohne Gesichtsverlust dem Mainframe das Wort reden zu koennen. Eine netzwerkzentrierte DV benoetige, so seine Argumentation, starke Server. Nur sie koennten sicherstellen, dass der weltumkreisende Datenwust sicher gespeichert wird und Informationen bei jeder Anfrage ueber ein dummes Internet-Terminal in Millisekundenschnelle zur Verfuegung stehen.

Immer wieder will uns Gerstner glauben machen, mit PCs lasse sich die Produktivitaet eines Unternehmens nicht steigern. Hat die IBM jemals auch nur den Versuch unternommen, zu belegen, dass der Einsatz von Grossrechnertechniken die Produktivitaet des Kerngeschaefts in die Hoehe treibt? Nein, das hatte sie nicht noetig. In der von IBM dominierten Grossrechner-Aera gab es keine Alternativen. Erst als sich dem Anwender durch das Aufkommen offener, verteilter Systeme eine Wahlmoeglichkeit bot, machte die Frage nach dem effektivsten DV-Werkzeug Sinn.