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21.04.1995

Kolumne/Die PC-Industrie im Boom ratlos Dieter Eckbauer

Der PC ist obsolet geworden", schrieben wir in der letzten Ausgabe (Kolumne: "Postkutscher und Stummfilmstars"). Im nachhinein erscheint die Aussage als schlapp begruendet und deshalb unverstaendlich. Was hatten wir denn vorzubringen? Dass die PC- Hersteller phantastische Information-at-your-fingertips-Loesungen zu bieten haetten und verzweifelt nach anzugehenden Problemen suchten, weil herkoemmliche Anwendungen fuer eine Markterweiterung nichts mehr hergaeben: zuwenig, um die Behauptung aufrechtzuerhalten? Es stimmt schon, damit allein ist die These vom missverstandenen PC-Mythos nicht zu erklaeren, schon gar nicht gegenueber Leuten, die von einem anhaltenden PC-Boom traeumen.

Denn auch davon ist ueberall zu lesen. Compaq & Co. machen blendende Geschaefte, vornehmlich im Heimbereich. Immer neue Lieferrekorde werden gemeldet. Eckhard Pfeiffer, deutscher Wundermann im texanischen Hauptquartier von Compaq, wird von der Wirtschaftspresse mit Lob ueberschuettet. Noch sei ein Ende des Hoehenfluges nicht abzusehen. Pfeiffer, so scheint es, kalkuliert richtig, wenn er auf den PC als zukuenftige Allzweckplattform fuer universelle Informationsverarbeitung und -verteilung setzt.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Der Compaq-Chef weiss natuerlich, dass er seinen Erfolg zum grossen Teil dem Konzentrationsprozess in der Branche verdankt. Die Masse macht's. In der Halbleiterindustrie zeichnet sich bereits das endgueltige Szenario ab. Intel beherrscht die Konkurrenz, sofern man von einer solchen ueberhaupt noch sprechen kann. Prozessorleistung wird zur Commodity, zur technischen Belanglosigkeit, die aus der Sicht der Kunden, der Anwender nichts mehr kosten darf. Hardware bald als kostenlose Dreingabe, an diese Vorstellung werden sich PC- Hersteller gewoehnen muessen. Fuer den renommiertesten Compaq- Wettbewerber, die IBM, wird es bereits eng - die PC-Sparte kommt trotz groesster Anstrengungen nicht aus den roten Zahlen heraus. Sisyphus Gerstner laesst das PC-Topmanagement rotieren. Es nuetzt alles nichts. Bei Apple erleben wir Mike Spindler ratlos, darueber koennen auch die juengsten Organisationsmassnahmen nicht hinwegtaeuschen.

Noch ist die PC-Branche nicht soweit, die Entwicklung als unausweichlich anzuerkennen, sich ernsthaft mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen. Das hiesse ja, langfristige Strategien entwickeln zu muessen. Kein guenstiges Omen: Man denke nur daran, dass die PC-Karawane schon viele Anbieter zurueckgelassen hat, die dem Tempo nicht mehr folgen konnten. Stuemperhaft war der jeweilige Abgang von der Branchenbuehne allemal.

Das laesst nichts Gutes erwarten. Wenn also der PC irgendwann als Antriebsmotor der Innovation und als Gewinnbringer ausfaellt - niemand spricht von hier und heute -, worauf hat sich eine neu zu formierende Industrie einzustellen? Welche Technologie ist zukunftstraechtig? Wir koennten jetzt raten: die Lasertechnik! Das waere eine eigene Betrachtung wert. Wichtiger ist jedoch, dass sich die PC-Hersteller ihre Unsicherheit eingestehen. Nur zu, es beisst ja keiner!