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07.06.1996

Kolumne/Und die Jahre ziehen ins Land ...

Christoph Witte

Und wir benutzen die DV immer noch ohne Verstand. Mit diesem leicht abgewandelten Reim aus einem deutschen Popsong wollen wir niemandem zu nahe treten. Aber den unbedarften Betrachter der hiesigen DV-Szene dürfte das Mißverhältnis zwischen Investitionen in Informationstechnik und daraus resultierenden Erfolgen doch etwas stutzig machen. Trotz der vielen Milliarden Mark, die in den vergangenen Jahren für Informations- und Kommunika- tionstechnik aufgewendet wurden, beklagen Industrie und Politiker nach wie vor mangelnde Produktivität.

In Zeiten wirtschaftlichen Drucks gerät die DV wieder einmal in Gefahr als für den Unternehmenserfolg belanglos eingestuft zu werden. Angesichts dieser "Sinnkrise der kommerziellen DV" müssen die seit knapp einem Jahr aufkommenden Data-Warehouse-Konzepte von IT-Profis und Herstellern wie eine Erlösung empfunden werden. Geht doch mit ihnen das Versprechen einher, die Daten- zur Informationsverarbeitung zu veredeln. Riesige Datenlager sollen den Vergleich produktiver, historischer und externer Daten erlauben. Mit Front-end-Tools zum Data-Drilling- und -Mining lassen sich den Protagonisten zufolge Ereignisse auf die dahintersteckenden Gesetzmäßigkeiten analysieren. Beispielsweise können auf dieser Basis Rückschlüsse auf das künftige Verhalten von Kunden gezogen werden. Fragen nach dem paßgenau auf eine Zielgruppe hin ausgerichteten Produkt, einer erfolgsversprechenden Marketing- und Vertriebsstrategie ließen sich mit einem Data-Warehouse quasi auf Knopfdruck beantworten.

Selbstverständlich kostet diese Mammutapplikation, die der Datensammelwut der Unternehmen endlich einen über die Steuererklärung hinausreichenden, informativen Sinn gäbe, keine Kleinigkeit. Für komplette Data-Warehouse-Lösungen sollen einige Kunden nach Aussagen der Meta Group bereits 50 Millionen Dollar ausgegeben haben. Angesichts der versprochenen Vorteile scheint allerdings selbst diese Summe großen Unternehmen gerechtfertigt.

Aber auch wenn sich dieses informationstechnische El Dorado technisch realisieren ließe, bleiben Fragen: Wie und wer nutzt die aufwendig eingerichteten Datenlager, wie werden die Ergebnisse umgesetzt? Hand aufs Herz: Wie viele Manager hören sich abweichende Meinungen überhaupt an, bevor sie eine Entscheidung treffen? In der Regel lassen sie nur das an sich heran, was ihrer vorab entstandenen Meinung entspricht, alles andere gerät in ihren Augen schnell zur Schwarzmalerei, wird als oberflächlich oder falsch geschlußfolgert abgetan. Außerdem benutzen die Entscheider selten selbst Computer, und von einem Spreadsheet lassen sie sich schon gar nichts sagen. Ihr Kopf, um nicht zu sagen ihr Bauch, entscheidet. Wäre das nicht der Fall, ließen sich so offensichtliche Fälle von Mißmanagement wie bei der Bremer Vulkan nur schwer erklären. Schließlich können auch mit herkömmlicher Business-Software Gewinn- und Verlustrechnungen oder Dreimonats-Prognosen berechnet werden. Aber offenbar schaut niemand diese Daten an oder richtet sich gar nach ihnen. Ob das mit Data-Warehouses anders wird, darf deshalb bezweifelt werden.