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22.07.1994

Kombination von Switching und Routing geplant Fusion: Synoptics und Wellfleet gehen in Richtung virtuelle LANs

MUENCHEN (pg) - Wie eine Bombe ist die geplante Fusion zwischen Synoptics und Wellfleet in der Internetworking-Branche eingeschlagen. Der Merger des Hub-Spezialisten Synoptics mit Wellfleet - Nummer zwei im Router-Markt - duerfte nicht nur die Konkurrenten geschockt haben, sondern auch zahlreiche Anwender irritieren. Der Grund: In Synoptics-Hubs wurden bisher Cisco- Router implementiert.

Die Ohren muessen so manchem geklungen haben, als Paul Severino, President und Gruender von Wellfleet Communications, kuerzlich gegenueber der Presse das Aussterben der Router-Technologie und statt ihrer die Geburt des Cell-Switching prophezeite. In solcher Deutlichkeit haette Severino, dessen Company ihr Geld mit Routing- Produkten verdient, diese Aussage sicher nicht ohne das Wissen um die anstehende Fusion mit Synoptics gemacht. Hinter seiner "Vision" verbirgt sich naemlich das Ziel des neuen Unternehmens, in intelligenten Hubs Routing-Funktionen mit Cell-Switching- Technologie zu kombinieren.

"Wir sehen die Notwendigkeit, Routing und Switching zu vereinen, um leistungsfaehige virtuelle Netze zu generieren, die den Anforderungen der Kunden auch in Zukunft gerecht werden", erklaerte Severino den Merger und legte damit die Strategie des Duos offen. Die neu zu gruendende Company orientiert sich damit an einem Markttrend, der unter dem Schlagwort "Virtuelle LANs" diskutiert wird.

Grundlage dieser Internetworking-Methode sind Hubs, die mit einem Packet-Switching-Verfahren arbeiten. Damit soll Netz-Managern gemessen an traditionellen Shared-Media-Hub-Konfigurationen die Zuweisung von dedizierter Bandbreite an Network-Clients oder an sogenannte virtuelle LANs erleichtert werden. Der Vorteil dieser Methode liegt nach Ansicht von Franz-Joachim Kauffels, unabhaengiger Berater fuer Netzwerke, darin, dass im Vergleich zum klassischen Routing die zeitaufwendige Protokollkonversion hinfaellig wird.

Doch bevor Wellfleet und Synoptics in diese Richtung starten koennen, muessen die Aktionaere und US-Behoerden erst noch ihren Segen geben. Aus der Verschmelzung der beiden Unternehmen soll eine Company mit einem Jahresumsatz von ueber einer Milliarde Dollar entstehen. Im gesamten Internetworking-Markt wuerde diese Firma nach Einschaetzung von IDC eine Groessenordnung erreichen, die noch ueber der des bisherigen Giganten Cisco liegt (vgl. Grafik). Synoptics setzte 1993 ueber 700 Millionen Dollar um. Wellfleet erwartet laut Geschaeftsfuehrer Deutschland Uwe Witt fuer das Ende Juni abgelaufene Geschaeftsjahr weltweit einen Umsatz von knapp 400 Millionen Dollar.

Der Merger soll, Frank Brandenburg, Marketing Manager Synoptics Deutschland zufolge, bis Mitte Oktober ueber die Buehne gehen. In dem neuen Unternehmen, dessen Bezeichnung noch nicht feststeht, wird Paul Severino dem Verwaltungsrat vorsitzen, Synoptics-Chef Andrew Ludwick als President und CEO fungieren.

Die Bekanntgabe der Fusion geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem das User-Verhalten hinsichtlich kuenftiger Internetworking- Strategien durch Unsicherheit gekennzeichnet ist. Seit rund einem Jahr ist ein deutlicher Trend zu beobachten, dass Hub-Produzenten in den Revieren der Router-Hersteller wildern und umgekehrt. Zudem haben zahlreiche Akquisitionen wie zum Beispiel die von Coral Networks durch Synoptics, Crescendo durch Cisco, Bytex durch Network Systems sowie Networth durch Ungermann-Bass fuer Unruhe im Markt gesorgt. Darueber hinaus deuten viele Kooperations- Vereinbarungen zwischen Hub- und Router-Anbietern ebenfalls auf ein Zusammenwachsen der beiden Welten hin.

Zusaetzlich wird das Vertrauen der Anwender in diesen launischen Markt durch die Fuelle herstellerspezifischer Migrationsstrategien fuer LAN-Switching und ATM erschuettert.

Kein Wunder, dass IS-Manager aus den genannten Gruenden um die Investitionen in ihre Internetworking-Komponenten sowie die Logik ihrer Netzinfrastruktur fuerchten und deshalb zum Teil skeptisch auf die Fusionswelle reagieren.

Gleiches gilt fuer die Anbieter der Branche selbst, allerdings aus Wettbewerbsgruenden: Waehrend Router-Gigant Cisco mit dem Kauf von Newport Systems antwortete, sich ansonsten aber weitgehend bedeckt hielt, meldeten andere Anbieter Zweifel an der Machbarkeit des Mergers an. Die Entfernung von 3000 Meilen zwischen dem Sitz von Synoptics in Santa Clara, Kalifornien, und der Wellfleet-Zentrale bei Boston an der Ostkueste sowie die unterschiedlichen Unternehmenskulturen werden als Hauptkritikpunkte angefuehrt.

Noch einen Schritt weiter geht Torsten Scheuermann, Business Manager der Cabletron Deutschland GmbH. Seiner Meinung nach ist die Fusion fuer Synoptics nach Einbussen in den vergangenen zwei Jahren die einzige Chance, am Markt wieder Fuss zu fassen. "Wellfleet ist der Rettungsanker fuer Synoptics, weil das Unternehmen im Bereich Routing staendig seine Strategie aenderte", sagte Scheuermann gegenueber der COMPUTERWOCHE.

Bekannt ist, dass die Plaene von Synoptics und Cisco, gemeinsam einen "Rub" zu entwickeln, nach Differenzen im Sande verliefen. Seit einem Jahr bestehen zwischen beiden Unternehmen keine Kooperationsvereinbarungen mehr.

Der Bruch zwischen den zwei Companies koennte jetzt auf dem Ruecken der Anwender ausgetragen werden, da Synoptics bisher Cisco-Router in den Hubs implementierte. Nach dem Bund mit Wellfleet schliessen Marktbeobachter Inkompatibilitaeten zwischen herkoemmlichen Synoptics-Produkten und kuenftigen Erzeugnissen nicht aus.

Synoptics ist stark bemueht, Bedenken dieser Art zu zerstreuen. "Wir werden eine offene Systemarchitektur bevorzugen und die Cisco-Integration weiterhin sicherstellen", betonte Marketing-Chef Brandenburg auf Anfrage der COMPUTERWOCHE. Ruekkendeckung erhaelt der Deutsche von Synoptics-Boss Ludwick. Der verspricht den Anwendern des Management-Systems "Optivity" von Synoptics, auch kuenftig Applikationen zu entwickeln, mit denen Cisco-Komponenten verwaltbar sind.

Von Cisco war bis Redaktionsschluss kein Statement zu bekommen, ob Synoptics-Hubs weiter unterstuetzt werden.

Stichwort Netz-Management: Die Abstimmung der Synoptics-Produkte Optivity und "Router Man" auf Wellfleets Router-Software "Site Manager" stellt zunaechst eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Company dar. Mit einer integrierten Management-Software beabsichtigen die Strategen, die Verwaltung von Wellfleet- und Synoptics-Produkten ueber eine zentrale Station moeglichst schnell in die Tat umzusetzen. Das Management-Paket soll schon Ende dieses Jahres auf den Markt kommen, Hardware-Releases Mitte 1995.

Ein anderer Schwerpunkt wird in der Entwicklung von Produkten liegen, die Routing- und Switching-Technologien vereinen. Die Plaene sehen laut Severino Komponenten vor, die ATM als Basistechnologie sowie Routing- und Switching-Features voraussichtlich in Form von Software beinhalten.

Aus Kreisen von Synoptics verlautete, ein Ziel sei, den "Lattis Cell ATM Switch" von Synoptics auf virtuelle Router von Wellfleet - Arbeitstitel "Bluefish" - abzustimmen, damit diese Netzverkehr auf den ATM-Switch leiten koennen. Ferner war zu erfahren, dass bis Jahresende in Zusammenarbeit mit Wellfleet Routing-Module fuer die 5000er-Hub-Serie entstehen sollen, moeglicherweise auch fuer die Workgroup-Hubs der Reihe 3000.

Marktbeobachter sehen in der Ergaenzung der Synoptics-Hubs mit Wellfleets Routing-Modulen aber nicht nur eine Aufwertung im High- end-Bereich. Durch die Fusion, so wird vermutet, koennte auch ein Unternehmen aus der Taufe gehoben werden, das im Marktsegment der Stackable Hubs und Remote Branches Flagge zeigt. "Wir haben den Bereich der Stackable Hubs straeflich vernachlaessigt und uns zu sehr auf ATM konzentriert", raeumt Brandenburg ein Versaeumnis von Synoptics in der juengsten Vergangenheit ein. Derzeit ueberlege man, diese Luecke mit Hilfe von Wellfleet zu schliessen und die Modelle der Serie 2000 auf diesen Markt auszurichten.