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Oberfinanzdirektion Koblenz entschied sich für IBM-kompatible Geräte:


26.07.1985 - 

Komfort im Terminal verhindert Mikro-Lust

KOBLENZ - An die Stelle von dezentralen, autonomen Kleincomputern ist bei den öffentlichen Verwaltungsämtern häufig ein Rechenzentrum mit Bildschirm-Terminalnetz getreten. Die Oberfinanzdirektion (OFD) Koblenz setzt als Großrechner die Systeme IBM 3083 und BASF 7-65 ein, an die rund 325 Terminals angeschlossen sind.

Insgesamt sind 36 regionale Finanzämter aus Rheinland-Pfalz, die Straßenbauverwaltung, die zentrale Versorgungs- und Besoldungsstelle sowie das Landesvermessungsamt direkt mit dem RZ der Koblenzer Verwaltung verbunden. Über die Großrechner laufen pro Jahr durchschnittlich 800 000 Einkommenssteuerveranlagungen, 550 000 Lohnsteuerjahresausgleiche und über 200 000 Einheitsbewertungen. Zum Stichtag 2. 1. 1984 waren hier 1,7 Millionen Kraftfahrzeuge gespeichert. Neben diesen Daten ist die Oberfinanzdirektion KobIenz auch für das gesamte Zahlbarmachungsgeschäft verantwortlich.

Programmwechsel im "Nu"

Löhne, Gehälter, Versorgungsbezüge, die Kriegsopferversorgung und Wiedergutmachungsrenten müssen hier monatlich abgerechnet werden. In längeren Zeitintervallen sind darüber hinaus unter anderem Gasöl-Betriebshilfen vom System zu erstellen und anzuweisen. Schließlich kommen noch die Daten von den Straßenbauämtern sowie der Straßenverwaltung Koblenz und dem Vermessungsamt hinzu. Diese Verwaltungsstellen wickeln ihre DV-Arbeiten im Stapelfernverarbeitungsstatus mit dem Koblenzer Rechenzentrum ab.

An die beiden Computer, die unter MVS-SP laufen, sind rund 30 Gigabyte Plattenspeicherkapazität angeschlossen. Das virtuelle Betriebssystem der Rechner wird jedoch auch bei dieser Konfiguration nicht bis in die angeschlossenen 3270-Bildschirme hinein verfolgt. 3270-Benutzer, die über eine 3274-Steuereinheit mit dem Host interaktiv arbeiten, kennen die Randbedingungen des IBM-Modus: In einer Art Start-und-Stop-Betrieb müssen sie sich beim Wechsel von Programm zu Programm abmelden und beim neuen Programm wieder mit ihren Kenndaten anmelden. Mehrere Programmbereiche können im Bildschirm nicht parallel vorgehalten werden.

Codis ist Steuermann

Im Gebiet der OFD Koblenz sind über 325 Bildschirme in Aktion, davon im Gebäude der Oberfinanzdirektion 75. Ein Teil von ihnen wird auch zur Produktionsvorbereitung und

-überwachung von Terminen eingesetzt. Für den federführenden Teil muß die OFD auch Programme entwickeln und pflegen. Durch die tägliche Arbeit an und mit Bildschirmen kommt mit der zunehmenden Erfahrung auch der Wunsch nach mehr Komfort und Multifunktionalität des DV-Arbeitsplatzes. Dazu Hans Steinborn, Steueroberamtsrat in der OFD Koblenz: "Wir müssen zu jeder Zeit für unsere angeschlossenen Dienststellen eine hohe Dienstleistungsbereitschaft stabilisieren. Dasselbe gilt für unsere Arbeitsvorbereitung und Systemprogrammierung. Wir sind daher stets auf der Suche nach Verbesserungen unserer Systemkonfiguration."

Arbeitserleichterungen versprach man sich bei der rheinland-pfälzischen Oberfinanzdirektion besonders durch die Anschaffung der intelligenten Bildschirmterminals 78E der HOB electronic, Zirndorf.

Kern dieses Gerätes, das an die Steuereinheiten 3274 oder 3276 angeschlossen wird und dabei einen Eingang belegt, ist ein 16-Bit-Prozessor.

Vier Tasten am oberen Tastaturrand ermöglichen eine virtuelle Umschaltung, das heißt: Der Benutzer kann innerhalb verschiedener TP-Anwendungen das Programm wechseln, ohne sich vorher ab- beziehungsweise anzumelden. Während der Arbeit, zum Beispiel im Programmbereich zwei wird der Status von Bereich eins "eingefroren". Bei Rücksprung in den Bereich eins kann an derselben Stelle weitergearbeitet werden. Auf diese Weise können stets vier unterschiedliche TP-Anwendungen in einem Bildschirm gefahren werden. Für die Parallelfunktion sorgt das Steuerprogramm "Codis". Es wird im Hostrechner als Anwender-Programm installiert. Codis ist ein Lizenzprogramm und wird als fester Bestandteil der virtuellen Bildschirme geliefert.

Ab- und Anmelden entfällt

Bei der OFD Koblenz haben sich die HOB-Terminals inzwischen durchgesetzt. Dazu Steueramtmann Werner Rams: "Gegenüber den gewohnten Bildschirmen ergeben sich Funktions- und Leistungsvorteile, vor allem für unsere Programmierer." Für die Ab- und Anmeldeprozedur werden durchschnittlich zwei Minuten angesetzt. Bei rund 40maligem Hin- und Herschalten ergeben sich pro Tag immerhin 40 Minuten unproduktive Zeit an einem einzigen Bildschirm. Mit den neuen Geräten geschieht dieses Umschalten in wenigen Sekunden.

Ein Beispiel hierfür sind bei der Programmierung die notwendigen CICS-Umwandlungslisten. Dazu Rams: "Bei den früheren Terminals hat man das am besten gelöst, wenn man zwei Bildschirme nebeneinander stellte. Jetzt genügt ein Gerät, auf dem wir per Funktionstaste einfach hin- und herschalten können. Auf einem Programmbereich können wir zum Beispiel NCCF (Network Communications Control Facility), auf dem anderen CICS (Custom Information Control System) vorhalten." Die neuen Bildschirme geben auch kein "Piepsen" mehr von sich. Das passierte früher, wenn auf den Industriestandard-Displays nach Eingabe der ClCS-Personenkennzeichen zu früh mit der Dateneingabe begonnen wurde. Bei den HOB-Bildschirmen hilft der eingebaute Puffer, daß man ohne Wartezeit mit dem Eingeben sofort beginnen kann. Die letzte Eingabe ist jeweils per Tastendruck wiederholbar.

Als angenehm empfunden wird auch die Einhandbedienung der Terminals. Früher mußte man auf den anderen Bildschirmen beim Umschalten stets zwei Tasten drücken, was während einer telefonischen Auskunft recht schwierig war. Heute kann mit der einen Hand der Hörer gehalten, mit der anderen die eine erforderliche Programmumschalttaste des Bildschirms gedrückt werden.

Außer den oberen vier Programmwahltasten ist der gesamte Tastaturblock mit dem Industriestandard kompatibel, eine der Forderungen des OFD-Pflichtenheftes.

Drucker sollten geräuscharm sein

In der OFD Koblenz müssen gelegentlich Schreiben und Anschreiben an Finanzämter und andere Dienststellen ausgedruckt und versandt werden. Sie gehen zum Teil über fünf bis sechs Bildschirmseiten. Dazu Steinborn: "Papier wird eben immer noch gebraucht. Damit entstand für uns die Notwendigkeit, für den Sachbearbeiter einen Drucker bereitzustellen." Die Oberfinanzdirektion installierte geräuscharme Tintenstrahldrucker mit einer Ausgabeleistung von 150 Zeichen pro Sekunde.

Sie können direkt am Arbeitsplatz an das Terminal 78E angeschlossen werden. Eine zusätzliche Leitung zur Steuereinheit entfällt. DV-Praktiker Rams: "Die Tintenstrahldrucker sind hervorragend für den Einsatz direkt am Arbeitsplatz geeignet. Man hört sie kaum. Das einzige Arbeitsgeräusch, das man vernehmen kann, ist der Papiertransport. Angenehm ist auch die aufgrund der Technik stets gleichbleibende Qualität der Ausdrucke."

In den angeschlossenen Finanzämtern der OFD Koblenz wird die Druckeranschlußmöglichkeit inzwischen als der entscheidende Vorteil des HOB-Bildschirms bezeichnet. Die Kombination von Display und Drucker wird entsprechend rege genutzt. Je nach Region und Amtsgröße sind in diesen Finanzämtern zwischen drei und 15 Bildschirme installiert.

Kein Verlangen nach dezentralen Rechnern

Auch in der OFD sieht Steuerfachmann Steinborn neue Anwendungsmöglichkeiten, bei denen die virtuellen Bildschirme vorteilhaft eingesetzt werden könnten. So ist die Koblenzer Dienststelle Testanwender der juristischen patenbank "Juris" in Bonn. Nach einer technisch noch zu realisierenden Verbindung des OFD-Rechners mit dem Juris-Rechner, könnte allen Finanzämtern der Zugriff zur Juris-Datenbank ermöglicht werden.

Auch hier könne der HOB 78E mit seinen Umschaltmöglichkeiten und dem Drucker vor Ort eingesetzt werden. Durch den direkten Zugriff auf die zentralen Rechner kommt selbst in den dezentralen Stellen kein Verlangen nach eigenen Rechnern auf. Steinborn: "Unsere Lösung ist viel preiswerter. Außerdem haben wir uns nicht mit Kompatibilitätsschwierigkeiten herumzuplagen. Wenn Verfügbarkeit und Antwortzeiten stimmen, ist es dem Benutzer gleichgültig, wo sich der Rechner befindet."