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01.02.1991

Kommen amerikanische Aussteller trotz des Golfkriegs zur CeBIT? Trotz Furcht vor Terroranschlägen keine Panik bei den US-Herstellern

MÜNCHEN - Die Hannover Messe CeBIT, weltgrößter Treff für DV-Hersteller und Anwender, könnte durchaus vom Golfkrieg in Mitleidenschaft gezogen werden - dann nämlich, wenn ein Teil der 370 US-Aussteller aus Angst vor Terroranschlägen zu Hause bleibt.

Trotz der allenthalben spürbaren und besonders in den USA ausgeprägten Angst vor Anschlägen macht sich die Leitung der Hannover Messe CeBIT keine Sorgen über möglicherweise massenhaft eingehende Stornierungen amerikanischer Aussteller. "Wir haben bisher nicht eine einzige Absage von Firmen, die aus den USA zu uns kommen wollen", erklärt Jörg Schomburg, Geschäftsbereichsleiter Hannover Messe CeBIT. Sollte es allerdings zu Stornierungen kommen, würden die genauso behandelt wie jede andere auch. Solange ein anderer einspringe, müsse die absagende Firma nur eine Art "Bearbeitungsgebühr" zahlen. Fände die Messe AG hingegen niemanden, werde die Angelegenheit teurer. Man werde sich jedoch, so Schomburg weiter, mit jeder Firma ins Benehmen setzen und über die Gründe für die Stornierung sprechen.

Zum Thema Sicherheit erklärte der Messe-Manager: "Sowohl die Messe AG als auch die Polizei Hannover kennen die Problematik. Wir werden auf der CeBIT den gleichen Sicherheitsstandard haben wie zum Beispiel auf der Luftfahrtschau, auf der diese Dinge wegen der zum Teil militärischen Thematik eine besonders wichtige Rolle spielen. Die Details stimmen wir natürlich mit der Polizei ab und werden sie nicht veröffentlichen. Es wird möglicherweise Maßnahmen geben wie Zugangskontrollen, die jeder mitbekommt, aber auch solche, die verdeckt laufen."

Die Polizei in Hannover wollte auf Anfrage ebenfalls nicht auf die geplanten Vorkehrungen eingehen. Ein Sprecher bestätigte aber, daß "diese besondere Situation" im Sicherheitskonzept berücksichtigt werde. Die Handelsabteilung der US-Botschaft in Bonn, die selbst rund um die Uhr bewacht wird, ist sich sicher, daß "es keine Massenstornierungen" geben wird.

"Bisher haben wir nur von einem Teilnehmer am amerikanischen Gemeinschaftsstand gehört, der nicht zur CeBIT kommen will', erklärte ein Sprecher. "Selbstverständlich werden sich alle über die mit dem Golfkrieg verbundene Problematik Gedanken machen. Viele benutzen deshalb keine amerikanischen Fluggesellschaften, sondern andere Carrier." Außerdem, so der Sprecher weiter, werde man in Hannover mit den betroffenen Ausstellern ein Briefing abhalten und die Leute auffordern, "die Augen offenzuhalten".

Die in Deutschland ansässigen amerikanischen DV-Konzerne reagieren jedenfalls auf die erhöhte Attentatsgefahr, haben ihre hausinternen Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und ihren Mitarbeitern das Fliegen verboten. Jochen Rössner, Fachpressereferent bei Unisys Deutschland: "Bei uns werden nur noch absolut notwendige Flugreisen unternommen - dann, wenn sie im vitalen Interesse unserer Kunden liegen. Das gilt bis auf Widerruf. Außerdem sind die existierenden Schutzvorkehrungen verstärkt worden und neue hinzugekommen."

Zentrale Flughäfen sollten gemieden werden

Diese Dinge werden seiner Meinung nach aber die Präsenz seines Unternehmens auf der CeBIT nicht beeinflußen. "Amerikanische Mitarbeiter waren auch in den vergangenen Jahren selten vertreten. Es kann natürlich sein, daß die Kollegen aus dem europäischen Ausland mit der Bahn oder mit dem Auto anreisen werden."

Auch bei der deutschen Hewlett-Packard bleibt man bis auf weiteres auf dem Boden. "Unsere diversen Reisenden müssen sich mit alternativen Verkehrsmitteln begnügen", meint Pressesprecher Ernst von Glasow. Er geht aber von einer baldigen Wiederzulassung von innerdeutschen und -europäischen Flügen aus. Dennoch rate man HP-Mitarbeitern, zentrale Flughäfen wie Frankfurt, Paris oder London zu meiden. "Im Haus selbst haben wir die Zahl der Eingänge reduziert und die Eingangskontrollen verstärkt", berichtet der HP-Sprecher weiter. Für die CeBIT sieht er keine Probleme, weil sich dort "unsere amerikanischen Top-Manager selten sehen lassen".

Deutlich weniger Flüge bei Big Blue

Die deutsche Memorex-Telex befindet sich in einer besonderen Situation, sie ist nicht nur Tochter eines US-Konzerns, sondern auch noch in Eschborn angesiedelt, wo US-Soldaten stationiert sind. Gisela Tan, Pressesprecherin des Unternehmens, berichtet: "Bei uns gibt es verstärkte Maßnahmen zum Schutz des Gebäudes, die aber nicht nur von uns durchgeführt werden, sondern auch von der Gemeinde." Die Kommune sei für dieses Thema in erheblichem Maße sensibilisiert.

Texas Instruments ist besonders vorsichtig: Ja, Maßnahmen seien eingeleitet worden, aber darüber solle aus Sicherheitsgründen nicht geprochen werden. Die gleiche Haltung legt die IBM Deutschland an den Tag. Aus gut unterrichteten Kreisen verlautete jedoch, daß auch bei Big Blue die Flugreisen drastisch reduziert worden seien.

Neben den Schritten, die andere Unternehmen auch getan haben, informiert die zentrale Sicherheitsabteilung in Cupertino die Apple-Mitarbeiter auf der ganzen Welt jeden Tag via Mailsystem über Neuigkeiten vom Golf und über die Konsequenzen, die die veränderten Umstände mit sich bringen.

Digital sagt Treffen in Cannes ab

Außerdem hat man nach Aussage von Michael Winkler, Leiter Finanzen und Verwaltung bei der Apple Deutschland GmbH, bestimmte internationale Veranstaltungen storniert wie übrigens viele andere DV-Hersteller auch: Digital Equipment sagte beispielsweise ein internationales Treffen im südfranzösischen Cannes ab, und die Manager des amerikanischen Workstation-Produzenten Sun sahen sich angesichts der Situation ebenfalls nicht in der Lage, an einer Pressekonferenz in Deutschland teilzunehmen.

Jochen Rössner geht jedenfalls davon aus, "daß man noch eine ganze Zeit mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen leben muß", schließlich sei der Aufruf Husseins, Terroranschläge zu verüben; auch mit seiner Niederlage nicht aus der Welt geschafft.