Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Kommentar

20.02.1987

Was Branchenkenner ohnehin längst vermutet hatten, bestätigte jetzt die Creditreform: Software- und, Unternehmensberater, die sich neu am Markt etablieren wollen, fallen oft sehr schnell auf die Nase.

Das Klischee trifft oft die Wirklichkeit: Sie sind durchgestylt wie die Stars aus Miami Vice, sie umgeben sich mit dem Ambiente von High-Tech und großer weiter Welt. Improvisation ist zwar immer noch angesagt, aber wer heute im Job noch Turnschuh trägt, läuft dem Zeitgeist um Jahre hinterher.

Daß aber auch das Geschäft mit der DV nicht immer halt, was Hochglanzbroschüren versprechen, zeigt die Statistik. 42 Prozent aller Neugründungen schaffen es nicht, die ersten fünf Jahre bis zur Konsolidierung zu überstehen.

Die Experten von der Creditreform erklären das Scheitern der Jungunternehmer vor allem mit dem Mangel an Eigenkapital. Darin unterscheiden sich Beraterfirmen offensichtlich nicht von Videotheken, Boutiquen oder Gaststätten. Die aber erheben auch nicht den Anspruch, anderen zu sagen, welche Entscheidung sie gefälligst treffen sollen, um unternehmerisch am Leben zu bleiben.

Und da müssen die Berater erst einmal im eigenen Betrieb ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Eine Software schreiben zu können, genügt nicht.

Kreativität und Phantasie reichen eben nicht aus, betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu ersetzen. Mangelnde Erfahrung, eine Fehleinschätzung der Marktgegebenheiten und zu hohen Wettbewerbsdruck sieht Uwe Schwarting vom Bundesverband Junger Unternehmer als wichtigste Gründe. Er verweist auf eine Analyse des Instituts für Mittelstandforschung, die potentielle Existenzgründer nach Einschätzung ihrer Chancen befragt haben.

Der feste Glaube, eine Marktlücke entdeckt zu haben, motiviere so manchen, sich selbständig zu machen. Dieselben Leute gaben drei bis vier Jahre später gegenüber den Forschern zu, daß Konkurrenzdruck ihr stärkstes Problem sei. Mehrere Unternehmen mit gleichen Angeboten finden selten Platz in einer einzigen Nische. Eine ungünstige Standortwahl kommt, wie die Creditreformer feststellten, oft zu allem Überdruß hinzu.

So weit so schlecht: Auch der große Drang zur Selbstdarstellung, unter dem die Unternehmer leiden, verführt diese oft zum viel zu tiefen Griff in den eigenen Geldbeutel.

Sogar eine nur bescheidene kaufmännische Qualifikation vermißt Schwarting bei vielen Existenzgründern, fällt es ihnen doch, wie er meint, schwer, den Umsatz vom Gewinn zu unterscheiden. Staatliche Förderprogramme begünstigen diesen Irrtum. Fehlende Rücklagen schlagen nämlich erst nach drei bis vier Jahren zu Buche, wenn zum ersten Mal der Fiskus die Hand aufhält. Dann täuscht auch ein blendendes Outfit nicht mehr über den Mangel an Substanz und Kompetenz hinweg. Der Pleitegeier wittert das Aas auch hinter der durchgestylten Fassade - und greift erbarmungslos zu.