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Aus der rosaroten Glaskugel


11.09.1987 - 

Kommentar

Die IBM muß viele Computer verkaufen, vor allem viele Mainframes, um bei den Finanzjongleuren von Wall Street ihr ramponiertes Image wieder aufzupolieren. Weil es der Konzern nach dem ersten Halbjahr lediglich auf schmale 3,25 Dollar Gewinn pro Aktie gebracht hat - noch 52 Cent weniger als im schon ziemlich miserablen Vorjahr -, können selbst die eingefleischten IBM-Fans unter den Analysten sich nicht mehr leisten, den Aktionären Big Blue zu empfehlen.

Die Börsen-Gurus trauen sich allerdings immer noch nicht für die Leitaktie eine realistische Profitschätzung abzugeben. Zur Erinnerung: Im Geschäftsjahr 1986 betrug der Profit nur magere 7,81 Dollar pro Aktie, 27 Prozent weniger als im Vorjahr. Da sollen nun 1987, trotz eines nochmals drastisch verschlechterten Zwischenergebnisses zum 30. Juni, wieder 8,80 Dollar erwirtschaftet werden?

Dann müßte sich ja seit Juli der Trend total umgekehrt haben: Im (laufenden) dritten und im vierten Quartal müßten 5,55 Dollar Gewinn zusammenkommen - 37 (!) Prozent über Vorjahreswert oder nicht viel weniger als in der gleichen Zeit des hervorragenden Geschäftsjahres 1985. Die "Prognosen" gar, nach denen IBM 1988 mit elf Dollar die höchsten Gewinne pro Aktie im ganzen Jahrzehnt erzielen soll sind allenfalls als Auswüchse eines blinden Zweckoptimismus zu erklären.

Mit Weissagungen aus der rosarot getönten Glaskugel sind die Analysten schon in früheren Jahren auf die Nase gefallen. So hatte sich der Vice President von Merrill Lynch, Daniel Mandresh, noch im Juni 1986 eingebildet, Big Blues "earnings per share" würden 1986 elf Dollar und 1987 sogar 12,50 Dollar erreichen. Für das vergangene Jahr ballerten die Merrill-Lynch-Schützenkönige um lächerliche 41 Prozent übers Ziel hinaus.

Wenn die Wall-Street-Manageria, was anzunehmen ist, aus diesen Erfahrungen nichts gelernt hat, kann man getrost darauf wetten, daß der IBM-Gewinn pro Aktie 1988 wiederum 7,81 Dollar betragen wird. Denn wie für 1986 sind wieder elf Dollar angesagt.