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24.11.1995

Kommentar/Das EDI-Wunder wird nicht kommen

Es ist gerade mal gut zwei Jahre her, dass die Deutsche EDI- Gesellschaft (DEDIG) gegruendet wurde, den Nutzen von EDI in Deutschland zu mehren. Erinnern wir uns! Die unter dem Dach des DIN in Berlin angesiedelte Organisation hatte sich damals drei wesentliche Ziele auf die Fahnen geschrieben: Erstens, die Interessen der Wirtschaft im internationalen Normierungsprozess zu vertreten. Zweitens, hierzulande das Evangelium der EDI-Anwendung zu predigen. Und drittens schliesslich, das EDI-Entwicklungsland Bundesrepublik in Europa endlich salonfaehig zu machen.

Die guten Vorsaetze konnten jedoch nur spaerlich in die Tat umgesetzt werden, wie die bevorstehende Gruendung der DE-PRO zeigt. Es gelang der DEDIG zum Beispiel nicht, bei der Normierung als Sprachrohr der deutschen Industrie aufzutreten. Schuld daran ist in erster Linie der dem Bundesministerium fuer Wirtschaft eingegliederte Ausschuss fuer die Vereinfachung internationaler Handelsverfahren - Deupro -, nicht zu verwechseln mit der jetzt anstehenden DE-PRO. Den Bonnern fiel naemlich ploetzlich ein, die Faeden in der Standardisierung doch nicht aus der Hand geben zu wollen. Infolgedessen sprachen die Deutschen mit doppelter Zunge - kein Ruhmesblatt fuer ein Land, das Anschluss finden will.

Auch in Deutschland ist die EDI-Entwicklung unter Regie der DEDIG keineswegs explodiert. EDI kommt zwar voran, aber nur schleppend. Den Berlinern dafuer allein den Schwarzen Peter in die Schuhe zu schieben waere indes ungerecht. Wie soll eine Organisation mit knappem Budget, nur vier Mitarbeitern und Spielball von Interessengruppen erfolgreich die EDI-Botschaft ins Land tragen?

Gewiss, die Seminare der DEDIG laufen gut. Auch die Einfuehrung eines EDI-Jahrbuches sowie die Herausgabe einer Zeitung sind bemerkenswert. Insgesamt ist das alles aber doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Daran wird vermutlich auch die Gruendung der DE-PRO als einer gemeinschaftlichen GmbH von DIN, DEDIG und dem Deutschen Industrie und Handelstag (DIHT) wenig aendern. Die DEDIG delegiert lediglich ihre Promotion-Aktivitaeten an die DE-PRO und reduziert sich selbst auf einen reinen Foerderverein, der ueber seine Mitgliedsbeitraege Geld fuer das EDI-Marketing beschafft.

Vieles der DE-PRO-Entstehung erinnert an interessenpolitische Winkelzuege wie schon im Sommer 1993 bei der DEDIG-Taufe. Zwei Geschaeftsfuehrer fuer die kleine DE-PRO, um auch ja den Interessen des DIN und DIHT gerecht zu werden, sind ein Indiz dafuer. Einer wird in Bonn sitzen, der andere in Berlin. Die Gefahr, dass auch kuenftig mit gespaltener Zunge geredet wird, ist gross.

Der deutschen Wirtschaft bleibt nur der Rat: Nehmt Eure EDI- Geschicke selbst in die Hand! Weder vom Bund noch von der DE-PRO sind Wunderdinge zu erwarten. IBM hat bereits die Konsequenzen gezogen und wird aus der DEDIG austreten.