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09.12.1994

Kommentar Die Kosten fuer das Netz: Wer kennt sie denn schon wirklich?

Von Achim Paetzold*

IDC, Index- oder Gartner Group, viele renommierte Berater rechnen zur Zeit und ermitteln den finanziellen Aufwand fuer Netzwerke. Die Ergebnisse unterscheiden sich betraechtlich.

Die Gartner Group taxiert den Anteil der Arbeits- an den Gesamtkosten auf zwei Drittel, beruecksichtigt aber keine Telekommunikationsausgaben.

IDC beklagt den mangelnden Produktivitaetsschub durch Netze und sieht in PC-LANs "erhebliche Kostenverursacher". Im Vergleich zu Loesungen mit IBM AS/400, DEC VAX/VMS und HP9000 seien LANs erheblich teurer.

Die Index Group arbeitet mit drei Kostenbloecken schon etwas differenzierter. Diesen Ermittlungen zufolge dritteln sich die Kosten fuer Equipment, Personal und Telekommunikation. Beruecksichtigt man ausserdem die Tatsache, dass Unternehmen zwischen drei (bei Produktionsbetrieben) und 18 Prozent ihres Versicherungsbudgets fuer ihre Kommunikationsinfrastruktur (Daten und Sprache) ausgeben, wird die Bedeutung der Thematik klar.

Zusaetzlich ist bekannt, dass Vergleiche von Netzen mit Host- Anwendungen wegen deren meist niedrigeren Integrationsdichte und des geringeren Anwenderkomforts nicht unproblematisch sind. Unter diesen Voraussetzungen scheinen Kostenvergleiche nahezu sinnlos zu sein.

Wie da die Wirtschaftlichkeit moeglicher Investitionen in den Unternehmen kalkuliert wird, grenzt schon fast an ein Wunder. Oder waere in vielen Faellen einfaches Wuerfeln ehrlicher? Es koennte aber auch sein, dass in die genannten Rechnungen sehr viel Eigeninteresse einfliesst.

Was koennen Unternehmen tun, die korrekte Kostendaten erheben wollen? In einem ersten Schritt kommt es sicher nicht darauf an, alle Details zu erfassen, sondern die grossen Kostenverursacher in den Blick zu bekommen.

Bei den Telekommunikationskosten gilt es zu beruecksichtigen, dass durch die 1998 anstehende Aufhebung des Postmonopols Preisreduzierungen bevorstehen und sich im Zuge des aufkommenden Wettbewerbs zusaetzliche Dienstleistungen entwickeln werden. Hier werden die Ausgaben also sinken.

Auch das Equipment wird tendenziell billiger werden. Wie sich die zunehmende Verwendung unstrukturierter Daten wie Sprache, Video, Dokumente und Bilder auf den Speicherbedarf auswirken wird, ist noch unklar. Experten rechnen hier mit einem Wachstum um den Faktor zehn bei PC-Servern und um den Faktor 200 bis 500 bei Unix- Servern. Trotzdem duerfte die Hardware in den naechsten fuenf Jahren um zirka 15 Prozent preiswerter werden.

Bei den Softwarekomponenten ist ebenfalls von sinkenden Kostenanteilen auszugehen. Durch intelligentes Lizenz-Management lassen sich hier wohl die entscheidenden Kostenvorteile erzielen. Ferner muss nicht jede Neuankuendigung der Softworker unmittelbar nachvollzogen werden.

Firmenweit standardisierte Software ist billiger. Ein Unternehmen braucht keine unterschiedlichen Textverarbeitungssysteme oder Spreadsheets. Die fruehzeitige Definition von "Standardarbeitsplaetzen" mit exakt ermittelten Arbeitsplatzprofilen verhindert gigantische Fehlinvestitionen in Hard- und Software.

Bleibt der Block der Personalkosten. Insbesondere der Aufwand fuer das System-Management wurde anfangs nicht gesehen und wird auch heute vielfach noch unterschaetzt. Die irrige Meinung, man koenne auf die "teuren" Systemspezialisten ganz verzichten, hat sich in vielen Unternehmen bereits geraecht. Netzwerke, die quasi von selbst laufen, sollen extrem selten sein.

In Rezessionszeiten wurde gerne auch die Relation Mitarbeiter im Benutzerservice pro Netzarbeitsplatz verschlechtert - nicht immer verbunden mit tatsaechlichen Einsparungen. Alleingelassene Nutzer verursachen bei Problemen weitere Kosten. Investitionen in die intensivere Betreuung der Anwender rechnen sich dagegen schnell.

Falsch gespart wurde bisher auch bei den Ausgaben fuer die Schulung der "Netzarbeiter". Dabei liegt gerade hier ein entscheidender Schluessel fuer die Funktionstuechtigkeit der DV. Mit einem Anteil von zirka fuenf Prozent sind diese Kosten nachrangig.

Der entscheidende Kostenfaktor mit zirka 40 Prozent liegt in den Arbeitskosten bei den Endusern. Jede in Schulungs-, Betreuungs- und Unterstuetzungsleistungen investierte Mark bringt also hier den hoechsten Return on Investment.

Intelligente Datensicherungskonzepte schuetzen vor unnoetigen Abstuerzen und muehsamer Nacherfassung verlorener Daten. Ausgefeilte Betriebskonzepte, die sowohl die Erfordernisse des Gesamtsystems als auch Wuensche der Enduser beruecksichtigen, sorgen fuer die geeignete Einbindung der Netzstrukturen in die Ablaeufe des Gesamtunternehmens.

Es kommt also bei Ausgaben fuer Hard- und Software nicht auf die Stellen hinter dem Komma an, sondern auf die veraenderte Denkweise. Von "multifunktionalen" Arbeitsplaetzen sprechen heute viele Entscheidungstraeger. Doch denken diese zugleich an muendige, "multiprofessionelle" Mitarbeiter als Anwender? - Nicht immer, aber erfreulicherweise immer oefter, wie unsere taegliche Beraterpraxis zeigt.

* Achim Paetzold ist Geschaeftsfuehrer des Ingenieurbueros Oskar von Miller GmbH in Muenchen.