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Trends '95


05.01.1996 - 

Kommentar/Lauwarmer Kompromiss

Braucht diese Welt wirklich Windows 95? Nein! Oder doch - und sei es auch nur, um zu erkennen, dass auch der Markt fuer Betriebssysteme gewissen Regeln unterliegt, die ein Bill Gates scheinbar nicht steuern kann. Denn die Vermarktung weicher Ware ist und bleibt ein Spiel mit Unbekannten.

In den USA ist Werbung alles, die Begeisterungsfaehigkeit der Nordstaatler fuer alles und auch irgendwas ist ungebrochen. Nicht so in deutschen Landen. Zuviel ist hierzulande ungesund - es sei denn, es handelt sich um Vorschriften und DINs mit zehntel Millimetern. Davon hat Windows 95 wenig nur zu bieten.

Der UEberdruss ergriff zuerst die Medien. Findige Rechercheure und Kenner der besagten Szene entdeckten schnell, dass Windows 95 sich geradezu zur Demontage anbietet. Ein "weisser geht's nicht" wird auch durch ein "ssss" nicht weisser - und fordert zum Widerspruch heraus. Dazu kommt, dass der bundesdeutsche Buerger Gedrucktes (immer noch) fuer bare Muenze nimmt. "Nu gerade nicht", scheint Otto N. dem Billie zuzurufen.

Mal abgesehen von der anderen Werbementalitaet und den Kaeuferreaktionen: Windows 95 musste in dem Moment scheitern, in dem von jedem bei MS vorhandenen Betriebssystem ein bisschen genommen wurde. Etwas Leistungsfaehigkeit von NT, die Hardwarevoraussetzungen von Win3, sich - zumindest in der Werbung - selbst konfigurierende Systeme, ein wenig neuer Look und natuerlich Abwaertskompatibilitaet sollten die Ursuppe fuer ein revolutionaeres Betriebssystem werden - und blieben ein lauwarmer Kompromiss.

Experten ist schnell ersichtlich, dass all diese Dinge zusammen kaum realisierbar sind. Hauptsache im Spiel ums Geld des anderen ist, dass die Masse glaubt. Schon im Mittelalter machten Paepste mit einem potentiell freien Zutritt zum Paradies grosse Geschaefte. Da scheint es dann (l)egal, vom Ansatz her einen Kompromiss der Marke "so lala aus Bestehendem mit etwas werbewirksamem Schnickschnack" zu vermarkten.

Eigentlich haette es gereicht, Windows NT mit einer modernen Oberflaeche und nuetzlichen Funktionen wie Plug and play auszustatten, im Poweruser zufriedenzustellen. Anwender, deren PCs die entsprechenden Hardware-Anforderungen nicht erfuellen, haetten weiterhin Windows 3 benutzen und sich mit 4 MB begnuegen koennen. Denn was Low-Powerusern von Win 95 serviert wird, naemlich Geraeusche beim Fenster Auf- und Zumachen sowie nette Bildschirmanimationen, gehoert bestimmt nicht zu den Dingen, die diese fuer ihren Alltag brauchen; das Geld fuer das Update waere sicherlich besser in RAMs investiert.

Das naechste "revolutionaere" MS-Betriebssystem sollte nun wirklich diese Bezeichnung verdienen, sonst geht das noch vorhandene Ansehen des "Fensterherstellers" mit [ALT][-F4] vielleicht doch unter.

Allein, gewisse Aktionen lassen stutzen: so die Tatsache, dass Microsoft sich jetzt schon seine Verkaeufer an der Podukt-Infoline "Microsoft Direkt" per 01 80-Nummer vom potentiellen Kunden bezahlen laesst - noch bevor dieser zum Kauf geschritten ist. Vielleicht ist Windows 95 ja doch ein heimlicher Renner - und Lieferprobleme zwingen dazu, neue Kaeufer etwas zu kanalisieren ...