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10.02.1995

Kommentar Leben Totgesagte wirklich laenger?

Schade - es wird nur ein Geruecht bleiben. Aber immerhin ein schoenes. "Power PC News", die Schwesterpublikation des britischen Brancheninformationsdienstes "Computergram", will gehoert haben, dass Atari - jawohl, die Traumfabrik jedes zwoelfjaehrigen Computerfreaks der 80er Jahre - das staerkste Comeback seit Lazarus plant.

Wurde jedoch weiland dem Bruder von Martha und Maria von Bethanien noch Wertschaetzung und Hilfestellung von hoechster Stelle zuteil, was ihm spaeter einen qualifizierten Arbeitsplatz als Bischof von Marseille eingetragen haben soll - auch das uebrigens mehr Legende -, so scheint sich Atari lediglich einer recht irdischen, dafuer silizioesen Alimentation zu versichern: Glaubt man dem Branchengemunkel, versucht die Company mit einem PC mit Power-PC- Prozessor das Fiasko wieder zu richten, das Manager in der Nachfolge des Commodore-Gruenders und spaeteren Atari-Uebervaters Jack Tramiel angerichtet hatten.

Ende der 80er Jahre leistete sich der Spieleriese neben den Motorola-angetriebenen ST-Maschinen mit dem grafikorientierten TOS-Betriebssystem den Luxus einer Intel-PC-Linie unter dem altgeborenen DOS-System. Dabei hatten sich andere Unternehmen wie Compaq, IBM, Olivetti, Zenith oder Dell neben vielen anderen Clone-Herstellern laengst im PC-Markt festgesetzt.

Ausserdem verfuegte die Tramiel-Company nicht ueber professionelle Vertriebskanaele, um die fuer Atari voellig neue Klientel der Grosskunden auf sich aufmerksam machen zu koennen.

Die naemlich konnten sich Atari seinerzeit nie anders denn als Spielelieferanten vorstellen. Zu manifest hatte sich in den Koepfen etabliert, mit welch maechtigen Anwendungen Atari-Gruender Nolan Bushnell in den 70er Jahren die Welt eroberte: "Pong", Digitalversion eines Eberhard Schoeler - aelteren Semestern als Koenig der Maurer an der Tischtennisplatte erinnerlich -, war ein Klassiker.

Da half es auch nicht, dass Jack Tramiel nach Commodore die 1985 schon wieder hochverschuldete Atari-Company von der Warner Communication Group im Handschlag und gegen Austausch von Schuldverschreibungen in Hoehe von 240 Millionen Dollar uebernahm. Erst hatte Tramiel den Konkurrenten Atari mit Commodores Pet-, VC20- und C064-Rechnern in eine Midlife-Krise manoevriert. Diesmal holte er mit seinen State-of-the-art-Rechnern der ST-Linie zum Schlag gegen Commodore und deren zugekaufte Amiga-Systeme aus.

Der knallharte Zweikampf gegen seine eigene Ex-Firma verschloss Tramiel dabei aber die Augen fuer die eigentliche Gefahr - die Konkurrenz kam mittlerweile aus tausend anderen PC-Ecken. Tramiels Spruch "Geschaeft ist Krieg" wandte sich denn auch auf verhaengnisvolle Weise gegen ihn selbst.

Bei Atari hiess es uebrigens zu den Geruechten lediglich, man beobachte den Markt, habe aber keine konkreten Plaene. Schade. Pong auf einem Power-PC-System - was haette das Leben Schoeneres zu bieten?