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03.09.1993

Kommentar Mehr als nur ein Wetterleuchten am Horizon

Manchmal koennte man sich schon fragen, was denn den Mannen um Helmut Ricke noch alles passieren wird - so knueppeldick brechen derzeit die Schlagzeilen ueber den Bonner Staatskonzern herein. Neben dem Dauerbrenner Telefongebuehren haben sich die Telekom- Verantwortlichen nun auch noch eine Bestechungsaffaere eingehandelt; inwieweit sie darin selbst verstrickt sind oder auch nur ihre Aufsichtspflicht vernachlaessigt haben, ist indes zunaechst Sache der Staatsanwaltschaft - auch wenn bei so manchem Kollegen der Tagespresse diese Angelegenheit momentan im Mittelpunkt des Interesses zu stehen scheint.

"Viel Zeit bleibt uns nicht mehr", mahnte der Telekom-Chef bei der Vorlage des Geschaeftsberichts 1992, und man sollte ihn langsam ernst nehmen. Was da naemlich in der Diskussion um die Postreform II, Telefongebuehren oder Quersubventionierung der beiden anderen Postdienste oft verlorengeht, ist der Blick auf die eigentlich entscheidende Frage: Kann und will sich Deutschland in der Wachstumsbranche Nummer eins, der Telekommunikation, auch zukuenftig einen international konkurrenzfaehigen Carrier leisten?

Wie sehr dem Postunternehmen schon jetzt der Schuh drueckt, wird ja nicht nur am Beispiel des digitalen Mobilfunks deutlich, wo die private Konkurrenz einen Blitzstart hingelegt hat. Auch die EG- konforme Freigabe der Sprachuebertragung in Corporate Networks hat die Telekom auf dem falschen Fuss erwischt. Das vorsichtige Eingestaendnis der Telekom-Verantwortlichen, man registriere Einnahmen- und Kundenverluste in diesem Bereich, laesst nur erahnen, welche TK-politische Lawine hier ins Rollen gekommen ist.

Dies alles bedeutet, dass sich die Telekom schon jetzt im Wettbewerb befindet und nicht erst 1998, wenn in Europa das Telefonmonopol fallen wird, dem die Bonner derzeit noch rund 80 Prozent ihres Umsatzes verdanken. Gleiches gilt fuer den Bereich der Netzdienste, wo der bundesdeutsche Carrier bis dato keinen Fuss auf den Boden bekommen hat. Internationale Kooperationen (Infonet) daemmern vor sich hin, sind gescheitert (Syncordia-Verhandlungen mit BT) oder erst im Entstehen (Eunetcomund kommen daher wahrscheinlich zu spaet; gleichzeitig tummeln sich immer mehr kleine, dafuer aber um so flexiblere Anbieter im deutschen Markt.

Eine Chance, im internationalen Geschaeft auch zukuenftig mitzureden, hat die Telekom indes nur, - darin sind sich die Experten einig - wenn sie sich in die Arme eines starken Partners begibt, und damit ist man wieder bei der Notwendigkeit einer Postreform II. Denn gerade eine Zweckehe setzt entsprechende finanzielle Sicherheit beziehungsweise Zugkraft voraus.+ gh