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10.11.1995

Kommentar/Russisches Roulette

10.11.1995

Vor drei Monaten schrieben wir ueber ein kleines Softwarehaus aus der Schweiz. Quix Computerware aus Ebikon hatte Apples Betriebssystem 7.5 auf Rechner portiert, die konform sind zum Prep-Standard - Power-PC-RISC-Maschinen also, die sich unter anderem dadurch auszeichnen, dass sie Standardkomponenten aus der PC-Welt nutzen.

Die Neuigkeit elektrisierte die gesamte Apple-Gemeinde. Mit einem Schlag schienen die Schweizer den Kaliforniern den Koenigsweg aus einer eklatanten Misere weisen zu koennen. Michael Spindlers Firma schien erloest aus der Abhaengigkeit von einigen wenigen Lieferanten, die Apple mit Systemkomponenten wie Mac-spezifischen ASICs, Kondensatoren, Speicher- und Modemchips etc. versorgen. Dank Quix, schien es, konnte Apple den Ehebund mit einer Vielzahl von Zulieferern schliessen.

Doch Apple gab Quix einen Korb. Entgegen anderslautenden Bekenntnissen zeigt sich die Spindler-Company verstockt, geht es um die Vergabe von Lizenzrechten an der Mac-Technologie. Marktinsider wie der Apple-Spezialist Pieter Hartsook argwoehnen, die Kalifornier duldeten keine starken Konkurrenten neben sich. Aus diesem und keinem anderen Grunde habe man auch die Lizenzierungsverhandlungen mit Gateway 2000 - einem Grossen der PC- Szene - ergebnislos abgebrochen.

Insbesondere vor dem Hintergrund der Pentium-Pro-Vorstellung kommt einem die Produktstrategie von Spindler vor wie russisches Roulette.

Waehrend Intel in immer kuerzerer Folge immer leistungsstaerkere Prozessoren baut, vergeigt das Triumvirat Apple, IBM und Motorola mit seiner zunehmend verfehlten Power-PC-Produktstrategie auch noch die letzte Chance, sich als Intel-Konkurrent aufzuspielen. Dass es Big Blue noch immer nicht gelungen ist, sein PC- Betriebssystem OS/2 auf die eigene Rechnerarchitektur zu bringen, ist eine Sache. Dass nun Apple mit seiner sturen Haltung bezueglich der Vergabe von Lizenzrechten vor allem Intel und Microsoft in helle Begeisterung versetzen duerfte, eine andere.

Mitte der 80er Jahre machte der seinerzeitige Apple-Boss John Sculley den klassischen Fehler, die Mac-Technologie hermetisch gegen den Zugriff Dritter abzusichern. Dass Apple hierfuer nicht laengst vom Leben bestraft wurde, darf es der Loyalitaet einer treuen Benutzerschar zuschreiben. Dieser einmaligen Anhaenglichkeit allein ist es zu danken, dass das Unternehmen nicht schon laengst zur Bedeutungslosigkeit verkommen ist.

Doch Apple dankt es seinen Fans schlecht. Dass Spindler nun den Fehler seines Vorgaengers Sculley noch einmal macht - und fuer seine Strategie auch noch die Absolution des Aufsichtsrates bekam -, ist kaum verstaendlich. Fuer Apple-Entwickler nicht, fuer die Apple- Gemeinde nicht - und nicht fuer innovative Entwickler wie Quix, deren ausgestreckte Hand Apple ausgeschlagen hat.