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26.01.1996 - 

Problem 2000

Kommentar/Schlummernd in den Startloechern

Dass Angestellte sich wenige Jahre vor der Rente nicht gerade mit grossem Elan auf neue Aufgaben stuerzen, ist verstaendlich. Dass sie aber Turbulenzen ihres Unternehmens billigend in Kauf nehmen, weil sie zum Zeitpunkt des IT-GAUs ohnehin im Ruhestand sein werden, ist ein starkes Stueck.

Derlei gibt es nicht? Das Softwarehaus Micro Focus hat die Argumente gesammelt, mit denen DV-Leiter ihre Untaetigkeit hinsichtlich des Problems 2000 rechtfertigen. Eines der haeufigsten war der Hinweis auf das baldige Ende der Berufstaetigkeit.

Nun mag man zu Recht argumentieren, Micro Focus habe ein Interesse daran, die Jahrtausend-Problematik aufzubauschen. Erfahrungen der CW-Redaktion zeigen jedoch ebenfalls, dass eine Reihe von Anwendern das Problem unter den Tisch kehren moechte.

So hielt es beispielsweise die DV-Abteilung einer deutschen Bank nicht fuer noetig, ihren Vorstand auf das eigene Problem mit den zwei Nullen aufmerksam zu machen. Das kann ja wohl nicht an der Annahme liegen, Nullen in so geringer Zahl wuerden Banker eh nicht interessieren.

Das Jahrtausend-Problem wird nicht nur unterschaetzt, es ist fuer viele DV-Verantwortliche auch ein unbequemes Thema. Hier kann sich kein IT-Mitarbeiter Lorbeeren verdienen, denn kein Geschaeftsfuehrer wird es honorieren, wenn im Jahr 2000 die Datenverarbeitung genauso gut oder schlecht laeuft wie in den Jahren zuvor.

Investitionen in die DV-Umstellung tragen in keiner Weise zur Verbesserung des Kerngeschaefts bei. Sie schlucken Zeit und Geld. Beides wird fuer andere Projekte gebraucht.

Es ist schon abzusehen, dass ein grosses Klagen ueber die Hersteller anheben wird: "Erst verkaufen die uns Produkte mit integrierter Zeitbombe, dann sollen wir auch noch fuer deren Entschaerfung zahlen!" Das koennte noch Legionen von Rechtsanwaelten beschaeftigen, wenn sich der Nachweis fuehren laesst, dass Hersteller Software mit zweistelligen Jahreszahlen verkauft haben, obwohl ihnen schon bekannt war, dass es damit Probleme geben wird.

Doch solche Klagen lenken nur ab von der eigentliche Aufgabe, naemlich endlich mit der Behebung des Problems anzufangen. Es gibt keinen Grund, nicht sofort zu analysieren, wie verbreitet das Problem in einem Unternehmen ist und wieviel Geld und Zeit seine Loesung in Anspruch nehmen wird.

Wer zu spaet beginnt, laeuft nicht nur Gefahr, zu spaet fertig zu werden. Mit der Zeitnot wird die Panik wachsen - die Unternehmensberater reiben sich schon die Haende. Und die Kosten werden steigen. Outsourcer duerfen ein huebsches Geschaeft erwarten, nicht weil sie es billiger und besser koennen, sondern weil viele Anwender das Projekt aus eigener Kraft nicht mehr stemmen werden.