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16.12.1994

Kommentar Schneller, breiter und diffuser

Das haette die Standardisierungsorganisation IEEE vorhersehen muessen. Der Entschluss, zwei schnelle Ethernet-Verfahren freizugeben und den Markt entscheiden zu lassen, hat zwar bei den Anbietern emsige Betriebsamkeit hervorgerufen, den betroffenen Anwendern jedoch nur offene Fragen beschert. Welcher Vorschlag wird sich durchsetzen - 100Base-T oder VG Anylan? Wird eines der Verfahren den Markt dominieren? Existieren beide gleichberechtigt nebeneinander? Auf welche Alternative soll der Anwender setzen? Das ganze Theater haette das IEEE-Gremium mit einem entscheidenden Spruch vermeiden koennen, die fatale Konkurrenz belastet nun die Anwender.

Das Dilemma, in dem sich die potentiellen Kunden befinden, besteht darin, dass beide Alternativen identische Ziele verfolgen. Die Konzepte adressieren die gleichen Anwendungen in lokalen Installationen. Die zwei Lager haetten fuer die Entscheidungsfindung Hilfestellung geben koennen, indem sie sich anwendungsspezifisch voneinander abgrenzen. Doch weit gefehlt. Offensichtlich schaetzen die Kontrahenten das Marktpotential so klein ein, dass sie es sich nicht teilen wollen.

Auf der Suche nach Anworten scheint die Fast Ethernet Alliance (FEA) mit ihrem 100Base-T-Vorschlag die besseren Argumente zu haben, repraesentieren ihre Mitglieder doch mehr als 80 Prozent des derzeitigen Netzwerkmarktes. Deren Festhalten an dem Zugriffsverfahren des herkoemmlichen Ethernets verspricht zwar Abwaertskompatibilitaet, allerdings zu Lasten der Bandbreite. Die Leistungsangabe von 100 Mbit/s ist demnach nur theoretisch und in der Praxis lediglich eine Hausnummer - das 80-Prozent-Argument verblasst vor diesem Hintergrund.

Die VG-Anylan-Gemeinde, deren Vorschlag Ethernet- und Token-Ring- Elemente enthaelt, kann dagegen aus einem Reservoir schoepfen, dem sich die FEA verschliesst. Anwendern, die Token-Ring-Installationen haben und mit schnelleren Netzen liebaeugeln, bleibt nur das Konzept von Hewlett-Packard (HP), IBM und AT&T. Doch mit Unwaegbarkeit ist auch dieses Verfahren belastet, denn es hat in HP nur noch einen bedeutenden Mitstreiter. AT&T und IBM haben ihr Engagement zurueckgeschraubt, Big Blue konzentriert sich mit einem geschaetzten Aufwand von 100 Millionen Dollar pro Jahr auf 25- Mbit/s-ATM. Ein Verhalten, das kaum die Vertrauenbildung in VG Anylan foerdert.

Beide Kontrahenten vermoegen es ebensowenig wie das IEEE, dem Anwender klare Richtlinien fuer anstehende Investitionen zu geben. Der Markt solle entscheiden, hatte das Gremium gefordert. Angesichts der diffusen Situation haben sich die Hersteller in eine Lage manoevriert, in der die Forderung des IEEE eine fuer sie missliche Erfuellung finden koennte. Neben dem schnelleren und breiteren Ethernet haben Anwender noch die Alternativen, auf ATM, FDDI oder Switching-Verfahren zu setzen.