Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.03.1981 - 

Anwenderbericht Bauunternehmung Ewald Kalinowsky, Bad Bevensen:

Kommerz und Technik auf einem Dietz-Mini

\/on Walter Lönneker*

Die in fast zyklischen Intervallen wiederkehrenden Rezessionen in der Bauwirtschaft bedeuten regelmäßig - für eine Reihe von Unternehmen - den betriebswirtschaftlichen "Knockout". Baupleiten, Konkurse, Betriebsschließungen, halbfertiggestellte Gebäude und ratlose Bauherren sind die bedauerlichen Indikatoren von Entwicklungen, die keineswegs unabänderlich und unvorhersehbar sind.

In einer Zeit, in der von einer Vielzahl von Unternehmen vergleichbare Leistungen am Markt angeboten werden, gewinnt die interne Organisation auch als Wettbewerbsfaktor an Bedeutung: Jenes Unternehmen wird schließlich die "Nase vorn" haben und gegen äußere Einflüsse besser gerüstet sein als die Konkurrenz, das die bessere Organisation, straffere Arbeitsabläufe und eine wirtschaftlichere Verwaltung vorweisen kann.

Zu denen, die dies erkannt haben, gehört die Bauunternehmung Ewald Kalinowsky in Bad Bevensen/Lüneburger Heide. Das Straßen- und Tiefbau-Unternehmen Ewald Kalinowsky wurde kurz nach dem Krieg in der Nähe von Bad Bevensen gegründet. Aus einem Zwei-Mann-Betrieb entwickelte sich in den vergangenen dreißig Jahren ein Bauuntemehmen mit knapp dreihundert Mitarbeitern. Die Firma ist heute hauptsächlich im Tief-und Straßenbau (Ausbau von Bundes-und Landesstraßen) tätig, überdies gibt es Aktivitäten im Hochbau.

Entwicklung der Datenverarbeitung

Daneben führt das Unternehmen Verkabelungen für die Post sowie Installationen für die Stromversorgung durch. Hauptauftraggeber - im Tiefbaubereich - sind kommunale Einrichtungen, so zum Beispiel Tiefbauämter. Den Weg zur Datenverarbeitung fand das Unternehmen bereits im Jahre 1970. Damals entschied sich das Bauunternehmen zur Installation eines Magnetkonten-Computers (MKC), auf dem in der Folgezeit primär kaufmännische Anwendungen gefahren wurden. Technisch organisierte Aufgaben, so beispielsweise Massenberechnungen, liefen ab 1972 zusätzlich auf der MKC-Anlage.

Da die Applikation vor allem im, technischen Bereich weiter ausgebaut werden sollte und das Magnetkonten-System an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit stieß, wurde die Installation eines leistungsfähigeren- dialogorientierten - Computersystems erwogen. Nach eingehenden Systemvergleichen fiel die Entscheidung zugunsten des Computersystems Dietz 600 aus. Dieser Rechner wurde im Mai 1979 im Unternehmen installiert. Anschließend erfolgte die Realisierung technischer Anwendungen; der kaufmännische Teil folgte mit Beginn des neuen Geschäftsjahres Anfang 1980.

"Für uns war vor allem die Möglichkeit, technische und kommerzielle Anwendungen auf einem System fahren zu können, wichtig", schildert Hans-Erhard Horatschek, der unter anderem für die EDV verantwortlich ist. Ferner sei von Bedeutung gewesen, daß auch eine Anschlußmöglichkeit für einen Plotter vorhanden war. Die eigentliche Hardware-Auswahl wurde mit Hilfe einer Checkliste durchgeführt. In dieser Checkliste waren alle Forderungen an das künftige System enthalten. Das Dietz-System wurde auch deshalb ausgewählt, weil sowohl von der Hardware als auch von der Anwendungs-Software genügend Flexibilität ausgingen und spätere Systemerweiterungen möglich waren.

Hardware-Auswahl und-Konfiguration

"Dazu gehört beispielsweise die, Mehrsprachigkeit des Systems -zum Beispiel Fortran für technische und Basic für kommerzielle Anwendungen - und die Möglichkeit, beide Sprachen gleichzeitig im Multipro gramming am Dialog-Arbeitsplatz zu nutzen", ergänzt der DV-Organisator. Gegenwärtig ist in der Bauunternehmung ein Dietz-System 600 (Foto) mit einer Hauptspeicher-Kapazität von 128 KB installiert. Zur Konfiguration gehört ferner ein Magnetplatten-Laufwerk (mit zwei Platten zu je 60 MB), ein 18 000-Zeilen-Drucker, ein weiterer 200-Zeichen-Drucker, ein Plotter und sechs Bildschirm-Arbeitsplätze.

Die sechs Bildschirm-Arbeitsplätze wurden in der EDV-Abteilung (als Master-Terminal mit Konsolfunktion und für die technischen Anwendungen), in der Finanzbuchhaltung, in der Lohn- und Gehaltsabrechnung, im Chef-Sekretariat, im Büro des EDV-Leiters und in der Programmierung (online) installiert. Die gesamten Anwendungen teilen sich auf in technische und kaufmännische Lösungen.

Im technischen Bereich wurde die allgemeine Bauabrechnung (nach REB), die Begrenzungslinien-Berechnung (ebenfalls nach REB) und ein Plotter-Programm realisiert.

Mit Hilfe des Plotter-Programms werden Daten, die in der Begrenzungslinien-Berechnung erstellt werden, grafisch ausgewertet. "Für uns war es vor allem wichtig, die Bauabrechnung in den Griff zu bekommen", meint Horatschek, "weil eine schnelle und genaue Bauabrechnung eine wesentliche Voraussetzung für die Liquidität eines Unternehmens ist." Die Bauabrechnung ist heute folgendermaßen realisiert: Nachdem Kalinowsky einen Auftrag erhalten hat, wird zunächst das Leistungsverhältnis erfaßt. Anschließend werden die Aufmaße, so wie sie von der Baustelle kommen, ebenfalls ins System eingegeben und - falls nötig - gerechnet und fakturiert.

"Wir können also zu jeder Rechnung und zu jedem beliebigen Zeitpunkt einen Leistungsstand dieser Baustelle ausgeben und Zwischenergebnisse erstellen", berichtet Horatschek. Zur Zeit befinden sich rund, hundert Projekte - aktuelle Aufträge - in direktem Zugriff auf der Magnetplatte. Der zweite technische Einsatzbereich, die Begrenzungslinien-Berechnung, wird zur Ermittlung von Bodenmassen im Erdbau angewandt, so beispielsweise für die Berechnung von Erddämmen.

Aufbauend auf diesen Lösungen sollen demnächst weitere technischorientierte Programme eingeführt werden, so zum Beispiel alle Verfahrensbeschreibungen der REB. Ferner ist daran gedacht, später eine mobile Datenerfassung vor Ort, also an der Baustelle, durchzuführen. Nach Einführung des neuen Computersystems haben sich verschiedene Vorteile bemerkbar gemacht. Organisatorisch und ablauftechnisch hat sich beispielsweise als vorteilhaft erwiesen, daß mit Hilfe der EDV-Arbeitsplätze parallel (technische und kommerzielle Programme gleichzeitig) gearbeitet werden kann, während am MKC alle Arbeitsgebiete sequentiell gefahren werden mußten.

Dadurch ergaben sich häufig Arebeitsspitzen und Stockungen im Arbeitsablauf. Heute ist eine größere Transparenz und eine gleichmäßigere Arbeitsauslastung erreicht. Doch die Applikation beschränkt sich nicht nur auf technische Lösungen; auch der kaufmännische Bereich wurde voll auf der Anlage realisiert. Im kommerziellen Bereich sind die Finanzbuchhaltung, die Betriebsbuchhaltung, die Anlagenbuchhaltung, die Lagerbuchhaltung, die Kostenrechnung für Fahrzeuge und Geräte, die innerbetriebliche Kostenverrechnung, die Baustellenabrechnung (Tiefbau), die Lohn- und Gehaltsabrechnung (Baulohn ) und die Betriebsabrechnung verwirklicht.

Im kommerziellen Bereich ist vor allem der Baulohn als branchenspezifische Lösung interessant. Kein anderes Arbeitsgebiet im Verwaltungsbereich eines Bauunternehmens ist so branchenspezifisch wie die Lohnabrechnung. Im Baulohn-Paket sind Funktionen enthalten zur Bewertung der Stundenberichte und Ermittlung von Durchschnittswerten, Überstundenermittlung, Abrechnung von Lohnausgleich, Schlechtwettergeld, Wintergeld und Urlaubsgeld, Ermittlung des fiktiven Lohnes bei Schlechtwetter, Errechnung und Verteilung der Lohnkosten auf Kostenstellen.

Kaufmännische Anwendungen

Außerdem sind Banküberweisungen (mit Banksammelliste), Krankenkassen-Beitrags-Nachweis, Ermittlung von ZVK-Beiträgen, Lohnsummensteuer und Berufsgenossenschafts-Beiträge sowie der Lohnsteuerjahresausgleich und Aufkleber für Lohnsteuerkarten integriert. Resümiert Horatschek: "Die Informationen sind heute schneller verfügbar und in ihrer Qualität besser als früher. " Darüber hätten sich zwar keine Personal-Einsparungen ergeben, aber der Zeitaufwand für verschiedene Arbeiten sei erheblich reduziert worden. Ferner befänden sich auf dem System noch gewisse "Reserven", die auch ein größeres Mengengerüst aufzufangen in der Lage seien.

Walter Lönneker ist freier DV-Fachjournalist.