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27.10.1978

Kommt das Informationssystem IBM 8100 zu spät?

Die Frage ist, ob das von IBM so gewollt wurde: Die Anwender jedenfalls - das hat diese Blitz-Umfrage ergeben - sehen in dem neuen Informationssystem 8100 das 3790-Nachfolgeprodukt. Daß ein neues Produkt immer der Feind des alten ist, bewahrheitet sich hier im umgekehrten Sinne: 3790-Anwender sind mit dem Aufbau flächendeckender Datennetze und der Entwicklung entsprechender Software bereits so weit fortgeschritten, daß sie - wie Horst Düe, Continental Gummiwerke AG, Hannover, erklärt - de facto nicht mehr zurück können. Andere sehen sich gezwungen, ihre bisherigen

Entwicklungen anzuhalten und empfinden so das neue IBM-Konzept als

"Störfaktor". Kommt das System 8100 zu spät? Zumal die Implementierung von 8100-Lösungen einen hohen Schulungsaufwand erfordert, der gegen bisher bereits geleistete Ausbildungs - und Software-Investitionen aufgerechnet werden muß. Bleibt abzuwarten, bis sich der Nebel um das neue Produkt gänzlich aufgelöst hat. hö

Horst Düe

Leiter EDV-Betrieb, Continental Gummiwerke AG, Hannover

Die gesamte Entwicklung bei IBM zeigte schon eine gewisse Tendenz in Richtung des jetzt angekündigten Informationssystems 8100. Ein großer Schritt in diese Richtung erfolgte mit dem SNA-Konzept. Hierbei wurde bereits klar, daß dort in der Peripherie - also draußen bei der verteilten Intelligenz - noch etwas geschehen würde.

Unser Haus konnte, um die TP-Anwendungen zu realisieren, bislang nicht auf vollständige IBM-Systeme zurückgreifen weil die dort verfügbare externe Speicherkapazität für unsere Belange zu klein war, wie etwa bei der 3790. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die IBM auch diese Lücke schließt und uns so die Möglichkeit gibt, vor Ort Geräte mit größerer externer Speicherkapazität als die der bisher verwendeten Systeme einzusetzen.

Wir haben für unser Haus Continental in der Vergangenheit einen anderen Hersteller eingeschaltet, der zum Zeitpunkt der Entscheidung bereits die erforderliche Kapazität liefern konnte. Da wir innerhalb unserer Konzeption derzeit keine andere Richtung verfolgen wollen, werden wir diese Systeme auch weiter behalten. Eine weitere, sehr stark IMS-bezogene Anwendung wird derzeit mit IBM 3790 realisiert. In der 8100 sehen wir nun eine folgerichtige Weiterentwicklung des Distributed Processing-Konzeptes, so daß wir bei weiteren Überlegungen diese neuen Systeme in unsere Planung einbeziehen werden.

Daß die IBM 8100 zu einem sehr günstigen Preis angeboten wird, bestätigt den Trend der Hardware-Preisreduzierung. Daß der Marktführer sich dieser Richtung anpaßt, ist meines Erachtens eine folgerichtige Weiterentwicklung der immer dichter werdenden Speicher. Diese Entwicklung zeigt an, daß wir in etwa zehn Jahren nur noch einen Bruchteil des Preises für die heutige Hardware zahlen müssen - bei gleichbleibender oder verbesserte Leistung der Systeme.

Neu bei der IBM-8100-Ankündigung ist, daß jetzt auch die Basis-Software gebührenpflichtig ist. Diese Tendenz war jedoch bereits zu erwarten, wenn man den Markt gut beobachtet.

Werner Grebsch

Abt. Organisation und Datenverarbeitung Maschinenfabrik Traub

Das Konzept des IBM 8100-Informationssystems gefällt mir im großen und ganzen gut; was mich allerdings daran stört, ist die Verwendung von Ringleitungen. Wir haben seit Jahren ein Netzwerk realisiert und wissen, daß diese Art von Leitungen Hard- und Software-Instabilität zur Folge hat. Was nicht bedeutet, daß häufig Ausfälle zu verzeichnen sind, vielmehr meinen wir, daß bei einem Ausfall die gesamte Ringleitung stillsteht. Und das ist gerade bei einem Industriebetrieb, in dem permanent große Spannungen in Form von Magnetfeldern durch die großen Produktionsmaschinen entstehen, leicht der Fall.

Ich kann heute noch nicht beurteilen, ob diese Problematik bei dem neuen Informationssystem 8100 besser gelöst ist, meiner Ansicht nach aber sind Ringleitungen meist als Schwachstelle eines Systems anzusehen. Wir vertreten die Meinung, daß ein sternförmiges Anfahren der Terminals zwar anfangs teurer ist - es muß sehr viel mehr Leitung verlegt werden - diese Lösung jedoch letztendlich für den Anwender stabiler ist.

Wir arbeiten dezentral mit einem IBM-System /7 und einem Rechner der Serie 1. Die Software für unsere Anwendungen mußten wir allerdings selber schreiben.

Die 8100 wäre für uns interessant, weil dort sämtliche Programmiersprachen, die wir benutzen, verfügbar sind. Uninteressant aber, weil das neue System wesentlich teurer ist als die Serie 1.

Wir haben vor etwa fünf Jahren unsere dezentrale Betriebsdatenerfassung komplett realisiert. Wenn wir heute noch einmal damit beginnen müßten, wäre die 8100 - auch vom Preis her - bestens geeignet. Heute jedoch können wir sie nicht mehr einsetzen. Ich bin überzeugt davon, daß die 8100 in vielen anderen Unternehmen einen guten Absatz finden wird.

Meiner Ansicht nach kommt die IBM mit diesem für sie neuen Konzept etwas zu spät auf den Markt, weil viele Betriebe das "Distributed Processing" bereits mit anderen Herstellern realisiert haben und den Weg zurück nicht mehr antreten können und werden.

Gut an der 8100 ist ohne Zweifel die Möglichkeit des permanenten Dialogs mit dem Großrechner, bisher ein großes Problem beim Einsatz von "Fremdsystemen".

Die 8100 findet sicher ihren Markt, denn die IBM hat noch nie "ins Blaue hinein geschossen", auch wenn sie gestern noch das Konzept der zentralisierten Datenverarbeitung vertreten hat.

Gustav Knörzer

Direktor für Datenverarbeitung, Württembergische Metallwaren-Fabriken (WMF), Geislingen

Die Tatsache, daß IBM plötzlich ein Netzwerk-Konzept mit Dezentralisierung der Kontrollen in Verbundsystemen empfiehlt, hat überrascht. Dazu ist noch zu frisch die vor etwa eineinhalb Jahren verkündete Verlautbarung des Marktführers in Erinnerung, wonach die

höhere dezentrale Verfügbarkeit von mehr zentralem Volumen abhängig gemacht wurde.

Die neue 8100 der IBM - es gibt noch eine andere 8100 von NCR - kann vor allem durch die Einsatzbreite für viele Anwender interessant werden: Die 8100 ist ein selbständiges Computersystem, ein Mehrfunktionsterminal sowie ein Knotenrechner. Auch die neuen Bildschirme würde ich als einen Fortschritt betrachten.

Meiner Meinung nach kommt die IBM mit dem - frühestens allerdings erst in einem Jahr verfügbaren - System reichlich spät auf den Markt. Nicht überrascht hat mich die Politik, die gesamte Software für dieses System, einschließlich dem Betriebssystem, lizenzpflichtig zu erklären.

Wesentliche Vorteile der 8100 sehe ich - im Gegensatz zur früheren Ankündigung der Serie 1 - in dem umfassenden Software-Angebot, der Verfügbarkeit von Cobol sowie der interaktiven Programmentwicklung.

Hier zeigen sich Ansatzpunkte, die manchen Anwender zur Revision seiner Projektplanung veranlassen können. Ich denke hier an Betriebsdatenerfassungssysteme IBM 3630, die bisher mit Leitzentralen 3631/3632 auszustatten waren und nunmehr einen Ersatz in der wesentlich leistungsstärkeren 8100 finden. Eine Revision solcher Planungen kostet den Anwender erhebliche Zeit, wenn man berücksichtigt, daß das System 3630 auch erst seit kurzem auf dem Markt ist.

Mit dieser Neuankündigung ist dem Marktführer wieder einmal mehr gelungen, die Anwender zu intensivem Nachdenken anzuregen und die Konkurrenz zu schnellen Reaktionen zu ermuntern.

Manfred Klode

Leiter Systemplanung, Institut für automatisierte Datenverarbeitung der Stadtverwaltung, Düsseldorf

Die Ankündigung des IBM-8100-Informationssystems ist eine folgerichtige Weiterentwicklung des 3790-Konzeptes. Meiner Meinung nach wird erst jetzt das Schlagwort "Computer zum Arbeitsplatz" wirklich wahr. Der einzige Nachteil, den man in der kurzen Zeit seit der Ankündigung finden kann, ist der ungewöhnlich hohe Schulungsaufwand aller Beteiligten. Die Programmierung der 3790 - bei uns bereits realisiert - war schwierig. Noch mehr Probleme bringt der Einsatz der 8100 mit sich.

Selbst die IBM-Spezialisten haben bei der Ankündigung zugegeben, daß hier ein hoher Schulungsaufwand erforderlich sein wird.

Daß die IBM-Entwicklung auf dem 3790-Konzept nicht "hängen" bleibt, war jedem klar, der sich lange genug mit der Materie EDV beschäftigt hat. Andere Anbieter haben das Konzept der "Verteilten Intelligenz" schon seit mehreren Jahren verkauft. Es war sicher, daß der Marktführer diese Lücke in der eigene Produktpalette schließen mußte.

Natürlich befindet man sich als Anwender bei Neuankündigungen eines Systems immer in einer Art "Zwickmühle". Da vom Tage der Ankündigung bis zur Auslieferung eine große Zeitspanne liegt, kann man bereits in der Planung befindliche Anwendungen nicht stoppen und zurückstellen. Jetzt muß man erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickeln und dann prüfen, in, inwieweit das System 8100 in die bereits realisierten Anwendungen paßt. Bis zur Auslieferung der ersten Systeme bleibt uns ja dazu reichlich Zeit . . . .

Günter Leue

Unternehmensberater, Haunetal

Zunehmend mehr große Anwender realisierten in den letzten Jahren "technik-neutrale" Datenverarbeitungs-Organisationen, indem sie klar zwischen stapelorientierten zentralen Aufgaben und lokalem transaktionsorientiertem DV-Bedarf unterschieden. Für die Batchverarbeitung behielten sie die klassischen "Mainframes", für die Transaktionsverarbeitung halfen ihnen Mega-Minis, die sie aus Prozeßrechnern entwickelten, wie sie von den DECs, DGs, Interdatas, Printers und entwickelt (...). Oder von Univac (nach dem Erwerb Varians) oder von Tandem, die Produkte eigens für diese Philosophie entwarfen.

Jetzt gibt dem auch IBM mit dem neuangekündigten Informationssystem 8100 recht. Was steckt dahinter? Die Datenverarbeitung vor Ort mit der Datenerfassung an der Quelle und der Informationsausgabe, wo sie benötigt wird, mit der Dialogunterstützung des Sachbearbeiters und dem schnellen Zugriff, sowohl auf gespeichertes Wissen als zu aktuellen Daten, stellt besondere Anforderungen: Die Systeme müssen echtzeitorientiert sein, in Hardware und Software mit extrem hoher Verfügbarkeit, mit schnellen Antwortzeiten, mit benutzertransparentem Zugriff zu lokalen und entfernten Datenbanken. Sie dienen dem operativen Arm des Unternehmens im dispositorischen Bereich, in der Steuerung des Tagesgeschehens, in der Erfassung des direkten Feedbacks von der Front. Sie kommen dem Ideal des operatorlosen 24-Stunden-Betriebes nahe. Es ist eine EDV, die die Datentypistin fast entbehrlich macht, da die Eingabe Weitgehend automatisiert und - vom System unterstützt - durch den Sachbearbeiter selbst im Dialog erfolgt. Eine DV, die eine neue Art von Druckern fordert und kreiert: Mittelschnelle Drucker, preiswert, leise, vielgestaltig in der Ausgabe, die Informationen dort ausdrucken, wo sie unmittelbar verarbeitet werden und nicht Formularsätze bedrucken, deren Kopien physikalisch verteilt werden.

Eine DV, die im extremen Maße Gebrauch macht von den letzten Fortschritten in der Halbleiter-Philosophie und dadurch preiswert ist. Eine DV, die in kleinen Schritten ausbaufähig ist und deren optimale lastabhängige Konfiguration mit Software-Monitoren überwacht und ermittelt werden kann. Eine DV, die neue Software-Werkzeuge erfordert, leistungsfähige Datenbanken-Verwaltungssysteme nach dem Relationenmodell, Masken-Generatoren zur schnellen und sicheren Erstellung der Bildschirm-Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, Kommandosprachen, die es auch dem Nicht-Programmierer ermöglichen, dem System zu sagen, was es für ihn tun soll, DFÜ-Software, die das Arbeiten mit verteilten Datenbanken erlaubt uns die Verbindung zwischen mehreren Transaktionssystemen gestattet, ohne im Stern über einen zentralen Großrechner gehen zu müssen.

All diese "Buß-Worte" klingen bei der IBM-Ankündigung an. Selbst eine wirklich treffende Übersetzung für "Distributed Processing" wunde gefunden, nämlich interaktive Datenverarbeitungsnetze. Man wird mit Spannung verfolgen können, was von alledem schon Fakt und was noch Versprechen ist. Die IBM machte einen großen Sprung über den eigenen Schatten. Sie wird es sich gefallen lassen müssen, daß man sie mit den Ellen mißt, die die Mega-Mini-Hersteller in den letzten Jahren schufen. Eine Nebenfrage: Wird Siemens jetzt mit der 6000er-Serie noch lange auf sich warten lassen?

H. G. Stieffenhofer

Direktor beim Sparkassen- und Giroverband, Saarbrücken

Auch ich hatte die Freude, zu einem sogenannten Announcement-Meeting eingeladen zu werden.

Die Ankündigung des Herrn für das Vorwort machte gleich neugierig. Sagte er doch, daß IBM "ein mächtiges und hochintelligentes System" neu vorzustellen habe, und zwar "auf dem Wege zur verteilten Intelligenz".

Was kam, war in mehrfacher Hinsicht interessant. Zuerst das, was andere Hersteller seit Jahren anbieten und jetzt auch bei IBM im Rahmen einer "Hochintelligenz" geboten wird, zum Beispiel:

- 8 Hardware-Ebenen mit eigenen Registern;

- die ergonomischen Gesichtspunkte bei der Gestaltung der Bildschirme (zum Beispiel kippbarer Schirm);

- der Drucker mit dem auswechselbaren Typenband.

Das System bleibt trotzdem interessant. Auf den ersten Blick ist es - für ein IBM-Gerät - unglaublich preiswert. Vor einer endgültigen Wertung muß man sicherlich genau untersuchen, welche Gags in den neuen Vertragsbedingungen stecken (es könnte ja immerhin noch notwendig sein, daß man den eigenen Elektriker vor dem Auspacken und Aufstellen der Maschinen auf einen - natürlich kostenpflichtigen - IBM-Lehrgang schicken muß).

Bemerkenswert deutlich kommt heraus, daß verteilte Cormputerintelligenz fest an der Leine des zentralen DV-Systems geführt wird. Das "Mißverständnis" der Mini- und Midiframer, das verteilt so viel bedeutet wie "jeder kann tun, was er dürfte damit zurechtgerückt sein. Das Stichwort "Zentrale Kontrolle" in diesem Zusammenhang und die softwaremäßigen Vorkehrungen zeigen auf, wo es lang geht.

Das Stichwort Software fiel. Das System wird tatsächlich erst bei

Betrachtung des Hard- und des Softwareangebotes interessant. Hier bietet IBM - und das meines Erachtens - zu nicht gerade niedrigen Preisen einiges. Es fällt auf, daß im Sprachenangebot PL/1 fehlt.

Das Wesentliche dieses Meetings war wohl, an einem neuen Produkt erfahren zu haben, in welcher Richtung sich IBM-Produkte und

-Vertragsbedingungen weiterentwickeln (da einige Male in Form von Versprechern die Systembezeichnung 3100 fiel und diese ob ihrer Nähe zur 303X durchaus als Bezeichnung der erwarteten sogenannten E-Serie angesehen werden darf, darf man sicherlich in mancher Hinsicht Erwartungen anhand des soeben vernommenen knüpfen).

Zur verteilten Computerintelligenz kann insgesamt aus der Sicht eines zentralen Rechenzentrums in der Sparkassenorganisation gesagt

werden:

-Eigentlich nichts Neues, da bereits seit 1970 aktive, das heißt frei programmierte und damit einem ganzen Aufgabenspektrum angepaßte Terminals eingesetzt werden.