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Die Zukunft hat schon begonnen:


14.12.1990 - 

Kommunikation im Umbruch revolutioniert auch Lebensstile

Telefone im "Taschenformat", Laptops, mobile Faxgeräte, elektronische Post, transatlantischer Funkruf: All das sind mobile Kommunikationsmittel, die auch in Europa zur Verfügung stehen. Roger Woolnough* schildert den Hergang einer Revolution der persönlichen Lebensstile.

In der Kensington Church Street in London hörte ich unlängst das vertraute Piepsen eines modernen Telefons. An und für sich nichts Besonderes - nur daß der Mann vor mir plötzlich zur Seite trat, ein tragbares Telefon aus der Tasche zog und den Anruf beantwortete. Einige Meter weiter beobachtete ich dieselbe Szene, nur daß diesmal eine Frau unterwegs einen Anruf erhielt.

Wer heute in einen Verkehrsstau gerät, kann damit rechnen, daß viele Autofahrer ringsherum die so verlorene Zeit nutzen und über ihr Autotelefon kommunizieren - vielleicht sogar untereinander. Und auf Transatlantikflügen können Sie Personenrufgeräte mieten, die während des Fluges via Satellit jederzeit die Verbindung halten.

Europoweit einheitliche Normen

Nach Angaben des britischen Marktforschungs-Instituts MZA wird es 1995 in Europa 22,4 Millionen Nutzer mobiler Kommunikationseinrichtungen geben - fünfeinhalbmal mehr als die 4,1 Millionen Ende 1989 - und zwar nicht nur Anwender von Personenruf-Einrichtungen und Zellular-Mobiltelefonen, sondern auch von Telepoint-Einrichtungen, die auf digitalen schnurlosen Telefonen der zweiten Generation beruhen, sowie von privaten beziehungsweise persönlichen Kommunikations-Netzwerken (PCN). lm kommenden Jahr wird das paneuropäische digitale Mobiltelefon-Netz eingeführt werden, über das Fernsprechteilnehmer in 17 oder mehr europäischen Ländern ständig miteinander in Verbindung bleiben können. Dieses Netz ist allgemein unter der Bezeichnung GSM bekannt - so benannt nach der Groupe Special Mobile, die international die technischen Normen festlegt. Dadurch, daß dieses System europaweit einheitlich ist, werden sich einige wichtige Vorteile im Vergleich zu den heute bestehenden analogen zeIlularen Netzen ergeben.

Kreuz und quer durch die Welt zu telefonieren ist "in". Die Fernsprechteilnehmer werden die Möglichkeit haben, von ihrem Auto aus jedem Ort in Europa mit jedem anderen Ort in Europa Kontakt aufzunehmen. Da das gesamte Netz auf einem System basiert, steht den europäischen Herstellern ein riesiger Binnenmarkt ins Haus. Bereits jetzt schätzen optimistische Prognosen die Zahl der GMS-Teilnehmer im Jahr 2000 auf 15 bis 16 Millionen, womit der europäische Markt der weltweit größte für mobile Kommunikation wäre, den es bisher gab.

Selbst die Giganten der Telekommunikation halten hier eine Zusammenarbeit für vernünftig, um einen so großen Markt bedienen zu können. 1987 schloß sich beispielsweise Alcatel mit dem finnischen Unternehmen Nokia und der deutschen AEG zum Konsortium ECR 900 zusammen. Das Konsortium hat bisher bereits Aufträge aus der Bundesrepublik Deutschland, den Niederlanden, aus Finnland, Großbritannien und Italien erhalten.

Wer sich der mobilen Kommunikation bedient, erkennt sehr rasch ihren Wert. Einer Umfrage des Gallup-Instituts zufolge, das im Auftrag des britischen Zellularnetz-Betreibers

Cellnet rund 450 der aktivsten geschäftlichen Benutzer befragte, ergab, daß über 85 Prozent der Kunden das Mobiltelefon für ihre Geschäftstätigkeit als notwendig und 56 Prozent als absolut notwendig betrachten.

Der Journalist Brian Shallcross, Korrespondent der britischen Fernsehanstalt TV South im Londoner Parlament, ist ein solcher überzeugter Benutzer der mobilen Kommunikation. Mit Funk-Personenrufgerät, Zellulartelefon und Sprachbox ist er für alle Fälle gerüstet.

Auch der Autorennfahrer und Grand Prix-Pilot Nigel Mansell weiß die Möglichkeiten der mobilen Kommunikation zu schätzen. Von seinem Wohnsitz auf der Insel Man aus hält er per Mobiltelefon, das er in seinem Ferrari Testarossa, seinen zwei Range Rovers und seinem BMW 735 installiert hat, mit dem "fast lifestyle" - wie er sich ausdrückt - Schritt.

Einfach rund um die Welt faxen

Die meisten Zellulartelefon-Benutzer verwenden ihre Mobiltelefone wie ein gewöhnliches Telefon. Das Netz kann aber auch für die Datenübermittlung benutzt werden. Auf diese Weise können Reisende unterwegs mit Laptops und Faxgeräten kommunizieren.

Seit über zwei Jahren bietet beispielsweise das britische Zellulartelefon-Netz Vodafone über ein Spezialmodem und einen Laptop eine Reihe von Datendiensten wie etwa paketvermittelte Datenübertragung, elektronische Post, Netzverwaltung und verschiedene private Datennetze an.

Die weite Verbreitung des Zellulartelefons bedeutet indessen aber nicht, daß der Einsatz des Personen-Funkrufs zurückgehen wird. MZA schätzt, daß die Zahl der Benutzer von Personenrufgeräten sogar von 1,8 Millionen (Ende 1989) auf 4,0 Millionen (1995) anwachsen wird.

Dieses Wachstum wird durch Personen-Funkrufprojekte noch gefördert werden. Im Juni 1989 beispielsweise schloß sich ein Konsortium von sechs britischen Personen-Funkruf-Netzbetreibern mit Telecom Systemes France, der Deutschen Bundespost Telekom und der italienischen SIP zusammen, um Teilnehmern, die in oder zwischen diesen Ländern unterwegs sind, einen Funkrufdienst anzubieten. Dieses Vier-Länder-Abkommen darf als Vorläufer des europaweiten Standards "Ermes" (European Radio Messaging Service) angesehen werden.

Im vergangenen Jahr startete British Telecom Mobile Communications "Metrocast", den ersten transatlantischen Personen-Funkrufdienst der Welt. Über dieses Netz können Teilnehmer überall in Großbritannien oder in den USA, die über denselben Typ eines alphanumerischen Personenrufgeräts verfügen, verbunden werden. Ein anderer britischer Netzbetreiber, Mercury paging, unterzeichnete kürzlich ein Abkommen mit dem Sender BBC, so daß die Teilnehmer jetzt über das Funkrufnetz Kurznachrichten empfangen können.

Auch wenn der Einsatz von Zellulartelefonen sehr rasch expandiert, das Haupteinsatzgebiet wird im allgemeinen die geschäftliche Nutzung bleiben. Man rechnet aber damit, daß die private Mobilkommunikation durch zwei weitere Dienste - Telepoint und PCN - größere Verbreitung erlangt. Telepoint ist eine sinnvolle Erweiterung des schnurlosen Telefons, das derzeit noch auf analoger Technologie basiert und auf den Heim- oder Bürobereich beschränkt ist. Die schnurlosen Telefone der zweiten Generation (CT2) sind dagegen digitale Geräte.

Diese Geräte funktionieren in Verbindung mit einer Basisstation im Haus oder im Büro nicht nur besser, die leichten Fernsprechgeräte können auch überall mitgenommen und für Anrufe über das öffentliche Fernsprechnetz verwendet werden, wenn sich der Teilnehmer innerhalb der Reichweite einer Telepoint-Basisstation befindet. Diese "Telepoints" sollen an öffentlichen Plätzen wie Bahnhöfen, Flughäfen und Tankstellen eingerichtet werden.

Telepoint ist eine Art Münztelefon. Die Benutzer werden keine Anrufe empfangen können, sobald sie sich außerhalb ihrer Funkzone befinden. Trotz dieser Einschränkung findet das Telepoint-Konzept großen Anklang. Großbritannien vergab vier Lizenzen für den Betrieb von Telepoint-Diensten, in Frankreich wird das Konzept unter der Bezeichnung Pointel erprobt und in Deutschland führt die Deutschen Bundespost Telekom den Telepoint-Dienst "birdie" in drei Städten versuchsweise ein.

Im März 1990 einigten sich Großbritannien, Frankreich und Deutschland mit vier anderen Ländern - Spanien, Belgien, Finnland und Portugal -, einen gemeinsamen Telepoint-Standard auf der Basis des von den Briten entwickelten Common Air Interface (CAI) einzuhalten. Man rechnet damit, daß eine Reihe weiterer europäischer Länder ebenfalls das System übernehmen werden - was für die Telepoint-Teilnehmer bedeuten würde, daß sie ihre Handgeräte in ganz Europa verwenden könnten. Das Marktforschungs-Institut MZA schätzt, daß es 1995 in Europa 6,9 Millionen Telepoint-Teilnehmer geben wird.

Darüber hinaus ließe sich das persönliche Kommunikationsnetz - PCN - einführen. ln Großbritannien wurden an drei Betreiber Lizenzen für den Betrieb von PCN-Diensten vergeben. Die übrigen europäischer Länder sind aber bis jetzt diesem Schritt jedoch nicht gefolgt. PCN ermöglichen zweiseitige Datenübermittlung mit kostengünstigen, leichtgewichtigen Fernsprechgeräten, funktioniert aber im Gegensatz zum Zellulartelefon möglicherweise nicht bei hohen Geschwindigkeiten.

Gibt es Hindernisse, die die Einführung der mobilen Kommunikation bremsen könnten? Ein mögliches Problem ist die Verknappung von Funkfrequenzen; doch werden ins Zuge der Entspannung zwischen Ost und West große, bisher für militärische Zwecke reservierte Funkbereiche möglicherweise freigegeben. Eine andere Lösung wäre die Nutzung von Frequenzbereichen, die bisher technisch als nicht verwendbar gelten.

Das britische PCN wird im Bereich zwischen 1700 und 1900 Megahertz, nicht wie der analoge Zellularfunk und das GSM-Netz auf einer Frequenz von 450 und 900 Megahertz arbeiten. Die PCN-Frequenzen würden noch nie für ein ziviles terrestrisches Mobilsystem verwendet. Einer der britischen Lizenznehmer, Mercury Personal Communications Network Ltd., hat aber mit diesen Frequenzen gute Testergebnisse erzielt.

Europa ist anderen Ländern in der Entwicklung der mobilen Kommunikation weit voraus doch die Welt ist groß. Manfred Böhm von SEL ging auf der Konferenz "Asia Telecom" im vergangenen Jahr in Singapur auf die Chancen und Perspektiven eines globalen Mobiltelefons (GMP) ein, das Reisende überall mitnehmen und verwenden können, und stellte am Ende seiner Ausführungen fest: "Eines, das nur das GMP bieten kann, ist die Möglichkeit, mit einer persönlichen Telefonnummer kreuz und quer durch die Welt zu reisen."

Diesem Konzept, das nicht einem ortsfesten Endgerät, sondern einer Person eine Telefonnummer zuordnet, scheint sich Europa schnell zu nähern.

Für die mobile Kommunikation wird zunehmend mobile Energie benötigt. Das Mini-Taschentelefon wird von Nickel-Cadmium-Batterien der Firma Saft gespeist. Saft ist der weltweit führende Hersteller, der Alkali-Batterien und Akkumulatoren für die Bereiche Eisenbahn-, Luft- und Raumfahrt, industrielle Anwendungen, Notbeleuchtung, Telekommunikations-Einrichtungen und Computer herstellt.

Textverarbeitung im Umbruch

Nach Meinung von Michael Hancock, Jurist in der Hauptverwaltung von Alcatel in Paris, hat sich die Arbeitweise in der Rechtsabteilung des Unternehmens durch den Einsatz von Laptops grundlegend geändert.

Die Ab- und Neufassung von Verträgen bis zum Zeitpunkt des Abschlusses sind ein wesentlicher Teil der Arbeit der Rechtsabteilung. Die Zeiten, in denen diese Arbeit in der Hauptverwaltung zentralisiert wurden, gehen aber zu Ende.

"Unsere Juristen müssen mit Laptops umgehen können, damit sie die Verträge während der Verhandlungen vor Ort abändern, ausdrucken und unterzeichnen können, ohne daß sie nach Paris zurückkehren oder drei Tage lang die Sekretariatsdienste eines Hotels in Anspruch nehmen müssen", meint Hancock.

Will man aber aus Juristen versierte Textverarbeiter machen, muß die Software benutzerfreundlich sein. In dieser Hinsicht könnte nach Auffassung von Hancock noch viel getan werden.

Um alle Möglichkeiten ausschöpfen zu können, muß man aber eine ganze Reihe von Kommunikationstechniken beherrschen. Dennoch: Die Juristen von Alcatel kommunizieren mit anderen Vertragsparteien bereits über internationale Verbindungen auf elektronischem Wege.