Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.12.1994

Kommunikation und Information total Dieter Eckbauer

Where do you want to go today?" Die Frage, mit der sich Microsoft in einer Fernsehwerbung an das breite Publikum wendet, kann fuer den PC-Softwareriesen selbst kurz und buendig beantwortet werden: 85 Prozent der Bevoelkerung, so ein Firmenvertreter, sollen nach dieser weltweiten Imagekampagne wissen, wer Microsoft ist, was Microsoft macht und wie Microsoft-Kunden mit Hilfe von Microsoft- Produkten mehr leisten koennen - Aussergewoehnliches gar, wie die Werbung verspricht. Versteht sich, dass die TV-Aktion eine Menge Geld kostet, Geld, das Microsoft durch Geschaefte mit seinen bisherigen Kunden eingenommen hat. "Where do you want to go tomorrow?" wird der Milliardaer Gates beinahe taeglich gefragt - und die Konkurrenten fuerchten das Orakel:

"Your market is my market."

Als Entertainer ist Bill Gates eine spaete Entdeckung. Ob sich der Schnellcodierer ueber IBMs Warp-Wahluebungen fuer OS/2 lustig macht ("Die sollen mehr Anzeigen schalten!") oder die Gelddruckerei Microsoft als "winziges Unternehmen" bezeichnet, stets kann er sich der gespannten Aufmerksamkeit einer riesigen Fan-Gemeinde sicher sein: "Licht aus, Windows-Spot an" - da bleibt den Konkurrenten das Lachen im Halse stecken.

Es sind nicht mehr nur die Microsoft-Mitbewerber im PC- Softwaremarkt, die um ihre Existenz bangen muessen. Gates sieht die Sache ganzheitlich. Um den (Personal) Computer, dieses intelligente Mehrzweckwerkzeug, dreht sich bald alles: im Buero und zu Hause, waehrend der Arbeit und in der Freizeit - sofern man das ueberhaupt noch trennen darf. Information und Kommunikation total, ob zu Lernzwecken oder zur Unterhaltung: Keine Anwendung bleibt ausgespart. Gates' Vision: Hinter den allgegenwaertigen PCs ein omnipotenter Anbieter Microsoft, der die systemnahe Software liefert, ohne die nichts laeuft.

Waere dies ein Beitrag, der sich mit dem Thema "Machtmissbrauch durch Monopole" beschaeftigt, koennte der Titel nur lauten: Warnung vor dem Windows-Wahnsinn! Nur waere den Anwendern damit vermutlich wenig geholfen. Wir wollen auf etwas anderes hinaus: Der omnipraesente Multimedia-Computer markiert das vorlaeufige Ende einer Entwicklung, die im Rechenzentrum (Mainframe) begann und ueber verteilte Systeme (Client-Server) zu Online-PCs auf dem Schreibtisch fuehrte. Gebremst wurde sie in der Mainframe-Aera durch eine Herstellerpolitik (IBM), die Parkschutzinteressen verfolgte. So spiegelten die DV-Anwendungen in den seltensten Faellen den "state of the art" wider, das, was technisch moeglich gewesen waere.

Dass dies beim PC anders ist, verdanken wir unter anderem Bill Gates. Jetzt kommt es auf folgende Punkte an: Erstens die DV- Spezialisten zu sensibilisieren, dass sie das "New Age Computing", in dem sich alles sehr viel schneller veraendert, als Herausforderung begreifen. Konflikte, zweitens, koennen nur noch dadurch entstehen, dass zwischen allgemeinem Management und IT- Management Uneinigkeit ueber die Unternehmensziele besteht. Drittens: Der naechste Fehler passiert bestimmt. Das gilt auch fuer Bill Gates.