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12.11.1993

Kommunikation zwischen Bueroanwendungen erschliesst neue Ressourcen Echtes Interworking braucht Standards und Client-Server

Mit der Entscheidung fuer eine Client-Server-basierte DV muessen sich die Unternehmen mit einem Problem auseinandersetzen, das in der proprietaeren, monolithischen Welt von den Herstellern geloest wurde: dem Interworking, also der Kommunikation zwischen den einzelnen Systemen. Ingo Claussen* beschreibt die fuer die Buerokommunikation in einer Client-Server-Umgebung wichtigen Standards.

Mit der Einfuehrung von Client-Server-Technologien wird der Endanwender weniger abhaengig von der Zuteilung zentraler Ressourcen. Er bekommt Zugriff auf alle Systeme, die fuer seine Aufgaben wichtig sind, wobei die eingebundenen Komponenten auf die Erledigung der konkreten Aufgabenstellung hin optimiert sind. Dieses wird durch ein Rightsizing erreicht, das die moeglichst optimale Auslegung aller einbindbaren Systeme sicherstellt. Das Werkzeug dafuer ist die Client-Server-Technologie.

Client-Server-Computing ist losgeloest von Herstellern oder Systemplattformen zu betrachten. Die Ueberlegungen befassen sich ausschliesslich mit Software-Architekturen, die sicherstellen sollen, dass ueber gemeinsame Kommunikations- und Objektvereinbarungen das originaere Ziel erreicht wird: die unternehmensweite Zusammenfuehrung von Mitarbeitern und Geschaeftsprozessen.

Standardisierte Produkte sind bereits am Markt

Die heutigen Arbeitsformen im Buero, das Team- oder Workgroup- Computing, spiegeln sich deshalb auch in der Neudefinition der Systeme hinsichtlich der System-zu-System-Kommunikation wider: Gefragt wird nicht mehr nach Primaries (Host) und Secondaries ("der Rest darunter"). In den heutigen Systemumgebungen ist der Trend zur Gleichheit der Systeme und damit zur Peer-to-peer- Kommunikation klar erkennbar. Folgende Transportprotokolle unterstuetzen beispielsweise diese Kommunikationsform: TCP/IP, Remote Procedure Calls (RPCs) gemaess OSF und Advanced Program-to- Program Communication (APPC) in Verbindung mit LU 2.1.

Die Open Systems Foundation (OSF) offeriert mit Distributed Computing Environment (DCE) offene Schnittstellen und Systeme zur Realisierung und Verwaltung verteilter Systeme. DCE unterstuetzt Client-Server-Architekturen durch die Bereitstellung der RPCs fuer lokale Applikationen.

Diese haben damit die Moeglichkeit, ueber verschiedene Netzprotokolle hinweg Unterprogramme, die sich auf unterschiedlichen Systemplattformen befinden, transparent aufzurufen. Das Distributed Filesystem (DFS) erlaubt ferner den ortsunabhaengigen Dateizugriff durch Clients. Herstellerunabhaengige Normungsgremien haben die Client-Server-Architekturen mittlerweile ebenfalls aufgenommen und Empfehlungen fixiert. Entsprechend gibt es Produkte, die nach diesen internationalen Standards wie X.400, X.500, Document Filing & Retrieval (DFR), SQL etc. ausgerichtet sind. Die Anbieter haben diese Vorgaben meist noch um Gateways erweitert, ueber die sich bestehende Systemumgebungen einbinden lassen.

Der an der Client-Server-Technologie ausgerichtete offene E-Mail- Service basiert auf dem X.400-Standard des CCITT beziehungsweise ISO (88er-Definition). Ueber Gateways koennen Zugaenge zu Telematikdiensten wie Telefax und Teletex und Telex beziehungsweise zu herstellereigenen Mail-Services wie den IBM- Diensten DDS und Snads (sowie zu Memo der Firma Verimation) offeriert werden.

Ferner stehen Zugaenge zum Novell-MHS (Message Handling System), zum Unix-Mail SMTP (Simple Mail Transfer Protocol) und MS-Mail etc. offen.

Der Directory-Service auf Basis von CCITT X.500 ist die Ergaenzung zur elektronischen Post. Mit diesem Service werden netzweit Adressbuecher verwaltet, die entweder global oder benutzerspezifisch abgerufen werden koennen.

Das offene X.400-Mail mit den diversen Gateways und das X.500- Directory koennen auch zusammengefuehrt ein Corporate-Mail-Backbone praesentieren, in dem einheitlich mit eindeutigen X.400-Adressen gearbeitet wird - auch fuer die Benutzer von PC-Mail-Systemen. In dem Gateway zwischen dem X.400-Backbone und dem jeweiligen PC- Mail-System geschieht dann ein Mapping von der X.400-Adresse auf die kleinere PC-Mail-Adresse und vice versa. Als weiteren Dienst uebergibt das Gateway das Mailing von dem Transferservice gemaess OSI zum Routing-Service des jeweiligen Mail-Systems und umgekehrt.

Der offene Ablageservice kann herstellerneutral auf DFR ausgerichtet sein. Mit der Implementierung steht ein verteiltes Ablage- und Retrieval-System zur Verfuegung, das einen Zugriff auf beliebige, hierarchisch aufgebaute Ablagen zulaesst. Neben einfachen Navigierfunktionen stehen auch komfortable Suchfunktionen bereit, die die automatische Suche nach beliebigen Kriterien ermoeglichen. Die Ablage ist transparent, das heisst, es wird nicht nach Informationsarten differenziert. Entsprechende Produkte sind im Rahmen von Multivendor-Praesentationen schon gezeigt worden. Dabei haben Clients verschiedener Hersteller auf DFR-Server zugegriffen.

Ebenso stehen Normen fuer einen offenen Datenbank-Zugriff nach ISO (SQL-Befehlssatz, ISO 9075, RDA-Protokoll, ISO 9597) bereit. Das ermoeglicht einen verteilten Zugriff auf unterschiedliche Datenbanken in lokalen (LANs) oder entfernten (WANs) Netzen.

Fuer den verteilten Druckservice existiert ferner die Norm ISO 10175. Client-Server-Architekturen schaffen ueber die Unterstuetzung von offenen und herstellerspezifischen Schnittstellen die Voraussetzung, dass sich heterogene und verteilte Systemumgebungen fuer den Benutzer als eine homogene Einheit mit einer einfach zu bedienenden Oberflaeche darstellen.

Um Konvertierungen kommt man nicht herum

Jedoch ist in verteilten Systemen in der Regel von heterogenen Werkzeugen fuer vergleichbare Taetigkeiten (zum Beispiel Textverarbeitung) auszugehen. Konvertier-Tools schaffen beispielsweise eine weitgehende Dokumentenkompatibilitaet zwischen unterschiedlichen Editoren. Eine absolute Gewaehr fuer Informationsverlust oder -verfaelschung ist jedoch nicht gegeben. Selbst bei einheitlichen Tools koennen Inkompatibilitaeten auftauchen, wenn unterschiedliche Releases oder Versionen zum Einsatz gelangen. Dieses wird nur bei absolut kongruenten Loesungen vermieden.

Man kann den Anwendern jedoch ihre bewaehrten Tools nicht wegnehmen. Deshalb muss man auch in einer Client-Server-Umgebung mit Konvertierungen leben. Informationsverluste lassen sich jedoch dadurch reduzieren, dass fuer vergleichbare Werkzeuge gemeinsame Nenner gefunden beziehungsweise definiert werden. Das betrifft einheitliche Codetabellen und Praesentationsformen etc., die vom Konverter ohne Informationsverlust konvertiert werden.

In diesem Sinne werden in der Trans European Service Infrastructure (Tesi) einheitliche Arbeitsumgebungen mit ebensolchen Werkzeugen definiert, um eine fehlerfreie Mail- Kommunikation zwischen den Teilnehmern zu gewaehrleisten. Vergleichbares hat auch der Sparkassen- und Giroverband verabschiedet: Die Sparkassen haben einen gemeinsamen Nenner fuer den Austausch von Objekten mit der "Sparkassen Dokumenten Architektur" (SDA) definiert, um Dokumente zwischen heterogenen Editoren auszutauschen.

Client-Server-Technologien erschliessen dem Anwender somit Ressourcen in der eigenen Organisation und bilden damit die Basis fuer ein Interworking mit den anderen Mitarbeitern. Last, but not least ermoeglicht diese Technologie aber auch den Einsatz von immer preiswerter werdenden PCs und Workstations.