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30.03.1984 - 

Mikros, Minis und Mainframes: BSC, MVS, SNA und Btx; Teil 5:

Kommunikationsdienste für Mikrocomputer

Ein starker Trend bei der Nutzung von Mikrocomputern in den USA ist seit kurzem die Symbiose mit Datenbankdiensten. Professionelle Nutzer gehen dazu über, via Telefonleitung und Modem Daten und Fakten wie Aktienkurse, Kreditinformationen oder neueste Branchen-Nachrichten aus zentralen Datenbanken abzurufen.

Der nebenstehende Beitrag ist die fünfte Folge einer Serie über Datenkommunikation zwischen Personal Computern. Minis und Mainframes. Zusammengestellt wurde diese Serie von Hans-Peter Blomeyer-Bartenstein und Rainer Kuhn. die beide in der Unternehmensberatung für Mikrocomputer und Datenkommunikation mark-UBBB, München. tätig sind.

Die Attraktivität dieser Nutzung ist den Herstellern bereits seit längerem klar: Commodore International Ltd. hat bereits über 100 000 Modems verkauft, Apple wird in diesem Frühjahr mit eigenen Modems auf den Markt kommen.

Weitere Hersteller gehen ebenfalls in diese Richtung; sie bieten entweder separate Modems an oder integrieren diese direkt in ihre Rechner. Die häufig gestellte Frage, für welche Anwendungen ein Tischcomputer in Kleinunternehmen und sogar im Privathaushalt tatsächlich genutzt werden kann, ist so plötzlich einsichtig zu beantworten: für den Abruf von Informationen aus großen Datenbanken.

Der deutsche Mikrobenutzer wird auf diesen Nutzen aber aller Voraussicht noch etwas warten müssen: Die Deutsche Bundespost gestattet weder den Anschluß privater Modems an ihre Netze (Fernsprech- und Direktrufnetz), noch ist bisher die elektronische Integration von Modems in Datenendgeräte gestattet. Das Modemgeschäft wird hierzulande von der Post betrieben: Entweder mietet sich der Anwender ein Modem für 120 Mark und mehr pro Monat von der Post oder er nimmt für acht Markt pro Monat am Btx-Dienst teil, sofern er über die dann notwendige und bisher recht teure Ausstattung verfügt. Die dritte Alternative ist die Anschaffung eines Akustikkopplers zum Preis von rund 1300 Mark, auch nicht gerade attraktiv, wenn man mit dem US-Modempreis von 120 Mark vergleicht.

Und im Bereich der Deutschen Bundespost ist weit und breit keine kostengünstige Alternative zu sehen. Dennoch lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen, was die DBP alternativ zum Fernsprechnetz an Netzen und Diensten für die Datenübertragung bietet.

Da wäre zunächst einmal das Datex-L-Netz: In den Jahren 1973 bis 1975 installiert stehen zwischenzeitlich 23 Datenvermittlungsstellen an 18 Orten der Bundesrepublik zur Verfügung, um digitale Daten über das elektronische, mikrocomputergesteuerte Datenvermittlungssystem EDS zu transportieren.

Zunächst als Träger des Telex-Dienstes eingeführt, steht es heute als transparentes Übertragungsmedium zwischen Endgeräten zur Verfügung, die Daten mit denselben Übertragungsraten austauschen. Eine Geschwindigkeitsanpassung findet hier ebensowenig statt wie eine Protokollumsetzung, es können folglich nur voll aufeinander abgestimmte Geräte kommunizieren. Der Einsatz rechnergesteuerter Varmittlungsstellen bringt jedoch einige sehr nützliche Eigenschaften mit sich: Kurzwahl, Direktruf, Teilnehmerbetriebsklassen, Anschlußkennung und die Gebührenannahme bei ankommendem Ruf werden auf Wunsch von der Post zur Verfügung gestellt.

Der Zugang zum Datex-L-Netz erfolgt in der Regel über die V 24/V 28- kompatiblen Schnittstellen X.20bis oder X.21bis. Dafür stellt die Post sogenannte Datenfernschaltgeräte zur Verfügung, die in der Art eines Tastentelefons den Verbindungsaufbau gestatten. Darüber hinaus ist die automatische Wahl vom Datenendgerät aus möglich, sofern dieses über die X.20 (bis 300 Baud Übertragungsrate) oder die X.2 1 Schnittstelle (2400 bis 9600 Baud Übertragungsrate) verfügt. Letztere Schnittstellen gestatten den Aufbau von DV-Netzen, in denen etwa eine Zentrale automatisch Meßwerte von Außenstellen abfragt oder eine Zentrale in den Abendstunden automatisch Umsatzzahlen von Filialen einsammelt.

Ist das Datex-L-Netz wegen seiner Protokolltransparenz für Mikros noch relativ leicht zugänglich, so stellt die X.25-Schnittstelle des Datex-P-Netzes doch Anforderungen, die von Mikros nur durch den Einsatz von zusätzlicher Verarbeitungskapazität in Form eines als Präprozessor arbeitenden zusätzlichen Mikrocomputers erfüllt werden können. Dafür bekommt der Anwender Zugang zu einem Netz, das Daten in Paketform anhand der mitgeführten Adresse über festgeschaltete Leitungen von Vermittlungsstelle zu Vermittlungsstelle transportiert. Durch die Zwischenspeicherung der Daten in den Vermittlungsstellen ist im Datex-P-Netz eine Geschwindigkeitsanpassung möglich, das heißt es können Geräte mit unterschiedlichen Übertragungsraten kommunizieren, immer vorausgesetzt, sie sind in der Lage, ihre Daten den Konventionen entsprechend zu paketieren und auf alle Kontrollmechanismen des Netzes entsprechend zu reagieren

Doch diese Geschwindigkeitsanpassung ist nicht der einzige Vorteil des Netzes: Dadurch daß Daten in Paketen übertragen werden, können Daten mehrerer logischer Verbindungen ineinander verschachtelt über eine einzige physikalische Leitung übertragen weden (Zeitmultiplex) und das mit Geschwindigkeiten von bis zu 48 KBit pro Sekunde. Allerdings wird für das Datex-P-Netz deshalb immer wieder eine düstere Zukunft vorausgesagt, weil die DBP plant, die Datex-P-Gebühren drastisch anzuheben.

Die erwähnten attraktiven technischen Eigenschaften und die Gewißheit, daß auch das Datex-L-Netz teurer wird, geben jedoch Grund zu der Voraussage, daß dieses Netz bis weit in die neunziger Jahre zur Verfügung stehen wird. Und vergessen wir nicht: Das Datex-P-Netz bietet Zugang aus dem Fernsprech- und dem Datex-L-Netz ebenso wie den Zugang von simplen asynchronen Geräten oder IBM-Batch- und Dialogstationen und steht in Verbindung mit fast allen paketvermittelten Netzen der Welt.

Doch der Mikro-Anwender hat weitere Alternativen für seine Kommunikationsaufgaben. Teletex heißt ein Dienst, der auf Basis des Datex-L-Netzes realisiert ist und zunächst nur als komfortabler Ersatz des Telex-Dienstes gedacht war. Die Anforderungen an ein Teletex-Endgerät sind hoch: Gleichzeitiger Lokal- und Übertragungsbetrieb, 24-Stunden-Bereitschaft, Datensicherung bei Netzausfall und die Erfüllung sämtlicher Anforderungen an den Verbindungsaufbau, die Flußkontrolle, die Fehlerreaktionen, den Dialogablauf bis hin zur Zeichendarstellung entsprechend den CCITT-Normen. Kein Mikro erfüllt heutzutage alle diese Forderungen im Zentralgerät; doch gibt es zwischenzeitlich "Teletex-Boxen", die einerseits den Zugang zum Teletex-Dienst bereitstellen und andererseits über asynchrone Schnittstellen verfügen, an die ein oder mehrere Mikrocomputer angeschlossen werden können.

Der Mikro braucht sich also nur an diese sehr viel einfachere Schnittstelle zu halten und bildet so unter Einsatz eines geeigneten Textbearbeitungsprogramms mit einem Teletex-fähigen Drucker ein Teletex-Endgerät, dem auch die DBP ihren Segen nicht verweigert.

Der Hauptträger für Daten-Kommunikationsaufgaben wird aber wohl, abgesehen vom analogen Fernsprechnetz und seinem digitalen Nachfolger, der Bildschirmtext werden. Werfen wir deshalb einen Blick auf die drei wichtigsten Grundkonfigurationen eines Btx-Anschlusses: Da ist zunächst einmal das Heimfernsehgerät mit eingebautem Btx-Decoder; er wird an ein Modem angeschlossen, das den Zugang zum Fernsprechnetz darstellt. Über Telefon wird die Verbindung zum örtlichen Btx-Rechner hergestellt und dann Information über eine Tastatur, die dem Fernsehapparat zugeordnet ist, von der Zentrale abgerufen - und das, darauf sei hier ausdrücklich hingewiesen, zum gängigen Ortstarif plus acht Mark monatliche Mietgebühr für das Modem.

Diesem Abrufbetrieb gegenüber steht die Erstellung abrufbarer Information. Dafür stellt die Industrie seit kurzer Zeit Btx-Editierplätze zur Verfügung, die es gestatten, "offline" Btx-Seiten zu erstellen und diese den Zentralen zu überspielen.

Angeboten werden hier Systeme, die auf einem Farbmonitor eine ganze Seite darstellen können und darüber hinaus über eine zusätzliche Kommandozeile verfügen, die über eine Tastatur angesprochen werden kann. Zwei Seiten können diese Geräte intern speichern, ein Vielfaches davon, wenn ein Floppy-Disk-Laufwerk beigeordnet wird.

Der Komfort einer einzigen Kommandozeile hält sich jedoch in Grenzen, ganz davon abgesehen, daß die Lesbarkeit von Buchstaben auf Farbbildschirmen derzeit sicher nicht den Anforderungen von Ergonomen Genüge leisten kann. Man findet aus diesem Grunde oftmals Mikros anstelle der Tastatur dem Monitor zugeordnet. Entsprechende Software vorausgesetzt, gestattet der Mikro in dieser Konfiguration ermüdungsfreies Editieren in komfortabler Menütechnik mit der gleichzeitigen Möglichkeit, Informationen zur Btx-Zentrale zu übersenden beziehungsweise von dort zu empfangen.

Doch die Speicherung von Informationen im Postrechner ist teuer Diese Kosten können durch den Einsatz eines sogenannten externen Rechners umgangen werden. Diese Rechner werden in den Verbund der Postrechner eingefügt, sind somit wie diese über das Telefonnetz erreichbar, stehen jedoch auf dem Gelände privater Unternehmen. In Verbindung mit einem oder mehreren Editierplätzen bieten sie Firmen die Möglichkeit, Mitteilungen, Lagerbestände, Preis und so weiter auf dem firmeninternen Rechner bereitzustellen, somit die Speichergebühren der Post zu umgehen und trotzdem ihren Mitarbeitern den Zugriff auf diese Informationen zum Ortstarif zu gestatten.

Vor dieser schönen neuen Welt stehen jedoch ein paar Hürden: Die Postrechner sind über das Datex-P-Netz gekoppelt, der externe Rechner muß also ebenfalls über die X.25-Schnittstelle verfügen und über die Protokolle EHKP4 und EHKP6 kommunizieren können. Die Implementierung dieser Eigenschaften ist nicht einfach, entsprechend hoch sind die Preise, die für eine solche Rechnerkonfiguration genannt werden. Doch schon preschen einige Anbieter vor: Auf dem letzten Online-Kongreß wurde ein Preis von 650 Mark für Zusatzhardware für den IBM PC und ein Betrag von 3500 Mark für Kominunikationssoftware genannt, die den IBM PC zum externen Rechner macht.

Sollten sich diese Preise bewahrheiten, stünde dem massenhaften Einsatz kommunikationsfähiger Mikros wohl nur noch die Leistungsfähigkeit des Datex-P-Netzes entgegen. Und die Datex-P-Preispolitik der Deutschen Bundespost.

Dr. Rüdiger Both ist Produktleiter für Datenkommunikation bei der Kontron Mikrocomputer GmbH, Eching bei München.