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07.12.1984 - 

Betriebliche Weiterbildung muß Wechsel von Berufs- und Trugbild verhindern:

Kommunikationsorganisator spielt Zitterrolle

KÖLN - Einen neuen Typ des Organisators, den Kommunikationsorganisator, hält Dr. Herbert Fuchs, Mitglied der Geschäftsleitung der Kölner Jörg E. Staufenbiel Unternehmensberatung, für notwendig, um den Informationsfluß im "Büro 2000" in den Griff zu bekommen. Noch fehlt aber die konkrete Beschreibung dieses "Machers". Fuchs versucht im folgenden eine Prezisierung des Berufsbildes.

Bei dem Komplex Information und Kommunikation geht es um Daten- und Textverarbeitung, um Telefonieren, Fernschreiben, Fernkopieren, Bild- und Datenübertragung, also um Systeme und Netze. Es wird ein integriertes System von Sprach-, Text-, Bild- und Datenkommunikation angestrebt, das Informationen elektronisch erstellt, aufbereitet und abspeichert. Gegenwärtig führen die Bereiche Textverarbeitung, Datenverarbeitung und Kommunikation noch ein voneinander isoliertes Eigenleben in Form von Insellösungen.

In Zukunft soll sich der Ausbruch von Nachrichten in Form von Daten, Texten, Bildern und Sprache sowie der Zugriff auf Dokumente über einen Systemkomponentenverbund realisieren lassen.

Eine solche ganzheitliche Konzeption dürfte jedoch für die nähere Zukunft utopisch sein. Es werden sich zunächst Verbindungen zwischen Sprache und Bild über das Bildtelefon, zwischen Bild und Text über das Bildschirmtextgerät und Verbindungen zwischen Text, Daten und Dokumenten über Bürocomputer und Datenverarbeitungsanlagen ergeben. Teletex wird die Briefpost weitgehend überflüssig machen, Telefax

wird dem Empfänger ein originalgetreues Abbild einer Vorlage vermitteln.

Der Fernschreibverkehr wird durch die Teletexstation abgelöst. Zukünftige Kommunikationssysteme werden Netze sein, die Terminals und Rechnersysteme miteinander verbinden. Daraus wird sich dann schrittweise eine integrierte Gesamtkonzeption entwickeln, wobei erst am Schluß die Einbeziehung der Sprache in das Gesamtsystem erfolgen dürfte. Diese Entwicklung wird für den bürotechnischen Anwendungsbereich einen enormen Innovationsschub mit sich bringen.

Die Realisation neuer Kommunikationssysteme wird davon abhängen inwieweit man kompatible Schnittstellen zwischen den Teilnehmern und den Systemen schaffen kann. Leider ist der Stand der Technik heute noch so, daß oft nicht einmal bei verschiedenen Geräten eines Herstellers Kompatibilität erzielt werden kann. Weiterhin ist bei der Hardware der Benutzerschutz auf der Anwenderseite noch nicht sichergestellt. Das größte Problem dürfte jedoch wie bisher die Schnittstelle Mensch/Maschine aufwerfen. Konkrete Vorstellungen über Humanschnittstellen künftiger Systeme existieren kaum. Jeder, der mit Büroarbeit konfrontiert ist, kann sich vorstellen welche Anforderungen an solche Arbeitsplätze gestellt werden.

Organisatorische Gestaltung - aber wie?

Die organisatorische und technische Gestaltung der Informations- und Kommunikationsprozesse in Unternehmungen ist vermehrt als ganzheitlicher Planungs- und Gestaltungsprozeß aufzufassen. Die Aufgaben stellen Anforderungen an Sachmittel (Kombinationen); umgekehrt stellen die Sachmittel ganz bestimmte Bedingungen an die Aufgaben und Prozesse. Das Gestaltungsproblem liegt nun in der Herbeiführung einer Kongruenz. Dies ist aber nicht in jedem Fall realisierbar, denn die Aufgabenkomplexe in den Unternehmungen sind mehr oder weniger individuell auf spezielle Inhalte abgestellt und von Branche zu Branche unterschiedlich und nicht alle Sachmittel erfüllen die hieraus resultierenden Anforderungen gleich gut. Es ist leicht zu sagen, die beste Unterstützung der Arbeitsplätze und die größtmögliche Effizienz wird dann erreicht, wenn für jeden Arbeitsplatz die adäquate Geräteausstattung ausgewählt wird. Solange nicht sichergestellt ist, daß die Teilsysteme im Gesamtsachmittelkomplex optimal untereinander kommunizieren, wird es kein "Büro 2000" geben.

Der Sinn zukünftiger organisatorischer Strukturierungsmaßnahmen liegt letztlich in der fortschritt, der bei den gewerblichen Arbeitsplätzen erzielt werden konnte, sind Kosteneinsparungen am Büroarbeitsplatz trotz moderner Technologien bisher relativ gering.

Neuen Entwicklungen werden hohe Investitionskosten, Trägheitserscheinungen und der Mangel an Erfahrungen hinderlich sein. Auf der einen Seite lockt die Technologiebegeisterung, die Möglichkeit, neue Machtstrukturen aufzubauen, und auf der anderen Seite wird die Entwicklung durch die Angst vor der Technik, vor dem Verlust der Humanität und des Arbeitsplatzes gehemmt.

Mit der Hardware wird es in Zukunft wie bisher die wenigsten Probleme geben. Im Software-Bereich sieht dies schon etwas anders aus. Die Menschen, die in Zukunft diese Aufgaben erfüllen und strukturieren sollen, werden die meisten Probleme haben und aufwerfen.

Zukünftige organisatorische Strukturierungen des Informations- und Kommunikationssystems werden sich in anderen Dimensionen abspielen als bisher. In den Bereichen Kommunikation, Text- und Datenverarbeitung haben sich spezielle Typen von Organisatoren entwickelt, die ihre eigene Sprache sprechen. Anstelle von Insellösungen sind Gesamtsysteme zu strukturieren und dies erfordert einen anderen Typ des Organisators. In Zukunft wird es notwendig sein, hier eine Integration anzustreben, sei es durch Teams oder durch die Ausbildung "übergreifender Spezialisten". Dabei stellt sich die Frage, ob die erforderliche Vielfalt der Kenntnisse auf eine Person vereinigt werden kann.

Das Profil zukünftiger Kommunikationsorganisatoren wird vielfältiger sein, es ist disziplinübergreifend. Zum einen bedarf es für Zusammenhänge des Generalisten, zum anderen des Spezialisten, der über ein fundiertes aktuelles Wissen verfügt. Das heißt, der Kommunikationsorganisator wird die zahlreichen Spezialisten keineswegs überflüssig machen - er sollte vielmehr Koordinator und Impulsgeber sein. Es wird eine stärkere Koppelung zwischen Betriebswirtschaft, Informatik und Technik erforderlich. Die Ausbildung in den bereichen Systemplanung, Organisation und in den Realisationstechniken muß praxisorientierter und anwendungsbezogener ausgerichtet werden. Ein Schwerpunkt wird in einem noch zu begründenden Fach "Kommunikationselemente" liegen. In diesem Bereich sind die einzelnen Elemente der Kommunikationssysteme und deren Kombinationen untereinander im Sinne der Erfüllung optimaler Aufgabenzusammenhänge - analog dem Fach Maschinenelemente bei den Ingenieuren - zu behandeln.

An Universitäten und Fachhochschulen wird die Verfolgung solcher Lehrvorhaben anfänglich schwierig sein, da die Entwicklung ausschließlich durch die Hersteller getragen wird. Die wissenschaftlichen Institutionen müssen sich daher bemühen, den Anschluß zu finden und das Wissen über die unterschiedlichsten Systeme der verschiedenen Hersteller auf dem neuesten Stand zu halten. Dies ist um so wichtigter, als mangelnde Transparenz auf der Anwenderseite und mangelnde Kompatibilität auf der Seite unterschiedlicher Sachmittelkonfigurationen zu einer starken Herstellerabhängigkeit führen können.

Anwender, Hersteller und Berater werden zukünftig einen großen Bedarf an Fachkräften im Bereich Kommunikationssysteme haben. Bis die Hochschulausbildung sich diesem Bedarf angepaßt hat, wird einige Zeit vergehen. Daher kommt der betrieblichen Aus- und Weiterbildung eine große Bedeutung zu, um die Diskrepanz zwischen dem technisch Möglichen und dem in der betrieblichen Praxis Machbaren zu überblicken. Falls Unternehmer und Personalmanager diese wichtige Aufgabe nicht rechtzeitig erkennen, wird das notwendige Berufsbild tatsächlich ein Trugbild; die Gestaltung ganzheitlicher Kommunikations- und Informationssysteme können dann ein noch größerer Floppy werden als die Bemühungen um das Management-Informations-System (MIS) vor etwa zehn Jahren.