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06.09.1985 - 

Selbst hartnäckige PC-Resistente konnten sich auf Dauer nicht der Forderung des Marktes verschließen:

Kompatibilität bewirkt Preisverfall

Der wichtigste Vorteil des Angebots an kompatiblen Systemen liegt für den Anwender in der direkten Vergleichbarkeit der Produkte. Auf der Softwareseite kann der Benutzer sich auf die Auswahl der Anwendungen konzentrieren und ist von der Hardware unabhängig.

Als IBM 1982 seinen PC ankündigte, wurde dieses Gerät fast über Nacht zu einem Top-Seller. Obwohl das System technisch durchaus keine Neuheiten bot und vom Konzept eher als konservativ bezeichnet werden mußte, stürzte sich der Markt: förmlich darauf. Da der IBM PC im wesentlichen aus Bauteilen dritter Hersteller gebaut wurde (Prozessor: Intel, Laufwerke: Shugart, Betriebssystem: Microsoft, Drucker: Epson, Monitor: Zenith), muß der PC-Boom als reiner Marketing-Erfolg der IBM gewertet werden.

Keiner der großen Hersteller der "seriösen" EDV hatte zu diesem Zeitpunkt den Computerwinzlingen eine ernsthafte Chance eingeräumt. So blieb dieser Markt jahrelang Tummelplatz von bis dahin unbekannten Herstellern. Diese hatten es jedoch versäumt, sich marketingmäßig von technischem "Freaktum" und vom Computerspielzeug abzugrenzen. Gleichzeitig verlangte der Markt aber nach seriösen (soll heißen: wohlbekannten) Anbietern und nach einer bedienerfreundlichen Technik, mit der auch der technisch Unerfahrene umgehen konnte. Beides erfüllte IBM in den Augen der Anwender allein durch die Präsenz der drei großen Buchstaben.

Kaum war der PC angekündigt, schaffte der Softwaremarkt innerhalb kürzester Zeit ein beachtliches Spektrum von Anwenderprogrammen herbei. Zu Beginn des Jahres 1983 schrieben rund 80 Prozent aller amerikanischen Softwarehäuser an Programmen für den IBM PC. Das Zusammenspiel dieser Kräfte bewirkte eine Normierung, die sich binnen kürzester Zeit als PC-Industriestandard durchsetzte.

Im Erfolgswind der IBM ließen sich sofort eine Vielzahl von Unternehmen mitreißen. Diverse Anwenderprogramme und ungezählte Hardware-Erweiterungen entstanden. Außerdem setzten einige bis dahin unbekannte System-Hersteller sehr bald auf diesen Erfolg. Um im Kielwasser des IBM PC mitzuschwimmen, entstanden die ersten PC-Kompatiblen. Namen der ersten Stunde waren Columbia, Eagle, Corona oder Compaq, von denen einige inzwischen dem einsetzenden Wettbewerb um diesen Markt bereits wieder zum Opfer gefallen sind.

Denn bald danach begannen auch Unternehmen wie Olivetti, Zenith, Texas Instruments oder Sperry mit der Produktion kompatibler Systeme. Die übrige Groß-EDV- und MDT-Welt schaute noch einige Zeit zögernd auf den Erfolg der als Klones abgetanen Kompatiblen, konnten sich jedoch auf Dauer kaum der Forderung des Marktes nach mehr Kompatibilität verschließen. So haben schließlich selbst hartnäckige PC-Resistente wie Nixdorf sich nicht widersetzen können und ein kompatibles Gerät in ihr Produktprogramm aufgenommen.

Ganz offenbar bietet die Kompatibilität dem Anwender Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind.

Der erste und sicherlich wichtigste Grund ist die Software-Kompatibilität. Über lange Jahre hinweg waren die Anwender gewohnt, daß ihre Software auf die Hardware des jeweiligen Herstellers speziell abgestimmt war. Ergo mußten Hardware und Software "aus einer Hand" angeschafft werden. Diese Einschränkung, bei der Anschaffung des Computers noch erträglich, war bei geplantem Systemwechsel häufig überaus schmerzhaft.

Der Anwender war an die Hardwarepolitik des einen Herstellers gefesselt, oder er mußte seine Software-Investitionen voll abschreiben und gewissermaßen von vorne beginnen. Mit der Kompatibilität wurde das anders. Der Anwender kann sich für die gewünschte Software unabhängig von der Hardware entscheiden. Zu Ungunsten der Software-Produzenten, jedoch zum Vorteil des Anwenders führte eben diese freie Wahlmöglichkeit zu erheblichen Preissenkungen.

Als nächster wichtiger Vorteil der Kompatibilität ist die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der Hardware zu nennen. Der Anwender eines kompatiblen Rechners hat die Möglichkeit, aus einer umfangreichen Palette von Hardware-Erweiterungen, angeboten von einer Vielzahl von Herstellern, beliebig nach Preis und Bedarf auszuwählen. Am verbreitetsten dürften hier Halbleiter-Speichererweiterungen und externe Plattenlaufwerke sowie Grafik-Karten sein. Erst die Tatsache, daß der 64polige Systembus des IBM PC zur Norm wurde, machte dies möglich. Gleichzeitig wurde aber mit der Kompatibilität das Leistungsverhalten der verschiedenen Mikros für den Anwender transparent. Direkte Preisvergleiche sind dem kaufwilligen Endbenutzer heute ohne besondere Schwierigkeiten möglich. Zu seinem Vorteil, denn der rapide Preisverfall der sogenannten Personal Computer ist eine direkte Auswirkung der Kompatibilität.

Endlich bleibt noch zu erwähnen, daß mit der Kompatibilität auch die Bedienung der Mikrocomputer an vielen Stellen vereinheitlicht wurde. So sehen unter anderem die Tastaturen aller Kompatiblen weitgehend gleich aus. Der Anwender kennt sich auch an einem System eines anderen Herstellers sofort aus. Ebenso trägt die einheitliche Verwendung des Betriebssystems von Microsoft, MS-DOS, zur Bedienungsvereinheitlichung bei.

Tatsächlich hat die IBM durch ihren PC innerhalb kürzester Zeit einen Marktstandard geschaffen, der nicht mehr wegzudenken ist. Ob das in der Absicht der IBM-Manager lag, darf weidlich bezweifelt werden, denn nun sieht sich die IBM an eben diesen Standard gefesselt, der aller Welt zugänglich ist und von aller Welt angeboten wird. Seit geraumer Zeit weht den IBMlern der kalte Wind des Preiswettbewerbs um die Nase - eine völlig neue Erfahrung für den Marktführer.

Sicherlich würde die IBM sich nur zu gerne wieder von diesem plötzlich so unlukrativen Markt abwenden und versuchen, auf eigenen Wegen Marktanteile zu ergattern - jedoch dürfte das kaum möglich sein. Der eher mäßige Erfolg verschiedener PC-Varianten (PC/370, 3270-PC) beweist dies.

Wie auch in anderen Bereichen bringt Normung verbesserte Verbreitung, die wiederum Produktstabilität erzeugt. Ein Vorgang, der in erster Linie dem Anwender, aber auch der Industrie im Ganzen nützlich ist.

Sofern es der Endbenutzer und Computerkäufer von morgen nicht schon längst erkannt hat, sei ihm geraten, sich beim Kauf eines Kleinrechners an dieser Norm zu orientieren. Entscheidungsmerkmale sollten aber bei der Hardware-Auswahl Ausbaufähigkeit, Qualität, Marktpräsenz des Anbieters und erst danach der Preis sein.

* Werner Reinkendorff ist Geschäftsführer der Zenith Data Systems GmbH, Dreieich.