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16.04.1976

Kompatible Schnittstellen für DBDC-Systeme

Die Bayerische Staatskanzlei, Abteilung Datenverarbeitung und damit speziell das von Ihnen geleitete Referat Systementwicklung ist Projektleiter der von der Bunderegierung geförderten Entwicklung kompatibler Schnittstellen zu Datenbank- und Datenkommunikationssystemen. Dieses Projekt baut auf der Arbeit einer Arbeitsgruppe verschiedener Behörden aus Bund, Ländern und Kommunen, die sich mit Kompatibilitätsfragen beschäftigt. In diesem Monat Ende April - wird diese Arbeitsgruppe einen Abschlußbericht vorlegen. Wie weit ist man auf dem Weg zur unbeschränkten Programm-Portabilität, das heißt zum Programmen auf Systeme verschiedener Hersteller?

Der Hauptschritt zur Portabilität war die Einführung kompatibler Programmiersprachen wie Cobol oder Fortan. Dies reichte aber, nur für relativ einfache Anwendungsprobleme. Die Einbeziehung in Anwendungen von Datenbanksystemen oder gar Datenkommunikationssystemen - die bisher noch vollständig unkompatibel sind - verursachte neue Lücken in der Kompatibilität

Wurde also Cobol von der Zeit, von der Technik überholt?

Cobol ist noch heute hochaktuell und gewährleistet für einfache Probleme, eine ausreichende Kompatibilität von etwa 95 Prozent. Bei komplexen Problemen mit DB- und DC-Umgebung reduziert sich die Portabilität auf 65 bis 70 Prozent, die mit Hilfe, neuer kompatibler Schnittstellen wiederum auf 95 Prozent angehoben werden kann.

- Fest steht, daß Datenbanken wie IMS, ADABAS, SESAM und die vielen anderen miteinander, nicht kompatibel sind. Das gleiche gilt für die TP-Monitore wie CICS, IMS/DC, Taskmaster, Asmus. Aber das stört in der Regel den Anwender ja nicht.

Das ist richtig für eine Firma, die auf einen Hersteller schwört. Jedoch im Bereich der öffentlichen Verwaltung, ebenso wie wahrscheinlich in großen Konzernen, kann man sich nicht auf einen Hersteller festlegen. Unsere Programme sollen nur einmal erstellt werden und müssen trotzdem auf den bei den verschiedenen Behörden vorhandenen Anlagen laufen. Sie müssen auch dann weiterlaufen, wenn es einem Hersteller einfällt, seine Systemsoftware umzustellen, oder wenn ein Anwender sich für eine herstellerunabhängige DB-DC-Software entschließt.

- Inwieweit können Sie in Ihrem jetzt vorzulegenden Abschlußbericht darlegen, daß diese Ziele erreicht wurden?

Heute stehen drei Schnittstellen-Definitionen zur Verfügung, nämlich der Formalismus zum Aufruf von Datenbank-Funktionen sowohl für lineare als auch für komplexe Datei-Strukturen, zweitens ein Formalismus zur Behandlung von Nachrichten in Online-Programmen und drittens ein Formalismus zur Verwendung von System-Dateien.

- Diese Schnittstellen ersetzen die Vielzahl unterschiedlicher Aufrufe durch jeweils einen einzigen für eine Funktion. Das ist eine Frage der Vereinbarung. Aber damit laufen die neuen Befehle ja noch nicht in jeweils vorgegebener Umgebung.

Die Hersteller von Hardware und Software haben unsere Arbeitsgruppe bei der stromlinienförmigen Definition der Schnittstellen intensiv unterstützt schließlich handelt es sich ja auch um nicht wenig Geld in Behörden-Geschäft. Natürlich mußten dann noch Programme erstellt werden und zwar für jede Basis-Software, die mit den neu vereinbarten Befehlen arbeitete sollte.

- Für weiche Systeme sind denn heute Software-Pakete verfügbar, die es erlauben, die neuen einheitlicher Befehle in den jeweiligen internen Formalismus dieser DB- und DC-Software-Pakete umzusetzen?

Abgeschlossen sind bisher Umsatzprogramme zur Bearbeitung linearer Dateistrukturen, nämlich für ISAM und SESAM auf Siemens-Anlagen und für VSAM auf IBM-Anlagen. Ferner sind gegenwärtig in Arbeit Umsetzprogramme, die sowohl den linearen als auch den komplexen Teil abdecken, für die Systeme, ADABAS der Software AG, IMS/DB von IBM und Prisma von Siemens. Schließlich werden auch Umsetzprogramme für die TP-Monitore Taskmaster von Pragma und Asmus von Siemens noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

- Und wer hat das alles bezahlt?

Das Bundesministerium für Forschung und Technologie erklärte sich nach einer intensiven Prüfung unserer Konzepte bereit, die Entwicklung der notwendigen Umsetzprogramme mit einer Summe von etwa 1,9 Millionen Mark zu fördern, wobei wir und andere wichtige Pilotanwender der öffentlichen Verwaltung zusätzlich eigene Manpower und Maschinenkapazität zur Verfügung stellten.

- Heißt das, daß auch die Schnittstellen zur IMS gefördert wurden?

Nein, IBM bekennt als amerikanische Firma bekanntlich keine Unterstützung durch die Bundesregierung, so daß IBM - wohl nach Abschätzung der Marktbedeutung - sich bereit erklärte, zunächst die Umsetzprogramme für den DB-Teil des IMS, später wohl auch für den DC-Teil und vermutlich auch für CICS ohne öffentliche finanzielle Unterstützung zu schreiben.

- Wie groß ist der Hauptspeicher-Aufwand für diese Umsetzungshilfen?

Je nach dem notwendigen Ausgleich von Funktionen wird der Hauptspeicherbedarf zwischen 5 und 20 K liegen, wobei in der Regel eine gemeinsame Verwendung des Umsetzers durch mehrere Anwendungsprogramme möglich sein wird.

- Und wie sieht es - einige Umsetzer liegen ja vor - mit den Laufzeiten aus? Dergleichen kostet ja auch Zeit.

Die vorliegenden Umsetzer zu linearen Dateistrukturen laufen mit einem zeitlichen Mehraufwand von zwischen zwei und fünf Prozent. Für Datenbank-Anwendungen mit komplexeren Strukturen dürfte der Zeitaufwand wohl um knapp zehn Prozent zunehmen.

- Was heißt hier Prozent? Welche Zeit ist gemeint?

Hier wird die durchschnittliche Verlängerung der Zugriffszeit verstanden, die in der Regel durch Multiprogramming für andere Anwendungen nutzbar gemacht werden kann. Wir glauben, daß sowohl der Hauptspeicheraufwand als auch der zusätzliche Zeitaufwand nicht so erheblich sind.

- Das mag für die öffentliche Hand gelten, würden Sie aber auch privatwirtschaftlichen Anwendern empfehlen, bei der Programmierung komplexen Systeme künftig sich ihrer ja frei verfügbaren neuen Konventionen zu bedienen?

Wer heute schon weiß, daß seine Anwender-Programme länger verwendet werden durften als die heute bei ihm eingesetzten Datenbank- und Datenkommunikationssysteme. sollte sich diese neue Alternative wohl ernsthaft überlegen.

- Und was passierte wenn sich die Codasyl-Normen doch noch durchsetzen sollten?

Die neuen Schnittstellen sind so Definiert daß ein Übergang auf die heutigen Codasyl-Normen jederzeit und ohne Neuprogrammierung möglich ist. Des weiteren bestehen Kontakte zur Codasyl-Gruppe mit dem Ziel, künftige Weiterentwicklungen des Codasyl-Vorschlags mit unserem Konzept in Übereinstimmung zu halten. Außerdem soll in einem neu eingerichteten Arbeitskreis des Deutschen Normenausschusses das Konzept auf eine mögliche DIN-Normung geprüft werden. Und ich bin sicher, daß das erreicht werden kann.