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24.09.1993

Kompetenz als MIS-Betreuer beleuchtet In Zeiten der Offenheit muss Sun seine Staerken neu definieren

MUENCHEN (CW) - Die Sun Microsystems Computer Corp. (SMCC) steht vor einer neuen Herausforderung: Als Workstation-Marktfuehrer etabliert, haben die Kalifornier Probleme, sich als standfeste Groesse auch bei MIS-Managern anzudienen.

Nach Einschaetzung vieler Grosskunden wartet die schwergewichtige Konkurrenz IBM oder Hewlett-Packard (HP) hinsichtlich der Systemintegration sowie der Support-Dienstleistungen vor allem in unternehmensweiten Downsizing-Projekten mit ueberzeugenderen Angeboten auf.

Um nicht nur als Workstation-Anbieter erfolgreich zu sein, sondern auch auf Abteilungs- und Unternehmensebene mit einer glaubwuerdigen Offerte bestehen zu koennen, muss die Company des findigen Entwicklers Andreas von Bechtolsheim nach Meinung von Benutzern wie Analysten die Rechenleistung ihrer Servermodelle in Netzumgebungen verbessern.

Sparc-CPU um den Faktor zehn schneller

Gert Haas, Marketingleiter der Sun Microsystems GmbH, betont allerdings immer wieder, dass die 600-SMP-Modelle seit ihrer Markteinfuehrung 1992 voll eingeschlagen haetten. Auch veroeffentlichte das Unternehmen im Maerz dieses Jahres seinen Fuenf- Jahres-Plan in bezug auf zu erwartende Hochleistungsprozessoren. Und von Bechtolsheim wird nicht muede, in Vortraegen rund um den Globus den Technikmythos von Sun-RISC-CPUs zu verbreiten, die bis zur Jahrhundertwende um den Faktor 10 schneller sein werden als heutige Sun-Prozessoren.

Technologische Fuehrerschaft wollten die Mannen um ihren agilen Chef Scott McNealy allerdings immer fuer sich reklamieren. Doch waehrend Brancheninsider mit Recht bezweifeln, ob Technologiediskussionen fuer Anwender ueberhaupt von vorrangiger Bedeutung sind, koennte Sun aus ganz anderer Richtung unter Beschuss geraten: Mit der zunehmenden Oeffnung der diversen Unix-Plattformen - Stichworte COSE und einheitliches Unix - geraten Workstations zunehmend zu Commodity-Produkten.

Im angestammten Bereich erwaechst Konkurrenz

Es scheint fraglich, ob Sun sich auch kuenftig der Loyalitaet seiner Kunden sicher sein darf, ist doch die Austauschbarkeit heterogener Systemplattformen zunehmend gewaehrleistet.

Erste Anzeichen fuer ein Abbroeckeln der Basis sind bereits zu erkennen: Glaubt man Analysten, so brechen IBM und HP, die beiden groessten US-amerikanischen Computerunternehmen, in Suns General- Purpose-Gefielde ein; die Silicon Graphics Inc. (SGI) macht sich derweil in Suns Grafikgeschaeft breit. Allgemein geht Suns Marktanteil am Workstation-Markt zurueck.

Zwar konnte die McNealy-Company fuer das abgelaufene Geschaeftsjahr 1993 (30. Juni 1993) einen Umsatzzuwachs von 20 Prozent melden - mit 4,3 Milliarden Dollar ein hausinterner Rekord. Die Gewinne fielen gleichwohl um ein Zehntel gegenueber dem Vorjahr auf 156,7 Millionen Dollar. Sun-Controller Mike Lehman machte hierfuer die zoegerliche Auslieferungssituation von Produkten mit dem Super- Sparc-Prozessor verantwortlich - neben den Sparcstation-10- Modellen also just den Servermodellen Sparcserver1000 und Sparccenter2000.

Sun hat das Problem allerdings lokalisiert: Wegen der gegenueber Konkurrenzprodukten (DEC-Alpha, HP-PA, Mips-III) geringeren Leistungsfaehigkeit der Scable Processor Architecture (Sparc) ist fuer ressourcenhungrige Anwender die Vorstellung von Clustersystemen von entscheidender Bedeutung. Sun praesentierte denn auch erstmals auf der Unix-Expo in New York ihre "Sparccluster1"-Systeme. Als Auslieferungsdatum gilt das Ende des Jahres 1993. In der ersten Generation sind die Sparccluster1- Rechner nach Aussagen von Suns Marketing-Manager fuer Serverprodukte, Stephen Zocchi, nur als File-Server ausgelegt. Sie koennen mit zwei oder vier CPU-Platinen mit jeweils vier Supersparc-Prozessoren ausgestattet werden.

Neue Impulse durch geclusterte Sparc-Server

Mindestens genauso wichtig wird die fuer 1994 geplante zweite Generation von Sparcclustern sein, laufen auf ihr doch erstmals verteilte Datenbanksysteme. Zu diesen wird der Oracle 7 Parallel Server gehoeren. Ab 1995, so Zocchi, sollen Suns Cluster auch glasfasergestuetzte Netze auf Basis des ATM-Protokolls (Asynchronous Transfer Mode) unterstuetzen.

Analysten beaeugen den neuerlichen Vorstoss kritisch.

Ihrer Meinung nach koennten in der Server-Arena die Probleme fuer Sun erst so richtig losgehen. Denn auf dem Terrain unternehmensweiter DV-Gestaltung und -Verantwortlichkeit duerften die McNealy-Leute von den Konkurrenten IBM und HP in den Schwitzkasten genommen werden. Beide Firmen koennen auf einem Unternehmensniveau, das durch die Relevanz komplexer kommerzieller Applikationen sowie der Abloesung herkoemmlicher Hardwarestrukturen gekennzeichnet ist, erheblich mehr Projekterfahrungen vorweisen.

Sun will Standards kuenftig besser beachten

Sun reagierte auf solche Anforderungen mit der Schaffung der Dienstleistungs-Division Sun Networks. Deren Mitarbeiter werden mit den Serviceunternehmen Electronic Data Systems Corp. (EDS) und Andersen Consulting und Value Added Resellers (VARs) sowie in Deutschland mit der Debis zusammenarbeiten, um die aus proprietaeren Zeiten mit einer gewissen Versorgungsmentalitaet ausgestatteten MIS-Manager entsprechend bedienen zu koennen.

Eine wesentliche Rolle fuer die Sicherung kuenftiger Unternehmenserfolge spielt darueber hinaus Suns Oeffnung hin zu marktrelevanten Standards. Hier gelobt Sun Besserung gegenueber frueherer Abgrenzung. Erster Beleg fuer die neue Offenheit ist die Benutzeroberflaeche Motif von der Open Software Foundation (OSF): Suns Konkurrenzprodukt Open Look erklaerten die Kaliforniern nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Unix-Gemeinde im April 1993 zugunsten der Motif-Schnittstelle zum Auslaufmodell.

MIS-Management hat andere Ziele als Techniker

Einige Anwender wuenschen sich darueber hinaus, Sun wuerde seine Lernfaehigkeit bezueglich der Systemintegration, des Supports sowie der Skalierbarkeit von Backend-Produktionssystemen verbessern. Meinte ein grosser Sparc-Anwender: "Sun muss sich mehr an den Wuenschen der Kunden orientieren." Es sei eine Sache, Workstations an Ingenieure und Wissenschaftler zu verkaufen. Um aber in DV- Zentralen mit MIS-Managern ueber unternehmenskritische Anwendungen beziehungsweise deren hardwaremaessiger Unterstuetzung zu verhandeln, muesse man "doch ein ganz anderer Mensch sein".

Auf diesem Unternehmenslevel interessiere man sich fuer Probleme bezueglich einer gesicherten Rund-um-die-Uhr-Versorgung im DV- Betrieb, "ganz egal, welcher Hersteller auch immer das garantieren kann."

2. Generation unterstuetzt verteilte Datenbanken

Es sei, so aeussern befragte Sun-Anwender, eben eine fundamental andere Geisteshaltung, Sorge lediglich fuer die Modifizierung von Daten auf Client- beziehungsweise Desktop-Anwendungen zu tragen, als sich um unternehmensstrategische, zeitkritische Datenhaltung zu kuemmern.

Exemplarisch fuer diesbezuegliche Versaeumnisse der SMCC sei, dass Anwender bislang gezwungen sind, ihre produktionsorientierten Datenbanksysteme wie etwa den Oracle 7 Parallel Server auf anderer als der Sun-Hardware zu implementieren - beispielsweise geclusterten Sequent-Maschinen. Mit der zweiten Generation der Sparccluster1-Systeme will Sun hier ab dem kommenden Jahr fuer Abhilfe sorgen.

Kunden nehmen allerdings auch zur Kenntnis, dass Sun sein Service- Konzept anwenderfreundlicher gestaltet. Die Company baute nicht nur eine weltweit taetige Sunservice-Division auf, sie bietet Kunden darueber hinaus seit einigen Wochen ein abgestuftes Support- Konzept an, dass den Maintenance-Beduerfnissen grosser DV-Zentralen entgegen kommen soll.

Sun hat Lernphase noch nicht abgeschlossen

Anwender wie Analysten bleiben gleichwohl skeptisch: "Sun bemueht sich ganz eindeutig um eine Horizonterweiterung und darum, den Belangen unternehmensweiter DV-Administration und - Verantwortlichkeit Rechnung zu tragen", konzediert zum Beispiel Bruce Merkis, Direktor der Abteilung fuer Workgroup-Computing bei den Marktforschern der Nynex Science & Technology Inc. in White Plains im US-Bundesstaat New York, einer Tochter der Nynex Corp.

Spraeche man aber mit Beratern aus anderen Unternehmen wie etwa der IBM, so offenbare sich zumindest zum heutigen Zeitpunkt doch noch ein grosses Defizit der Sun-Mannen bezueglich der Fertigkeiten und des Wissens, das fuer MIS-relevante Integrationsaufgaben vonnoeten sei.