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02.07.1993

Kompetenzen grosser DV-Dienstleister Faehigkeiten/ Spezialisierungen Technologiefuehrerschaft

BOSTON (hv) - IBM, Andersen Consulting, EDS und Digital Equipment haben im Markt fuer Systemintegration (SI) weltweit die Nase vorn. Europaeer koennen nach Ansicht der Gartner Group im Konzert der Grossen kaum mitspielen. Chancen werden am ehesten dem franzoesischen Bull-Konzern sowie dessen Wettbewerber Cap Gemini Sogeti eingeraeumt.

Als Systemintegrator mit weltweiten Ambitionen praesentierte sich die Groupe Bull auf dem Management-Kongress Enterprise '93, den das Unternehmen gemeinsam mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Open Software Foundation (OSF) veranstaltete. Chefsanierer Bernard Pache, seit gut einem Jahr Chairman und CEO der krisengeplagten Company, gab sich in einem Gespraech mit der Presse zuversichtlich, die wirtschaftliche Talfahrt des Konzerns stoppen zu koennen.

Bull werde die Transformation in Richtung eines globalen Anbieters mit einem Schwerpunkt auf DV-Serviceleistungen wie Systemintegration, Facilities Management und Third-party- Maintenance meistern. Seine internationalen Ambitionen unterstrich das Unternehmen mit dem Hinweis, nur noch 38 Prozent des gesamten Umsatzes wuerden in Frankreich erwirtschaftet, 36 Prozent im europaeischen Ausland und bereits 20 Prozent in den Vereinigten Staaten.

Gartner-Analystin Bonnie

Digrius, die am Rande der Enterprise '93 die Entwicklungen am SI- Markt analysierte, haelt denn auch Bull fuer einen der interessanteren Nebendarsteller auf der internationalen DV- Dienstleistungsbuehne. Allerdings sei der kuenftige Erfolg der Company entscheidend von der Internationalisierung des Unternehmens abhaengig.

Dass diese keineswegs langfristig gesichert ist, zeigt die anhaltende Kritik von Vertretern des franzoesischen Staates, der sich als Hauptaktionaer offenkundig nicht so recht mit Bulls kostspieligen Versuchen anfreunden kann, zu einem globalen Player heranzuwachsen (siehe CW Nr. 24 vom 11. Juni 1993, Seite 2: "Bull- Chef Pache..."). Dennoch macht vor allem die US-Tochter Integris, die in der Neuen Welt fuer eine Reihe kleiner SI-Projekte im Wert von einer bis zehn Millionen Dollar verantwortlich zeichnet, auf die Gartner-Analysten einen guten Eindruck.

Im Gegensatz zu Bull faellt es dem franzoesischen Wettbewerber Cap Gemini Sogeti nach Meinung der Marktkenner schwer, im amerikanischen Markt Fuss zu fassen. Daran habe auch die Uebernahme der US-Consulting-Firmen Mac Group und United Research wenig geaendert. Vor allem im SI-Geschaeft koenne Cap Gemini in den USA kaum mithalten. Deshalb erwarten die Marktforscher ein eher moderates Wachstum des Konzerns.

Gartner definiert als SI-Geschaeft die Realisierung grosser Projekte im Wert von mehr als einer Million Dollar, in denen Hardware, Professional Services, Software und die Unternehmensorganisation eine Rolle spielen. Vor allem bei der Anwendungsentwicklung, so die Analysten, entscheidet sich die Qualitaet des Servicepartners. Hier liefern sich die Kunden ihrem Dienstleister aus - und zwar ueber alle Phasen des Entwicklungszyklus hinweg.

Deshalb sei entscheidend, ob es den DV-Serviceunternehmen gelinge, moeglichst schnell den Uebergang von einer reinen Cobol- Entwicklung zu einer Client-Server-orientierten Datenverarbeitung zu bewaeltigen. Waehrend hier Nischen-Player wie Price Waterhouse gut zurechtkaemen, seien bei groesseren Anbietern wie Cap Gemini oder Andersen Consulting voruebergehend Schwierigkeiten zu erwarten, wenngleich diese Konzerne bereits Client-Server-Entwicklungs-Tools einsetzen.

Groesster Teilnehmer im SI-Markt wird laut Gartner ueber Jahre hinaus die IBM mit einem Marktanteil von durchschnittlich mehr als 20 Prozent bleiben (siehe Abbildung 1). Diese Prognose sei allerdings kaum darauf zurueckzufuehren, dass Big Blue bei seinen Kunden als Systemintegrator einen besonders guten Ruf geniesse. Vielmehr habe die Company mit der Ausgliederung der Outsourcing- Division ISSC Geschick bewiesen. Die Tochter sei vor allem fuer die Abwicklung grosser SI-Projekte verantwortlich. Allerdings, so Analystin Digrius, haengt bei der zuletzt schwer gebeutelten IBM vieles von der kuenftigen Geschaeftsentwicklung ab.

Dasselbe gilt fuer Digital Equipment, wenngleich sich das Unternehmen im Markt fuer Systemintegration laut Gartner-Analyse recht gut zurechtfindet. Wesentlich schwerer als IBM und DEC werde es dagegen die deutsche Siemens-Nixdorf Informationssysteme (SNI) AG in Muenchen haben, die erst im letzten Jahr ihr SI-Geschaeft als eigenstaendigen Bereich ausgegliedert hatte. Zwar sei dies der erste Schritt in Richtung Aufbau eines eigenstaendigen SI-Geschaefts gewesen, doch SNI habe noch einen "langen Weg" vor sich, um als international aktiver Systemintegrator akzeptiert zu werden.

Die Verknuepfung des Outsourcing- mit dem SI-Geschaeft ist eine Strategie, die nach Meinung der Gartner-Analysen nicht nur die IBM, sondern auch die Electronic Data Systems (EDS) stark macht. Outsourcing-Vertraege seien der Schluessel fuer eine intensive Zusammenarbeit mit Grosskunden. Sie zoegen in vielen Faellen umfangreiche Systemintegrations-Auftraege nach sich.