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18.02.1983 - 

Nach der Hardware- rückt nun die Kommunikationsergonomie in den Vordergrund:

Kompetenzgerangel stört Arbeitsorganisation

MÜNCHEN - Ergonomie ist kein Thema mehr - zumindest was die Hardwareseite betrifft. Denn in DIN-Normen und Sicherheitsregeln steht, wie der ergonomisch optimalausgestaltete Bildschirmarbeitsplatz auszusehen hat: Maßliche Gestaltung, richtige Körperhaltung und günstige Umgebungsbedingungen sollten also mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Dennoch erhitzen sich die Gemüter nach wie vor an ergonomischen Diskussionen: Alles was sich nämlich unter dem Begriff. "Kommunikationsergonomie" verbirgt - die Gestaltung des Informationsaustausches zwischen Benutzer und Rechner also - ist bislang noch wenig erforscht.

Der Trend zur Dienstleistungs- und Bürogesellschaft wird weiter anhalten. Schon heute arbeiten fast jede dritte Frau und jeder vierte Mann im Büro. Durch den Einsatz programmgesteuerter Arbeitsmittel treten nun in diesem Bereich, wie einer Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu entnehmen ist, neue, noch nicht absehbare Veränderungen der Arbeitsinhalte und -anforderungen auf

Bislang indessen befindet sich die Entwicklung noch in den Kinderschuhen. So nehmen sich die in der Bundesrepublik zur Zeit im Einsatz befindlichen 300000 Bildschirmgeräte im Verhältnis zur Gesamtzahl der bestehenden Büroarbeitsplätze von rund zwölf Millionen noch recht bescheiden aus. Immerhin, so betont der bei der Verwaltungsberufsgenossenschaft um Ergonomiegesichtspunkte bemühte Klaus Buhmann, hat man in der Zwischenzeit erkannt, wo eigentlich das Problem bei der Einführung neuer Technologien liege.

Für ausschlaggebend hält Buhmann es dabei, Arbeiten als in sich geschlossene Vorgänge so zusammenzufassen, daß einseitige Tätigkeiten vermieden werden können.

Hierbei seien Arbeitsumgebung, Arbeitsplatz und -mittel entsprechend gesicherten Erkenntnissen zu gestalten, nicht einseitige Tätigkeiten zu optimieren, sondern dynamisch wechselnde Abläufe zu unterstützen.

Bestätigung findet die Verwaltungsberufsgenossenschaft hier von Gewerkschaftsseite. Denn Dr. Ulrich Briefs vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut des DGB ist ebenfalls davon überzeugt, daß gerade Monotonie, der Zwang zur Konzentration, neben den klassischen Belastungen der Augen, des Skeletts und der Muskulatur, schwer erfaßbare Belastungen verursacht.

Im Bereich der Software, die massive Veränderungen für Arbeitsinhalte, Arbeitsorganisation und Qualifikationsanforderungen mit sich bringt, fehlen bislang, wie Briefs klagt, wichtige Untersuchungsergebnisse über Auswirkungen auf die betroffenen Beschäftigten und über Alternativen in der DV-Entwicklung. Dabei fragt sich der Gewerkschafter, ob die Arbeitswissenschaftler bei diesem komplexen Prozeß je richtig fündig werden können. Um so wichtiger schätzt Briefs deshalb das Urteil der betroffenen Arbeitskräfte und ihrer Interessenvertreter selbst ein.

Doch den Zusammenhang zwischen Aufgabenstruktur und Computertechnik hat die Wissenschaft schon erkannt. So definiert Professor Dr. Ralf Reichwald, bei der Münchener Bundeswehrhochschule mit dem Gebiet "Technik und Arbeit" betraut, Ergonomie als Wissenschaft von Mensch und Arbeit im weiteren Sinne und sieht die Probleme der Ergonomie nicht nur in der Gestaltung von Computergeräten. Dazu gehören nach Ansicht des Betriebswirtschafts-Professors neben der Hardwareergonomie die Gestaltung der Software, das heißt, der gesamte Bereich der Mensch/Maschine-Interaktion sowie vor allem der Aufgabeninhalt und der Aufgabenstrukturbereich.

Auch bei der IG-Metall ist man grundsätzlich der Überzeugung, daß ein Großteil der angebotenen Computer durchaus den allgemeinen Ansprüchen entspricht. Wie der Arbeitsplatz gestaltet sein soll oder in welchem Winkel sich der Arm bewegen muß, ist nach Ansicht von Dr. Helmut Rose von der Innovationstechnologie-Beratungsstelle der Gewerkschaft eigentlich kein Thema mehr. Was aber unbedingt auf Erforschung dränge, seien Fragen der "kognitiven" Ergonomie: Wie soll das Abfragespiel zwischen Mensch und Maschine gestaltet werden, der Umgang mit Programmen, der Dialogverkehr am Datensichtgerät sowie dessen Organisation.

Wichtig sei zudem, die Verständlichkeit der Programme zu erhöhen und die Erlernbarkeit zu erleichtern so daß es dem einzelnen möglich wird, Einsicht in die Programmabläufe zu gewinnen und auch selbst Einfluß zu nehmen.

Als Grunddilemma stellt sich hier jedoch, wie Reichwald betont, das Kompetenzgerangel zwischen Abteilungen heraus: Während der Organisator die Arbeitsabläufe bestimmt, bestellt der DV-Leiter die Computertechnologie und installiert der Hausmeister die Beleuchtung. Diese sehr unterschiedlichen Zuständigkeiten gelte es nun unter einen Hut zu bringen. Dem so geschaffenen Aufgabengebiet müsse dann ein übergeordnetes Arbeitsmanagement vorgestellt werden, der für die gesamte Arbeitsorganisation mit allem, was dazu gehört, verantwortlich zeichnet.

Superorganisator soll Dilemma lösen

Indessen, so bedauert Reichwald, steht eine Lösung von heute auf morgen nicht ins Haus. Hier bedürfe es noch mühevoller Kleinarbeit, die die derzeitigen Probleme der Rationalisierung bezogen auf Kommunikationstechniken dem Management und dem Verwaltungsbereich vermittelt und klar macht.

Bislang jedenfalls findet die entsprechende Ausgestaltung der Arbeitsorganisation bei der Einführung neuer Informationstechniken in den Betrieben noch wenig Beachtung. Allerdings zeugen erste Anzeichen davon, daß sich dies allmählich ändern wird. Denn verschiedene Hersteller befassen sich zunehmend nicht mehr nur mit der Hardwareergonomie, sondern berücksichtigen verstärkt den gesamten Bereich der Arbeitsplatzgestaltung: Hardware und Software, Umgebung, Organisation sowie Systemeinführung.

So unterstreicht Dr. Claus Benz, der im Bereich Angewandte Arbeitswissenschaften des Zentralbereichs Technik der Siemens AG tätig ist daß hier das Thema "ergonomische Gestaltung der Kommunikation zwischen Benutzer und Rechner" sehr ernstgenommen wird. Eigens dazu erweiterte Siemens nämlich vor nun knapp drei Jahren seine Ergonomielabors in Erlangen um ein Kommunikationslabor.

Für lohnend hält dies der Münchener Elektrogigant allemal, da in naher Zukunft durch die Telekommunikation (Bildschirmtext, Teletex) die Zahl der Arbeitsplätze mit Bildschirmunterstützung beträchtlich zunehmen werde. Zudem ließen erste Ergebnisse der Laboruntersuchungen und ihre Anwendung in Pilotprojekten bereits jetzt eine erhebliche Verbesserung der Anwenderprogramme erwarten.

Checkliste: Arbeitsorganisation *

- Wurde eine Tätigkeitsanalyse vorher/nachher erstellt?

- Ist die neue Arbeitsorganisation im Rahmen der technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten den Fähigkeiten und Bedürfnissen der Mitarbeiter angemessen?

- Kann der Mitarbeiter seinen Beitrag zur Erbringung der Abteilungsleistung erkennen und ausreichend beeinflussen?

- Bestehen ausreichend Kommunikationsmöglichkeiten zwischen den Mitarbeitern?

- Werden störende Abhängigkeiten der Mitarbeiter von der EDV-Anlage vermieden?

- Werden negative Auswirkungen der neuen Arbeitsorganisation auf das Betriebsklima vermieden?

- Sind für die Mitarbeiter, welche die neue Arbeitsorganisation ablehnen beziehungsweise nicht über die erforderliche Eignung verfügen, rechtzeitig andere Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt worden?

*Quelle: C. Benz, R. Grob, P. Haubner: "Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen, Verlag TÜV Rheinland, 1981.