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07.08.1987 - 

bibb: Mit externem Know-how Qualifizierungsoffensive aufpolieren

Kompetenzspritze soll BA-Fortbildung beleben

MÜNCHEN - Qualität hat bei Fortbildungs-Aufträgen künftig für die Bundesanstalt für Arbeit (BA) höchste Priorität. Das Preis/Leistungs-Verhältnis von verordneten Qualifizierungsmaßnahmen nimmt deshalb das Bundesinstitut für Berufsbildung in Berlin (bibb) zusammen mit der BA unter die Lupe.

Bei den inhaltlichen Imperativen zur Qualifizierungsoffensive der Bundesanstalt sind als erstes solche Vorgaben zu erwarten, die die Arbeitsämter bei Vergabe und Beginn von Fortbildungsmaßnahmen berücksichtigen sollen. "Anforderungen stellen an Qualität und Wirtschaftlichkeit der Auftragsmaßnahmen" lautet das Motto. (Siehe auch CW Nr. 31, Seite 7 und Seite 27.) Besonders die DV-Qualifizierung verlangt nach klaren Vorgaben, nahmen doch hier in den vergangenen Jahren kommerzielle Schulungsaktivitäten überproportional zu.

Ein Stichwort der Berliner Empfehlungen betrifft die Kooperation der Arbeitsamtsberater mit den Schulungsträgern. In der Vergangenheit scheint die BA nämlich in einigen Fällen den Bock zum Gärtner gemacht zu haben, so Edgar Sauter, Abteilungsleiter im bibb. Mangelnde Kompetenz und fehlendes Personal ließen aus anfänglicher Zusammenarbeit zwischen Arbeitsämtern und kommerziellen Trägern regelrechte Allianzen entstehen. Deshalb, betont bibb, sollten die Arbeitsämter systematisch mit externen Sachverständigen in der Region, wie etwa den Handwerkskammern, zusammenarbeiten. Ebenso müßten Unternehmen ihre qualitativen und quantitativen Bedarfsvorstellungen präzisieren. Gerade hier herrsche noch ein großes Defizit, stellt bibb-Mitarbeiter Sauter fest. Um den Bildungsnebel zu lichten, empfiehlt das Berliner Institut außerdem, den Aufwand für eine Kurs-Entwicklung von Kosten der Durchführung einer Maßnahme zu trennen und danach gesondert durch die Arbeitsämter honorieren zu lassen.

Die Arbeitsämter sollen nach den Vorstellungen der Berliner Bildungsexperten auch künftig das Know-how von Schulungsträgern einbinden und nicht wie bisher als Maßnahmeplaner "dilettieren". Für die inhaltliche Kursgestaltung fehlten den Beratern nämlich häufig die fachlichen Voraussetzungen. Sie konnten nur selten Lehrkonzepte auf Schwachstellen abklopfen oder zukunftsweisende Bildungsplanung betreiben, kritisieren zahlreiche Schulungsmanager. Zwar hätten sich manchen Berater in der Vergangenheit einiges Wissen beispielsweise über Anforderungen einer DV-Ausbildung angeeignet, doch reiche dieses allenfalls zur "Quasi-Professionalität", sekundiert Sauter.

Dagegen soll es den "Verwaltern von Karteien" leichtergefallen sein, sich ein Urteil über die Preise der Anbieter zu bilden. Nicht selten hätten Träger dennoch den Berater vom Arbeitsamt durch ihre größere Kompetenz "über den Tisch ziehen" und inhaltliche Zugeständnisse bis zur billigen Mindestqualität der Kurse aushandeln können, beschreibt der bibb-Experte. Bei diesen Deals standen demzufolge die Interessen der Träger vor denen von Teilnehmern oder einstellenden Betrieben.

Um den ansehnlichen Profit besonders aus den DV-Auftragsmaßnahmen rissen sich immer mehr findige Geschäftsleute. Nicht wenige Trägerinstitute seien gegründet worden, um ausschließlich bei DV-Maßnahmen abzusahnen. Der Anteil kommerzieller Träger wuchs, laut Statistik, besonders in den vergangenen Jahren. Die ursprünglich als "Restkategorie" von der Nürnberger Verwaltung vorgesehene Zusatzschulung umfaßt derzeit immerhin 40 Prozent aller Bildungseinrichtungen.

Auch interne Gründe bei den Arbeitsämtern sprachen dafür, die Auftragsmaßnahmen am Leben zu erhalten Chronischer Personalmangel nämlich läßt die einzelnen Dienststellen untereinander um Mitarbeiter konkurrieren. Ein Punktesystem regelt dabei den Erfolg des einzelnen Beschäftigten wie jenen des Amtes. Magere Punktergebnisse aber - etwa durch zu wenige Beratungsvorgänge oder Konzeptionen von Auftragsmaßnahmen - bedeuten Personalabzug. Die Fortbildung polierte also das in der Vergangenheit rückläufige Vermittlungsgeschäft wieder auf. Wie Beobachter bestätigen, ließ sich damit eigenes Berater-Personal zumindest halten, wenn nicht sogar aufstocken.

Immerhin konnte die Bundesanstalt in den vergangenen Jahren bei der Qualifizierungsoffensive mit einigen Erfolgsmeldungen aufwarten: "Kurs-Teilnehmer sind zu 70 Prozent spätestens nach einem halben Jahr vermittelt." Mit jährlich neuen Superlativen bei Teilnehmerzahlen und Vermittlungsquoten indes setzte sich die BA unter Erfolgsdruck. Nun strebt Nürnberg eine langsamere Gangart an. Damit soll auch die bildungsplanerische Überforderung der Arbeitsamtsberater, aus der Fehlplanung und -steuerung entstanden, reduziert werden. "Mit Qualität konsolidieren" lautet jetzt das Stichwort von BA-Präsident Heinrich Franke. Voraussichtlich aber steigen dadurch, ebenso wie die verbliebenen Kurse im Preis, auch die Arbeitslosenzahlen, vermuten Marktbeobachter.

Die Nürnberger müssen lernen, schlußfolgern die Berliner. Vor allem steht daher ein Qualifizierungsprogramm für die BA-Mitarbeiter selber auf dem bibb-Entwurf. Dazu zählt: Qualitätssicherung der Kurse, verstärkte Betreuung der Teilnehmer und Leistungskontrolle der Träger.

Weiterhin will eine BA-Untersuchung mit der Langzeitperspektive von zwei Jahren den beruflichen Weg der höherqualifizierten Teilnehmer verfolgen. Noch kann Nürnberg nämlich nur angeben, welcher Umschüler "im Bezug" ist, also bisher keine neue Stelle gefunden hat. Weder können die Berater heute feststellen, ob er in einer der Fortbildung adäquaten Position untergekommen ist, noch ob er einen anderen Arbeitnehmer verdrängt hat oder die Weiterbildung überhaupt notwendig war, um eine neue Arbeitsstelle zu finden.

Mit der Kooperation von BA und bibb ließen sich Qualitätsdenken und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen bei Bildungsmaßnahmen fördern, ist Edgar Sauter überzeugt. Zugleich fürchtet der Bildungsexperte erhebliche Abstriche bei der Umsetzung der Ziele - zum einen durch Entscheider der Nürnberger Anstalt selbst, zum andern müsse "die gesamte Mannschaft mitziehen". Dafür brauche sie aber Zeit: Bei der Fülle von Erlassen, die auf Mitarbeiter der Arbeitsämter niedergingen, zögen diese bisher jedoch den Kopf ein.