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13.03.1987 - 

Die Entwicklung muß sich zwangsläufig aus dem heutigen Status ergeben:

Komplett geplante CIM-Lösung ist nicht erstrebenswert

Vor allem Gesprächspartner für Spezialisten wird der CIM-Verantwortliche sein müssen, meint Fritz Firnig*. Für seine Ausbildung gibt es auch kein Kochrezept. Aber eine Bestandsaufnahme des eigenen Know-hows kann Grundlage für ein Selbststudium sein, um CIM-fähig zu werden.

Definitionen für das, was unter dem Begriff CIM verstanden werden soll, sind bereits mehrfach diskutiert worden. So zeigt auch das beigefügte Bild einen der Versuche, die ganze Komplexität des mit dem Wort CIM umschriebenen Geschehens innerhalb eines Unternehmens in einer plausiblen - dabei aber nicht versimplifizierenden - Form darzustellen. Es hat Praxisbezug, denn es wurde ursprünglich für die Belange der Firma General Electric entwickelt. Wir haben es nur noch aktualisiert und verallgemeinert.

Heutiger Wissensstand ist zu berücksichtigen

Akzeptieren wir dieses Bild als die Welt der Unternehmen und die einer künftigen modernen Produktionsumgebung, so können wir auch einen Bezug zu unserem Thema herstellen. Natürlicherweise finden wir darin als erstes die gesamte Personalqualifikation in Unternehmen wieder. Dies ist klar, da die einzelnen Inseln (wie sie sich um das Zentrum der Datenverwaltung im Sinne einer zentralen Datenbank etc. herumgruppieren) auch ohne eine direkte datentechnische Verknüpfung miteinander heute schon jene Unternehmensbereiche sind, die in der Produktplanung, -entwicklung, -steuerung, -fertigung, dem Vertrieb oder der Administration als verantwortliche Führungseinheit arbeitsteilig zusammenarbeiten. Der Informationsaustausch untereinander vollzieht sich dabei derzeit im wesentlichen auf der menschlich-kommunikativen Ebene (Besprechungen, Telefon, Direktiven) und der Datenträgerebene (zum Beispiel Papier als Formulare), aber auch schon mit Hilfe der Informationstechnik, die bereits mehr oder weniger in das Geschehen eingebunden ist.

Alles, was wir im Zusammenhang mit der Mitarbeiteranforderung und dieser CIM-Definition betrachten, muß sich zwangsläufig aus dem heutigen Status heraus entwickeln. Die komplett geplante CIM-Lösung "auf der grünen Wiese" wird immer die - im übrigen vielleicht auch gar nicht immer erstrebenswerte - Ausnahme bleiben.

Dementsprechend ist es konsequent, wenn wir von der Ausbildung her ebenfalls im wesentlichen dem heutigen Stand Rechnung tragen, und dies bedeutet, daß wir zugeordnet zu den einzelnen Stellen oder Positionen nach wie vor im Schwerpunkt folgende Qualifikation und Berufsbilder finden:

- Betriebswirte

- Ingenieure in all ihrer Ausbildungsvielfalt

- Kaufleute

- Meister und Techniker allgemein

- Organisationsfachleute (zum Beispiel in der DV)

- und last but not least vereinzelt in den Betrieben auch bereits Informatiker (diese aber nur ganz selten gemäß einer lupenreinen Informatikerausbildung, sondern mit einer Informatikerausbildung, die sie im Verbund mit einer der anderen genannten Qualifikationen erhalten haben.

Was wir heute an Teilen der CIM-Welt in den Unternehmen vorfinden - von den wenigen einigermaßen kompletten Ausnahmen, die es bereits innerhalb einzelner Firmen gibt, sei hier abgesehen -, sind eine Reihe von in sich (hoffentlich) optimierten "Inseln", deren Verknüpfung untereinander - mehr oder weniger gut gemanagt - funktioniert. Die Informationsflüsse und die Schnittstellen sind aber nur teiloptimiert und auch nur sehr begrenzt automatisiert oder gar vernetzt.

Genau dies wäre aber Voraussetzung für eine CIM-Welt. Betrachtet man den Übergang vom heutigen Stand in eine endgültige Lösung als evolutionären Prozeß, so ergibt sich daraus auch die Richtung, in die die weitere Entwicklung laufen wird.

Management sollte sich gefordert fühlen

Das ist gleichzeitig auch eine Herausforderung an das Management, der es nur in der folgenden Weise gerecht werden kann:

1. Es wird eine Bestandsaufnahme der Tätigkeitsfelder (innerhalb der Inseln) machen lassen müssen.

2. Es wird eine Informationsflußanalyse machen lassen müssen, und zwar innerhalb der heutigen Inselwelten und zu den jeweiligen Nachbarinseln.

3. Es wird eine Schnittstelle machen lassen müssen (und zwar wieder innerhalb und außerhalb der Inseln).

4. Es wird daraus Konsequenzen zu ziehen haben für das übergeordnete System (womit man sich nun erstmals dem CIM-Gedanken nähert).

5. Es wird sich Auswahlkriterien für ein CIM-System oder entsprechende Teilschritte in Richtung auf ein CIM-System auf der Basis der Erkenntnisse nach den Punkten 1. bis 4. schaffen müssen, um damit letztlich

6. zu einer in Stufen vorgegebenen CIM-Implementierung zu kommen.

Detailwissen allein reicht nicht aus

Bei der Analyse dieser Vorgehensweise mit Blick auf die dazugehörige Personalqualifikation fällt auf, daß in den Punkten 1 und 2 im wesentlichen die Qualifikation der heute in diesen Bereichen Tätigen angesprochen ist, allerdings mit einem gewichtigen Zusatz an Expertenwissen: etwa Kenntnisse über die Möglichkeiten, die Datenbanken, Netzwerke, Computer (und deren herstellerspezifische Hierarchien), Software, Normen (ISO-OSI), Protokolle (MAP, TOP). Dies darf außerdem nicht nur verengt auf den Bereich der üblichen Rechner im administrativen Feld (wie im Lagerwesen oder der Logistik) gesehen werden, sondern gilt genauso für die Rechnerwelten im CAD/CAM-Bereich oder der Fertigungsleitrechnerhierarchien bis hin zur NC-Steuerung. Wird diese zusätzliche Qualifikation nicht bereits während der Analyse eingebracht, so steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine totale Fehleinschätzung des Problems CIM ins Haus - mit allen Folgen für weitere Schritte.

Durch die Planung des Evolutionsprozesses zum kompletten CIM-Geschehen ist andererseits aber auch bereits der Weg der Entwicklung für das Personal vorgegeben, und daraus würde dann für die davon betroffenen Mitarbeiter folgen, daß die Ausbildung dieser Entwicklung vorauseilen muß. (Leider sind wir heute von diesem Ideal weit entfernt, die Ausbildung läuft im Gegenteil hinterher!)

Für den einzelnen, der sich weiterbilden will, oder für den Studienanfänger, der seine Ausrichtung noch bestimmen will, folgt daraus: Der künftige Mitarbeiter in einer modernen Produktionsumgebung, das heißt der dem CIM-Gedanken Verantwortliche, wird nicht so sehr der Spezialist mit Detailwissen im Bereich der heutigen "Inselwelten" sein. Er muß sich dort einerseits zwar mit einem qualifizierten Allroundwissen als Gesprächspartner für die dortigen Spezialisten bereithalten. Andererseits aber ist sein Gebiet mit dem Inhalt und dem vertieften Wissen der obigen sechs Stufen sowie dem angegebenen Expertenwissen vorgegeben und beschrieben.

Entsprechend muß er heute seine grundsätzliche oder zusätzliche Ausbildung suchen. Hier kann nur individuell vorgegangen werden, da die jeweiligen Ausgangswissensstände zu stark divergieren. Hinzu kommt, daß CIM in jedem Unternehmen ein "Maßanzug" wird. Dies bedeutet für die betriebsinterne Weiterbildung also ebenfalls eine ganz spezifische Ausrichtung. Durch die Ausrichtung auf die betriebsinternen Anforderungen wird die ansonsten notwendige quasi unendliche Vielfalt wieder betriebsspezifisch eingeengt, überschaubar, planbar und damit letztendlich eher bewältigbar.

Hochschulen haben einen schweren Stand

Genau diese vorgenannte Vielfalt ist es andererseits aber auch, die es beispielsweise den Hochschulen heute so schwierig macht, komplette Ausbildungsgänge für CIM anzubieten. Man kann auch in der Theorie immer nur fallweise vorgehen. Die Anpassung an die praktischen Unternehmensgegebenheiten müssen jeweils zusätzlich erarbeitet werden. Daraus folgt aber andererseits, daß die Betriebe nicht auf die Ausbildung durch die externen Ausbildungsstätten warten können, sondern daß sie rechtzeitig (heute bereits) daran denken müssen, eine innerbetriebliche Ausbildung in die Wege zu leiten. Dies wird natürlich auch erhebliche Kosten im Gefolge haben. Es scheint ein Dilemma zu sein, daß die meisten Firmen noch nicht realisiert haben, welche Qualifikation sie im Rahmen der CIM-Einführung für ihre Leute und für deren Ausbilder brauchen. Mit dem derzeitigen Personal geht es jedenfalls nicht, weil wesentliches interdisziplinäres Expertenwissen (im oben genannten Sinne) zusätzlich verlangt wird.

Lösen die Firmen - zusammen mit ihren Mitarbeitern - dieses Problem nicht - und fangen sie auch nicht bald damit an, sich Gedanken über eine Lösung zu machen - so wird sich in den nächsten Jahren zeigen, wer CIM, eine unabdingbare Notwendigkeit für die zukünftige wirtschaftliche Unternehmung, einführen kann und wer die Konkurrenz unaufhaltsam davonziehen lassen muß.

Es muß vor allem auf Managementebene verstanden werden, daß es nicht die - sicherlich hohen - Kosten und auch nicht die eventuellen Einschränkungen bei der Verfügbarkeit der Technik sein werden, sondern ausschließlich die personellen Möglichkeiten, die ein Unternehmen rechtzeitig für die Einführung von CIM geschaffen hat, um als Insider dabei zu sein oder "draußen vor der Tür" zu bleiben.

Für Mitarbeiter, die sich qualifizieren wollen, ist der Weg zum Selbststudium gemäß der Punkte 1 bis 6 und der damit verbundenen Inhalte vorgegeben. Ein "Kochrezept" dafür ist nicht möglich, wohl aber eine individuelle Bestandsaufnahme, die jeder für sich selbst durchführen kann. In der Abgrenzung zu den innerbetrieblichen Möglichkeiten können so jene Wege gesucht werden, "die nach Rom" führen.

* Fritz Firnig, Firnig+Hellwig GmbH, München