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08.03.1996

Komplexe Desktop-Systeme sind immer noch wartungsfeindlich

Neben der gewachsenen Komplexitaet des 15 Jahre alten PCs macht Ellison einen weiteren Grund dafuer aus, dass die Nutzung des Rechners zu teuer wird: die Vernetzung der DV. Heute muessen Computer verschiedenster Bauart kommunizieren - innerhalb eines Unternehmens und rund um den Globus.

Alle Anstrengungen der PC-Hersteller und ihrer Softwarelieferanten, Inkompatibilitaeten zu beseitigen, sind bisher weitgehend vergeblich geblieben. Im November 1995 beispielsweise zerbrachen gleich zwei Normierungsgremien an der Kompromisslosigkeit einzelner Firmen. Beide hatten versucht, die Fernwartung der PCs und die Ferninstallation von Software voranzutreiben. In der Internet Engineering Task Force (IETF) konnte man sich nicht auf die naechste Version des Simple Network Management Protocol (SNMP) einigen, da die Vorstellungen ueber Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen fuer die Fernwartung auseinandergingen. Die Desktop Management Task Force (DMTF) hingegen entschied sich salomonisch fuer zwei verschiedene Versionen der PC-Verwaltungssoftware "Desktop Management Interface" (DMI). Fuer Anwender bleibt das doppelte Gesicht der Software zwar verborgen, doch die Hersteller der Management- Programme muessen fortan zwei Agenten programmieren - einen fuer Windows-PCs und einen weiteren fuer den Rest der Welt.

Dabei haette besonders bei der Fernwartung Einigung notgetan. Viel zu oft muessen Supportmitarbeiter PCs vor Ort warten. Selbst leistungsfaehige Ueberwachungsprogramme wie "Netfinity" von IBM koennen erst dann einen PC ueber das Netz steuern, wenn die entsprechenden Hilfsprogramme in Gang gesetzt sind. Werden beim Start des Rechners beispielsweise die Treiber fuer die Netzkarte nicht geladen, dann ist der PC vom Server aus nicht ansprechbar - Diagnose und Wartung sind nicht moeglich.

Neben Netzkarten benoetigen auch CD-ROM- und Bandlaufwerke Treibersoftware, die permanent im Arbeitsspeicher gehalten werden muss. Entsprechend verringert sich die Kapazitaet des Arbeitsspeichers, was unter Windows 3.1 oder DOS die Nutzung mehrerer Programme schwierig bis unmoeglich macht, da Treiber und Verwaltungsinformationen des Windows-Betriebssystems in einem 640 KB grossen Speicherbereich liegen muessen. Der Einbau weiterer Speicherchips bringt keine Entlastung - die Groesse des 640-KB- Segments ist nicht veraenderbar. Diese Situation hat sich erst mit Windows 95 etwas entspannt, ganz geloest ist das Speicherproblem aber noch nicht.

Auch Glanzstuecke der neueren PC-Architektur halten noch lange nicht, was ihre Apologeten versprachen. Beispiel: PCI-Bus oder Plug-and-play. In den einschlaegigen Testmagazinen wurden PC- Hauptplatinen verglichen und zum Teil erhebliche Unterschiede festgestellt. Den PCI-Standard 2.1 beispielsweise unterstuetzten erst wenige Hersteller von Basic Input/Output Systems (BIOS). Neue Funktionen wie der Austausch von Statusnachrichten zwischen zwei PCI-Adaptern fehlten mit einer Ausnahme bei allen 21 getesteten Hauptplatinen, ermittelte beispielsweise die Zeitschrift "c't" im Herbst vergangenen Jahres.

Der namhafte Hersteller Asus liefert gar Platinen aus, die gegen die PCI-Spezifikation verstossen: Einer der Erweiterungssteckplaetze, der "Media-Slot", nimmt speziell dafuer gebaute Multimedia-Karten auf, die direkten Kontakt zum aelteren ISA-Bus benoetigen. Diese unmittelbare Verbindung macht aber zusaetzliche Steuersignale noetig, die Asus ueber die 3,3- Volt- Leitung des Media-Slot uebertraegt. Steckt man eine herkoemmliche PCI-Karte in den Media-Slot, die die 3,3 Volt Spannung braucht, funktioniert die ISA-Interrupt-Steuerung nicht mehr.

Eine andere vielgepriesene PCI-Funktion bieten nur wenige Hauptplatinen: Der direkte Datenaustausch zwischen zwei Erweiterungskarten ohne Beteiligung der CPU ("PCI Master Back-to- back") funktioniert nur in Ausnahmefaellen. Liefert beispielsweise eine Videokarte Bildinformationen direkt an die Grafikkarte, dann darf bei manchen Rechnern die Maus nicht bewegt werden, sonst kommt es zum Absturz.

Und Besserung ist nicht in Sicht: Seit November ist bekannt, dass "82450", der einzige Chipsatz fuer den Pentium-Pro-Prozessor, nicht zuverlaessig aeltere und neuere Netzkarten zugleich handhaben kann. Die neueren PCI-Bus-Master-Adapter und die CPU zusammen koennen die Kapazitaet des Busses voll auslasten, so dass etwa aeltere ISA- oder EISA-Netzkarten nicht mehr oder erst mit einiger Verspaetung zum Zuge kommen. Als Folge davon werden Client-PCs wegen Zeitueberschreitung vom Netz getrennt.