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02.05.1997 - 

Setzt SAP mit den BAPIs einen Schnittstellen-Standard?

Komponenten verändern den Markt für Standardsoftware

Die meisten Großunternehmen kennen die Situation: Ein umfangreiches Softwarepaket von SAP, Baan, Oracle oder einem anderen Großanbieter soll eingeführt werden. Aus IT-Spezialisten und Mitarbeitern verschiedener Abteilungen wird ein Projektteam zusammengestellt, das - unterstützt von mehr oder weniger kompetenten Beratern - zu einem bestimmten Stichtag die Software zum Laufen bringen soll.

Behalten die Analysten der Forrester Research Inc. in Cambridge, Massachusetts, recht, dürfte diese Art der DV-Integration bald der Vergangenheit angehören. Je mehr sich Komponententechnik im Applikationsmarkt durchsetzt, desto notwendiger ist die Aufstellung eines permanent im Einsatz befindlichen Implementierungsteams. Großunternehmen werden dazu übergehen, ein von Planungsexperten und Projekt-Managern geführtes Team zu bilden, das kontinuierlich und über Jahre hinweg neue Komponenten einbaut.

Forrester befragte 40 der 1000 weltweit größten Unternehmen und stellte dabei fest, daß sich durch Komponentensoftware, neue Standards und Internet-Technologien die Einführung von Softwarelösungen dynamischer gestaltet. Nur knapp ein Viertel der befragten Anwender geht davon aus, auch künftig mit dem Produkt eines einzigen Applikationshauses auszukommen. Diese Firmen argumentieren, ihre Software sei optimal integriert, werfe keine Schnittstellen-Probleme auf und biete ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Tatsache ist jedoch, daß ein durchschnittliches Großunternehmen allein 30 Prozent seiner IT-Ausgaben dafür aufwendet, die Lösungen mehrerer Anbieter miteinander zu verbinden. Die Integration sogenannter Best-of-breed-Produkte wird als fundamentale IT-Aufgabe angesehen. Die Softwarehäuser reagieren auf diesen Trend, indem sie Komponentenstrategien verfolgen und Interoperabilitätsstandards entwickeln.

Die Definition von Komponenten wählen die Analysten großzügig: Jeder Ansatz, der anstelle geschlossener, monolithischer Pakete die Öffnung und Aufteilung in frei kombinierbare Softwaremodule vorsieht, wird als Komponentenstrategie akzeptiert. Während Marcam, QAD und Flexi International mit Hilfe standardisierter Sprachen wie C++ eine Vielzahl kleinerer Objekte erstellen, die in käufliche Produkte gebündelt werden, verfolgen Baan und JD Edwards einen anderen Ansatz. Sie generieren und verkaufen größere Komponenten.

Forrester, noch vor einem Jahr im heftigen Clinch mit der SAP, honoriert heute, daß die Walldorfer, die historisch einen Ansatz tiefer Integration verfolgen und die Module sehr eng miteinander verwoben haben, nun dazu bereit seien, ihr Produkt in "Stand- alone-Anwendungen" aufzuteilen. Über offene Schnittstellen könnten die Produkte anderer Anbieter eingebunden werden.

Die Marktforscher gehen sogar davon aus, daß SAPs "Business Application Programming Interfaces" (BAPIs) schon aufgrund der Marktdominanz des Anbieters zu einem De-facto-Standard werden. Die Konkurrenz entwickle bereits Produkte, die mit diesen Schnittstellen harmonieren. Bis Ende nächsten Jahres, so erwarten die Analysten, würden die BAPIs zum offiziellen Standard, der die Interoperabilität von Komponenten garantiere. Die Open Applications Group (OAG) werde diese Tendenz unterstützen.

Big-Bang-Ablösung ist out

Komponenten werden sich nach Meinung der Marktforscher auch aufgrund der "explosionsartigen Verbreitung von Internet-Techniken" durchsetzen. Viele Anbieter böten ihre Pakete künftig mit "Internet Computing Technologien" an - Java-Clients, die im Internet und in Intranets mit verschiedenen Servern in einer Multitier-Umgebung zusammenarbeiten. Zwei Drittel der befragten Großunternehmen gehen davon aus, schon bald Teile eines Anwendungspakets vom Browser aus zum Ablauf bringen zu können. Internet-fähige Komponenten soll es schon im nächsten Jahr von Firmen wie JD Edwards oder Peoplesoft geben.

Die derzeit im Einsatz befindlichen Applikationen werden nicht alle auf einmal, sondern Stück für Stück einzeln abgelöst. Das Interesse an Komponentenlösungen sei so groß, weil sich in Zukunft niemand mehr gigantische, kaum noch zu überschauende Implementierungsprojekte leisten wolle. Einen kosten- und zeitintensiven Big-Bang-Rollout wagen die meisten Firmen nicht mehr. Auch Großkonzerne, die ihre Applikationsstrategie mit einem einzigen Anbieter, etwa der SAP, durchziehen, teilen die Implementierung in kleine, handhabbare Einheiten auf. Ein Komponentenmodell erlaubt es, immer nur das einzuführen, was mit einem überschaubaren Maß an Kapazitäten zu bewältigen ist.

Der Trend zur sukzessiven Implementierung von einzeln erhältlichen Softwarekomponenten diverser Anbieter führt laut Forrester dazu, daß Entwickler von Branchenlösungen goldenen Zeiten entgegengehen. In der Vergangenheit war es aufgrund fehlender Schnittstellen schwierig, eine Industrielösung mit einem der gängigen Standardsoftwarepakete zu verbinden. Oftmals gaben sich Unternehmen mit der weniger gelungenen Branchenlösung des Hauptanbieters zufrieden, die dann stark modifiziert wurde, oder sie entwickelten eine eigene Alternative. Interoperabilitätsstandards wie die BAPIs von der SAP erlauben es laut Forrester nun, Branchenlösungen kleiner Nischenanbieter anzubinden und mit der Standardsoftware im Unternehmen zu integrieren.

Wie den Softwaremarkt sehen die Analysten auch den assoziierten Beratungsmarkt im Wandel. Hilfe kommt künftig schneller und in kleineren Einheiten. Die Einführungsprojekte werden überschaubarer und weniger kostspielig, Beratungs- und Service-Companies haben nur dann eine Chance, wenn sie sich zur Einhaltung reduzierter Zeit- und Kostenrahmen verpflichten.

Der kontinuierliche Strom von zu implementierenden Komponenten fordert schnelle Hilfe in kurzen Zyklen auf einer Projekt-zu-Projekt-Basis. Noch immer werden einzelne Projekte Kosten in Millionenhöhe verursachen, etwa wenn die Auftragsabwicklung direkt durch einen Bestellvorgang seitens des Kunden angestoßen werden soll. Doch die meisten Projekte verlieren an Umfang. So wird es weniger aufwendig sein, die heute nur für den Techniker zugängliche Produktdaten-Management-Lösung in ein Sales- und Marketing-Werkzeug zu konvertieren.

Anwender müssen sich darauf gefaßt machen, nicht nur die Komponenten, sondern auch Beratungsspezialisten aus verschiedenen Häusern anzufordern. Wer Kenntnisse eines bestimmten vertikalen Marktes oder einer Nischensoftware benötigt, wird sich mit mehreren Dienstleistern arrangieren müssen. Generalisten der Service- und Beratungsbranche dürften in Schwierigkeiten geraten - vor allem dann, wenn sie es nicht verstehen, gezielt bestimmte Branchen anzusprechen.