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05.11.1999 - 

Standardsoftware/Funktionalitäten aus Einkauf, Absatz, Vertrieb, PPS und Logistik

Komponentenbasierte Software: Eine Entscheidung für die nächsten zehn Jahre

Flexibel und zukunftssicher von der Entwicklungsumgebung bis zu den Applikationen sollte die neue Software für die Elastomer-Technik in Mosbach (ETM) sein, nachdem der mittelständische Hersteller von Gummi-Profildichtungen mit der international agierenden Trelleborg fusioniert hatte. Auch sollte die Lösung eine relationale Datenbank unterstützen können. Thomas Kloepfel* berichtet, warum das Unternehmen auf Componentware setzt.

1998 fusionierte die Mosbacher ETM, ein Spezialfertiger von Profildichtungen, mit der Trelleborg AB, einem internationalen Industrie- und Handelskonzern. Trelleborg beschäftigt 15500 Mitarbeiter in 35 Ländern und verfügt über einen industriellen Sektor, der sich mit der Verarbeitung von Gummiwerkstoffen beschäftigt. "Die Fusion zielte darauf ab, unsere Marktposition als Zulieferer von Profildichtungen für die Fenster- und Fassadenindustrie auch im internationalen Wettbewerb auszubauen. Wir wollen uns verstärkt in globalen Marktsituationen positionieren - eine Aufgabe, die ein mittelständisches Unternehmen allein nicht mehr bewältigen kann", so ETM-Geschäftsführer Hans Hlatky.

Dem Trelleborg-ETM-Management geht es um Differenzierungsmerkmale wie Qualität und Zuverlässigkeit der Produkte, aber auch um die Möglichkeit, auf Kundenwünsche weiterhin schnell und flexibel reagieren zu können. Zukunftsweisende Produktionstechnik und innovative Produkte gehören zur Firmenpolitik der Elastomer-Technik in Mosbach. Dieses Konzept soll durchgängig im ganzen Haus verfolgt werden, also auch im betriebswirtschaftlichen Bereich. Die Software-Ausstattung ist dabei entscheidend.

Die bis 1997 eingesetzte IT-Standardlösung hatte ihre Grenzen erreicht, da sogar Funktionen wie das Ausfertigen von Bestellungen, Artikelauswertungen oder die Produktionsplanung von ETM über Office-Programme von Microsoft erfolgte. Eine Lagerverwaltung fehlte völlig, es gab keine automatische Inventur und damit keine aktuellen Bestandsinformationen.

Gemäß der spezifischen Produktionsweise des Hauses sollte ein neues IT-System vor allem flexibel und zukunftssicher sein - von der Entwicklungsumgebung bis zur eigentlichen Applikation. Die neue Hardware-Architektur mußte primär auf Client-Server-Technologie basieren und die Software folglich entsprechende Merkmale aufweisen, unter anderem auch eine relationale Datenbank unterstützen.

Großen Wert legte das Unternehmen auf die Umsetzung seiner Geschäftsprozesse, welche die Software zu hundert Prozent abbilden mußte. Aktuelle Programmfunktionen sollten jederzeit erweiter- und anpaßbar sein. Nicht zuletzt mußte sich die Lösung an Microsofts Office-Welt anbinden lassen. Die ETM war sich dessen bewußt, daß die Entscheidung für eine neue Architektur die Weichen für die nächsten zehn Jahre stellen würde. Ein Grund für die Mosbacher, auf Objektorientierung und komponentenbasierte Software-Entwicklung zu setzen, beides Konzepte, die nicht nur eine zeitlich und finanziell rationale Softwarerealisierung, sondern auch Investitionssicherheit garantieren sollten.

Als neue Hardwareplattform wählte man einen Primergy-Server von Siemens Nixdorf. Softwareseitig fiel die Entscheidung auf die Componentware CAI/CS von CAI. Dieser durchgehend objektorientiert entwickelte Softwarebaukasten verknüpft Basis- mit Individualbausteinen. Funktionen aus den Bereichen Einkauf, Absatz und Vertrieb, PPS und Logistik lassen sich als standardisierte Komponenten mit einem Softwareteil verbinden, den anwenderspezifische Anforderungen bestimmen.

Damit entsteht auf jeden Fall ein Produkt, das die Vorteile von Individuallösungen (zum Beispiel flexibel, kundenbezogen) und Standardsoftware (zum Beispiel leicht pflegbar, kostengünstig) kombiniert.

Individuelle Entwicklungen prägten bisher die Software für spezifische Anwendungen. Auf der anderen Seite aber gab es die Standardsoftware, die allerdings oft etwas an die Bekleidungsgrößen S, M, L und XL erinnert - immer etwas zu klein oder zu groß. Dieses Dilemma zu lösen ist der zentrale Gedanke der Componentware.

Analog zu Hardwarekomponenten werden Softwarebausteine entwickelt, die spezifische Aufgabenstellungen lösen, dabei aber keine Kenntnis über ihr Umfeld haben und nur über definierte Schnittstellen mit ihrer Außenwelt kommunizieren. So ist zum Beispiel der Magnetplatte nicht bekannt, mit welchem Prozessor sie zusammenarbeitet. Bei der Software unterteilt man in der Architektur eines Softwarebaukastens die Komponenten in logische Schichten, und zwar nach Repräsentation, Geschäftsprozessen und den technischen Zugriffsmechnismen. So entstehen Komponenten, die es zuverlässig ermöglichen, die Bildschirmpräsentation in unterschiedlichsten Darstellungen zu realisieren.

Komponenten wie aus Lego-Baukästen

Eine Sicht erlaubt die Darstellung im Look and Feel von Windows, eine andere Sicht stellt die Macintosh-Oberfläche dar. Eine Auswahl von Zahlungsbedingungen kann für den einen Kunden in Form einer Auswahlliste präsentiert werden, der nächste möchte die Darstellung als sogenannte Combo-box. Die Verwaltung geschieht immer mit derselben Business-Komponente, der die Oberfläche gänzlich unbekannt ist.

Die Objektorientierung (OO) bietet eine optimale Basis für die Entwicklung von Componentware. OO-Software erleichtert die Wiederverwendung einzelner Komponenten. Ähnlich den Lego-Baukästen lassen sie sich miteinander verknüpfen, auch wenn sie verschiedener Herkunft sind. Zudem kann man durch den objektorientierten Aufbau ohne größere Anpassungen weitere Funktionen auch anderer Anbieter einfügen.

Das IT-Projekt bei der Elastomer-Technik startete im April 1998 mit der ersten Analysephase zu den Bereichen Absatz und Vertrieb sowie Versand und Logistik. Bis zum Oktober 1998 entwickelte man dann auch die Elemente einer klassischen Auftragsverwaltung, eine Versandlösung sowie zusätzlich erste PPS-Grundfunktionalitäten und nahm den Echtbetrieb auf.

Bei ETM stellt der Produktionsauftrag (PA) das zentrale Steuerungselement des gesamten Betriebs dar. Der PA faßt auf einem Blatt alle Informationen zusammen, die üblicherweise auf Stückliste, Arbeitsplan, Rückmeldung, Kommissionsschein und Fertigungspapieren verteilt sind.

In dieser selbstentwickelten Ablauforganisation sieht man einen maßgeblichen Wettbewerbsvorteil, um mit einem Minimum an Administration ein Maximum an Flexibilität und Produktionsleistung zu erreichen. Neben dem für ETM erarbeiteten PA und Sammel-PA deckten eine spezielle Auftragschnelleingabe, Sammelrechnungen, spezielle Ladelisten, ein eigenes Versandprogramm und Ausfuhranmeldungen weitere Geschäftsprozesse ab.

Auch in der Betriebskommunikation wurden Geschäftsprozesse neu definiert. Gemeinsam mit einem Großkunden entschied sich ETM zu einer EDI (Electronic Data Interchange)-Verbindung. Um den papierlosen Geschäftsverkehr starten zu können, integrierte das CAI-Projektteam in der anschließenden Zwischenphase die gewählte EDI-Software in die Componentware. Man entwickelte spezielle Modalitäten zur effizienten Übertragung und Verarbeitung des Bestelleingangs und zum Versand von ETM-Geschäftspapieren wie Auftragsbestätigungen, Rechnungen etc.

In der zweiten Projektphase von März bis Juni 1999 wurden die Systemkomponenten Einkauf, Logistik und Materialwirtschaft programmiert und eingeführt. Die Analyse der organisatorischen Abläufe in diesen Bereichen ergab zum einen gängige Funktionalitäten wie die Verwaltung von Mandanten, Standorten, Lagerplätzen, Lieferanten, Bestellungen etc. Zum anderen legte ETM Wert auf eine spezielle Bestandsführung, deren Steuerung sowohl manuell als auch automatisch durch die entsprechenden Geschäftsprozesse (Produktionsaufträge, Rückmeldungen etc.) möglich sein sollte.

Mehrschichtbetrieb konnte abgebildet werden

Von Juli bis September 1999 wurden in der dritten und zunächst letzten Projektphase die Produktionsplanung und -steuerung (PPS) und die Disposition realisiert. Seit September arbeiten die Komponenten im Echtbetrieb. Wie in den Projektabschnitten zuvor handelte es sich hierbei zunächst um klassische Elemente wie die Auftragsübermittlung von der Auftragsverwaltung in die Produktion oder um die grafische Darstellung der Produktionsplanung.

Hinzu kamen besondere Bestandteile, so zum Beispiel die Abbildung des Mehrschichtbetriebs. Bei ETM gibt es davon primär Übersichtsarten, so unter anderem mehrfarbige Produktions- und Dispositionslisten oder eine spezielle Übersicht aller benötigten Einkaufsteile. So ist es möglich, zu allen bestandsgeführten Artikeln Daten wie den aktuellen Bestand, den geplanten Verbrauch oder nicht abgeschlossene Bestellungen für beliebige, künftige Termine abzurufen.

Künftige Anwender waren mit einbezogen

In diesem Projekt wurde iterativ gearbeitet, das heißt, in allen Projektphasen waren die künftigen Anwender bis zur Sachbearbeiterebene mit einbezogen. Zwischen dem Projektteam von CAI und den Anwendern entstand ein kontinuierlicher Dialog über die einzelnen Entwicklungsschritte in den vertrauten Prozessen. Die Mosbacher zeigen sich zufrieden. Alle betroffenen Mitarbeiter waren in das Projekt involviert. Das brachte von Anfang an Akzeptanz und vermindert den Schulungsaufwand. Der Weg mit Componentware hat sich offenbar gelohnt. Wie in dem Unternehmem jedes Dichtungsprofil auf seinen späteren Einsatzbereich maßgenau abgestimmt ist, verfügt ETM jetzt auch über eine maßgeschneiderte IT-Lösung.

Angeklickt

Das gemeinsame IT-Projekt vom ETM und Trelleborg, Komponentensoftware einzusetzen, startete mit einer Analysephase zu den Bereichen Absatz und Vertrieb sowie Versand und Logistik.

Nach fünf Monaten wurden die klassischen Elemente Auftragsverwaltung, eine Versandlösung und auch erste Funktionalitäten entwickelt und in Betrieb genommen. Eine zentrale Rolle spielt der Produktionsauftrag (PA). Er fungiert als Steuerungsinstrument des gesamten Betriebs, und die selbstentwickelte Ablauforganisation findet sich darin wieder.

Das Unternehmen

Die Elastomer-Technik Mosbach GmbH & Co. (ETM) wurde 1986 gegründet und hat sich vom Startup-Unternehmen zum mittelständischen Hersteller von Gummi-Profildichtungen für die Fenster- und Fassadenindustrie entwickelt. Die Produkte sind Konstruktionselemente, deren Funktionssicherheit die Qualität eines Fensters oder einer Türe entscheidend beeinflußt. Mit zirka hundert Mitarbeitern ist die Elastomer-Technik seit 1995 Eigentümerin des Industrieparks Mosbach, den sie zur Hälfte für die eigene Produktion nutzt. Das Spezialunternehmen besetzt eine Marktnische: Es fertigt auf verschiedenen Produktionsstraßen vor allem nach Kundenwunsch Dichtungen in Großeinheiten oder kleinen Chargen.

*Thomas Kloepfel ist Leiter DV und Systemtechnik der Trelleborg ETM GmbH in Moosbach.