Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.02.1993 - 

Unilever-Konzern setzt in Deutschland auf den Newcomer Inas

Kompromiss zwischen Outsourcing und Autonomie heisst Netzservice

Fuer Werner Aschmutat hat der Wechsel von der Telekom als Carrier firmeninterner Daten zu der International Network Application Service GmbH (Inas) nichts mit Outsourcing zu tun. Aschmutat, der als IT-Manager der Union Deutsche Lebensmittelwerke GmbH, Hamburg, verantwortlich zeichnet, stellt klar: "Nichts, was vorher zum Aufgabenbereich der DV-Abteilung gehoerte, wurde nach aussen verlagert".

Der Entschluss zum Wechsel des "Datentransporteurs" reifte bei den DV-Verantwortlichen der Union vielmehr im Hinblick auf die staendig steigenden Kosten. Insbesondere die Ausgaben fuer die bei der Telekom gemieteten Datex-L-, Datex-P- und HfD-Verbindungen zu den einzelnen Werken, Zentrallagern und Verkaufsbueros gerieten allmaehlich zu einem Fass ohne Boden. Vor dem Hintergrund weiter wachsender Kommunikationsbeduerfnisse im Unternehmen konnte man sich leicht ausrechnen, wo das einschlaegige Budget in drei Jahren etwa liegen wuerde.

Eine ueberlegenswerte Alternative bot sich daher durch private Anbieter von Netzservices, die seit der Teilliberalisierung des bundesdeutschen beziehungsweise europaeischen TK-Marktes immer staerker in Erscheinung treten. Anders als bei der Telekom - darueber waren sich die Hamburger DV-Planer im klaren - wuerde allerdings mit einem solchen Partner die bisherige Loesung der bequemen, gleichzeitig aber teuren Direktverbindungen obsolet. Der Grund: In den Verbundnetzen der privaten Dienstleister teilen sich mehrere Benutzer eine mit zahlreichen Gateways vernetzte Infrastruktur.

Dieses Sharing der Netztechnik und ein Mehr an Netzservices werden immer wieder als die wesentlichen Vorzuege privater Dienstleister genannt. Um einem Missverstaendnis vorzubeugen: An der reinen Datentransportleistung aendert sich im Prinzip nichts, weil auch private Netzanbieter auf die Leitungen der Telekom angewiesen sind. Das letztlich bessere Angebot, dies bestaetigt auch Aschmutat im Rueckblick auf seine Erfahrungen, resultiert vielmehr aus der guenstigeren Kostenstruktur fuer die Datenkommunikation, dem aktiven Netz-Management und der Entlastung von administrativen Aufgaben.

Diese Argumentation ueberzeugte auch die Union-Geschaeftsfuehrung. Nach einer relativ kurzen Auswahl- und Testphase stand der neue Partner fuer die Datenkommunikation fest. Die Wahl fiel auf Inas - sicher auch deshalb, weil das Unternehmen zwar Newcomer auf diesem Markt war, aufgrund seiner Geschichte jedoch eine Menge an Erfahrung im Betrieb von Netzen vorweisen konnte; starteten die Frankfurter doch zu Beginn des Jahres 1992 mit 45 Software- und Organisationsspezialisten aus der frueheren Abteilung Informationstechnik der Frankfurter BfG-Bank AG.

Schon zum Zeitpunkt der Firmengruendung bezeichneten sich die Netzspezialisten selbstbewusst als groesster privater Anbieter von Netz-Dienstleistungen in der Bundesrepublik. Nicht ganz zu Unrecht, denn quasi aus dem Stand konnte Inas seinen Kunden auf Basis des ehemaligen BfG-Netzes netznahe Kommunikationsservices und verschiedene Mehrwertdienste einschliesslich des Designs, der Implementierung sowie des Betriebes von WANs und LANs anbieten.

Doch so weit gingen die Wuensche bei der Union vorerst nicht. Der Anforderungskatalog der Hamburger las sich weitaus bescheidener. Wunsch war die Eingliederung der Verkaufsbueros, Zentrallager und Fertigungsbetriebe in das bundesweite Verbundnetz von Inas mit Gateways zum internationalen Unilever-Netz, das der US- amerikanische Carrier Sprint betreut.

Die Verwaltung der deutschen Niederlassung des Unilever-Konzerns und seiner Tochtergesellschaften befindet sich in Hamburg. Hier sind alle zentralen Funktionen des Unternehmens, einschliesslich des

Rechenzentrums, konzentriert. Zur Union Deutscher Lebensmittelwerke AG gehoeren in Deutschland insgesamt neun Fertigungsbetriebe und 25 Verkaufsbueros. Fuer rund 800 Mitarbeiter ist dabei der PC das wichtigste Geraet am Arbeitsplatz.

LANs auf Ethernet-Basis verbinden die PCs sowohl in der Hauptverwaltung als auch in den Fabrikationsstaetten. Bei der Planung und Entwicklung dieser DV-Struktur gelang es den Hamburger IT-Verantwortlichen, ein umfassendes Client-Server-Konzept zu realisieren, bei dem die Anwender direkten Zugriff auf einen Hardwarepark von insgesamt 19 DEC-Ultrix-Rechnern, 18 VMS-Servern und weiteren 18 OS/2-Servern fuer Applikationen im Bereich Workgroup-Computing auf Basis von Lotus Notes haben.

Dabei spielt es keine Rolle, auf welchen der jeweiligen Server die Anwender zugreifen und wo sie Programme laden, verarbeiten oder speichern. Jeder User kann, die entsprechende Berechtigung vorausgesetzt, beispielsweise von Hamburg aus online auf einen Server in Kempten zugreifen oder umgekehrt. Von diesem flexiblen Dialogkonzept ist kein System ausgenommen, auch nicht der zentrale Amdahl-Host, der aus Sicht der PC-Benutzer laengst zum Server fuer kommerzielle SAP-Anwendungen degradiert worden ist (vgl. Abbildung 1).

Entscheidend fuer die Online-Kommunikation zwischen den Verkaufsbueros und der Zentrale beziehungsweise zwischen Fabrikation und Auslieferungslagern ist die Zuverlaessigkeit der Netzinfrastruktur. Das Inas-WAN ist dabei Dreh- und Angelpunkt jeglicher Kommunikation im Unternehmen. Zur Zeit bewaeltigt das Netz pro Tag die Daten von rund 40 000 Auftragspositionen, was einer Informationsmenge von 650 MB pro Monat entspricht. Nach der vollstaendigen Umstellung auf das Inas-Netz rechnen die DV-Manager von der Union mit einem Datendurchsatz von 2 Gbit pro Monat - Tendenz steigend (vgl. Abbildung 2).

Die Unilever-Tochter Union sichert ihren Kunden, den Einzelhandelsunternehmen oder

-ketten, zu, jede Bestellung innerhalb 48 Stunden auszuliefern. Das ist branchenueblich und - weil es sich vielfach um leicht verderbliche Konsumgueter handelt - sicher auch angebracht. Den Ausfall einer Datenleitung kann sich das Unternehmen daher nicht leisten. Hier geht es buchstaeblich um jede Minute. IT-Manager Aschmutat zum Problem der Ausfallsicherheit: "Wir haben uns eine Verfuegbarkeit von 99,8 Prozent fuer die Zeit von 8.00 bis 19.00 Uhr zusichern lassen und sind auch nach der Probephase nicht enttaeuscht worden."

Die Frankfurter VAN-Anbieter setzten in puncto Netztechnik auf Knotenrechner der Serie 5810 des Aachener Netz-Suppliers Datus. Diese Netzrechner sind redundant ausgelegt. Darueber hinaus wird durch entsprechende Lastenverteilung und ein unterbrechungsfreies Backup-Routing in Form von End-zu-End-Kontrollen ein zusaetzliches Mass an Ausfallsicherheit geschaffen.

Die PCs der Union- Verkaufsbueros sind mit dem jeweils naechstliegenden Inas-Netzknoten ueber Mietleitungen der Telekom verbunden, die Ethernet-LANs in den Produktionsstandorten durch integrierte TCP/IP-Router und Verbindungsleitungen mit dem Inas-Netz gekoppelt.

Die Infrastruktur der Frankfurter besteht derzeit aus insgesamt 250 Netzknoten-Rechnern, die rund 180 Staedte und Gemeinden der Bundesrepublik miteinander verbinden. Die oberste Ebene ist ein HighSpeed-Backbone-Netz, konzipiert fuer Uebertragungsraten bis zu 2 Mbit/s. Das darunter liegende Traegernetz hat eine Uebetragungskapazitaet von 64 Kbit/s. Beide Netzebenen sind miteinander verbunden, so dass ein unterbrechungsfreier Backup- Betrieb moeglich ist.

Aus Sicherheitsgruenden ist im Fall der Union in Hamburg auch das auhalb des Unilever-Hauses angesiedelte Backup-Rechenzentrum in das Inas-Netz integriert. Waren es zum einen wirtschaftliche Argumente, die fuer ein Sharing der Netzinfrastruktur mit anderen Unternehmen sprachen, so gab andererseits vor allem auch das Angebot einer aktiven Netzadministration rund um die Uhr den Ausschlag zugunsten eines privaten Anbieters.

Nicht zuletzt dadurch konnte den einzelnen Anwendern in den Produktionsstaetten und Verkaufsbueros mehr Service geleistet werden. Erfuhr man beispielsweise frueher per Telefon von einer Stoerung und machte sich dann auf den Weg zur Reparatur, kuemmert sich heute der Vertragspartner in Sachen Networking um diese Belange - haeufig noch bevor jemand in der Zentrale oder in der Aussenstelle den Ausfall ueberhaupt bemerkt hat.

Das Geheimnis dieser schnellen Reaktionszeit ist der Administrationsservice, den die ehemaligen IT-Spezialisten der BfG-Bank anbieten. Dahinter verbirgt sich ein optimiertes Management-System mit Features fuer die Fehler-, Konfigurations-, Leistungs-, Sicherheits- und Abrechnungsueberpruefung. Zentrales Element ist dabei das Inas-Net-Management. Das System basiert auf einem HP-9000-Rechner mit dem Betriebssystem Unix/Motif und fuehrt alle Management-Funktionen aus. Konsequenz: Die Servicetechniker koennen bis auf die Port-Ebene zoomen. Alle Funktionsbloecke entsprechen dabei dem OSI-Referenzmodell.

Fuer jeden physikalischen Netzzugang werden die relevanten Informationen aus dem Funktionsblock "Leistungs-Management" im Abrechnungsprogramm erstellt und ausgedruckt.

In einer monatlichen Abrechnung bekommt die Union, wie alle anderen Inas-Kunden, die angefallenen Einzelgebuehren, das Datenvolumen und den Segmentfuellgrad pro Netzanschluss ausgewiesen.

Das Telefon als Instrument der Orderabwicklung ist bei der Union zwar schon laengst passé - Werke und Verkaufsbueros uebermitteln ihre Produkt-, Bestell- und Lagerdaten schon seit 1980 via DFUe an die Hamburger Zentrale, dennoch hat sich entscheidendes veraendert.

Seit Mai 1992 vertraut die deutsche Unilever-Tochter nun, genauso wie die zweite deutsche Unilever-Tochter Langnese Iglo GmbH, auf die Dienstleistungen von Inas. Ergebnis: Ein deutliches Mehr an Service und eine zu erwartende Kostenersparnis von rund einer Million Mark in den kommenden drei Jahren.

*Dietger Kruschel ist freier Journalist in Nuernberg.

Unilever

Unilever, 1930 durch den Zusammenschluss des britischen Seifenproduzenten Lever Brothers mit der niederlaendischen Margarine-Unie entstanden, gehoert heute zu den weltweit groessten Konsumgueterherstellern. Mehr als zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf Markenartikel in den Bereichen Nahrungsmittel, Getraenke sowie Wasch- und Koerperpflegemittel. Tochtergesellschaften des Unilever-Konzerns sind Liptons Tea, Elisabeth Arden sowie die in Deutschland besser bekannten Firmen Langnese Iglo GmbH und Union Deutsche Lebensmittelwerke GmbH, zu deren Kerngeschaeft die Herstellung und der Vertrieb von Margarineprodukten, Pflanzenfetten und -oelen gehoert.

Abb. 1: Fuer rund 800 Union-Mitarbeiter in der Zentrale, neun Produktionsstandorten und 20 Verkaufsbueros ist der PC und damit die Anbindung an das Inas-Netz unabdingbar.

Abb. 2: Union-Netz: Innerhalb einer transparenten Client-Server- Architektur ist das Inas-WAN Dreh- und Angelpunkt der Unternehmenskommunikation.