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26.07.2007

Konfliktpotenzial bei VDO-Restrukturierung nach Conti-Kauf

Von Michael Brendel und Alexander Becker

Von Michael Brendel und Alexander Becker

Dow Jones Newswires

HANNOVER/MÜNCHEN (Dow Jones)--Bei der Siemens VDO AG wird es durch die angedachte Restrukturierung nach Angaben der IG Metall zu einem massiven Arbeitsplatzabbau kommen. In den kommenden vier bis fünf Jahren sollen 4.000 bis 5.000 Arbeitsplätze abgebaut werden", sagte Siemens-Aufsichtsrat Dieter Scheitor am Donnerstag zu Dow Jones Newswires.

Dieser Arbeitsplatzbau basiere dabei noch auf ursprünglichen Siemens-Planungen, so IG Metall-Gewerkschaftssekretär Scheitor weiter. Bereits im April hatte Dow Jones Newswires im Zusammenhang mit dem ursprünglich geplanten Börsengang von Pläne für die Restrukturierung bei dem Automobilzulieferer berichtet.

"Das ist ein uraltes Horror-Szenario, das die IG Metall bemüht", sagte dagegen ein Siemens-Sprecher auf Nachfrage. Siemens habe sich dazu schon im April geäußert. "Warum das jetzt wieder ausgegraben wird ist völlig unverständlich. Hier scheint im Wahlkampfjahr der IG Metall der Teufel an die Wand gemalt zu werden", so der Sprecher weiter. Vor mehreren Monaten habe sich das Unternehmen mit den Tarifparteien auf Restrukturierungsmaßnahmen die "vor Ewigkeiten beschlossen wurden" geeinigt die 900 Mitarbeiter betreffen. Darüber hinaus gebe es von Siemens-Seite keine Überlegungen.

Nach der bereits am Vortag von der Gewerkschaft geäußerten Kritik wird immer deutlicher, dass die Übernahme von VDO durch Continental einigen Zündstoff birgt. "Das wird sicherlich nicht ohne Konflikte abgehen", sagte eine den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat beider Unternehmen nahe stehende Person am Donnerstag zu Dow Jones Newswires.

Hauptkritikpunkt sei die "unzureichende Absicherung" der Arbeitsplätze. "Das geht nicht weit genug, weder vom zeitlichen Umfang noch von der Qualität", sagte die Person. So habe Conti in dem Eckpunktepapier betriebsbedingte Kündigungen für maximal drei Jahre ausgeschlossen, die IG Metall habe aber fünf Jahre gefordert. Zudem handele es sich bei dem Papier eher um eine Absichtserklärung und sei "nicht justiziabel". "Eine Absichtserklärung als Vereinbarung zu verkaufen ist mindestens ein unfreundlicher Akt", sagte die Person weiter.

Dies sei auch der Grund für die ablehnende Haltung der IG Metall bei den Aufsichtsratentscheidungen bei beiden Unternehmen. Bei Siemens hätten acht der neun IG Metall-Vertreter gegen den Verkauf gestimmt, bei Conti seien es alle drei Mitglieder im Kontrollgremium gewesen. Dagegen sprachen sich alle Vertreter der IG BCE im AR des hannoverschen Unternehmens für den Kauf von VDO aus.

Bereits im April waren Überlegungen seitens Siemens bekannt geworden, sich im Falle eines Börsengangs von mindestens drei Werken der Automobilzuliefertochter zu trennen. Das Werk in Karben, das Mechatronik-Werk in Stolberg könnten bei einem Börsengang geschlossen werden, hatte Dow Jones Newswires damals von einer mit der Situation vertrauten Person. Der Verkauf des Werkes Würzburg war aber kurz darauf gescheitert.

Zudem wurde auch die Einstellung der Produktion am Standort Wetzlar geprüft. Die Entwicklungsabteilung dort sollte aber erhalten bleiben. Sollten die Pläne in dieser Form umgesetzt werden, wären davon insgesamt etwa 4.000 Arbeitsplätze betroffen, so die Person.

Siemens hatte damals lediglich darauf hingewiesen, dass es vertrauliche Gespräche zwischen Arbeitnehmervertretern des Aufsichtsrates sowie Mitgliedern des Siemens-Zentralvorstandes und dem Bereichsvorstand von Siemens VDO Automotive gab. Diese Gespräche hatten "Überlegungen zur langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und der Zukunft von Siemens VDO zum Inhalt". Dabei seien verschieden Szenarien erörtert worden. "In diesem Zusammenhang wurden auch Überlegungen zu einer weiteren Fokussierung des Produktportfolios vorgestellt, von denen auch Standorte in Deutschland betroffen sein könnten".

Die Überlegungen seien "als überwiegend mittel- und langfristige Szenarien der geschäftlichen Entwicklung von Siemens VDO zu verstehen, die derzeit keine konkreten Planungen darstellen", hatte Siemens damals mitgeteilt.

Bereits Anfang Februar hatte VDO angekündigt, Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Nach damaligen Angaben der IG Metall geht es um rund 1.000 Stellen. Mit dem geplanten Börsengang der Sparte habe der Stellenabbau "überhaupt nichts" zu tun, hatte ein VDO-Sprecher damals betont.

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, hatte am Vortag nach Bekanntwerden des VDO-Verkaufs kritisiert, dass die Belange der Beschäftigten nicht ausreichend berücksichtigt worden sind. Laut dem Frankfurter IG Metall-Bezirksleiter Armin Schild herrsche in einzelnen hessischen Standorten "höchste Alarmstufe". Man muss zudem davon ausgehen, dass es im Zuge des Zusammenschlusses der Unternehmen auch bei Continental zu Stellenstreichungen kommen wird", sagte zudem Siemens-Aufsichtsrat Scheitor.

Ein Conti-Sprecher wollte die Stellungnahme der Gewerkschaft nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass das Unternehmen nicht 11,4 Mrd EUR ausgebe, um das Unternehmen "klein zu machen". In den nächsten sechs bis acht Jahren sollten zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten in Deutschland vor allem bei hoch qualifizierten Arbeitsplätzen geschaffen werden. Bei den Überlegungen hinsichtlich einer anstehenden Restrukturierung "analysieren wir alle Daten und Fakten inklusive der Pläne von Siemens, auf die uns bei der Umsetzung stützen und sehen, welche weiteren Schritte nötig". Derzeit sei es aber noch zu früh für konkrete Aussagen.

Webseite: http://www.conti-online.com

http://www.siemensvdo.de -Von Michael Brendel und Alexander Becker, Dow Jones Newswires,

+49 (0)40 3574 3115, michael.brendel@dowjones.com

DJG/mbr/smh/cbr

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