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Deutschland gegen die USA

Konfrontationskurs bei Krypto-Software

26.11.1999
MÜNCHEN (CW) - Das Bundeswirtschaftsministerium will die Entwicklung einer frei verfügbaren Verschlüsselungssoftware mit einer Finanzspritze an die Vereinigung Deutscher Unix-Benutzer e.V. vorantreiben. Die Regierung handelt damit bewußt gegen die Bitte der USA, sich auf diesem Gebiet zurückzuhalten.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge will das Wirtschaftsminsterium etwa 318000 Mark für eine verbesserte Version der Software "GNU Privacy Guard" (GPG) ausgeben. GPG ist ein Open-Source-Gegenstück zur populären Verschlüsselungssoftware "Pretty Good Privacy" (PGP), mittlerweile im Vertrieb von Network Associates. Mit der Entwicklung wurde die German Unix Users Group (GUUG) beauftragt.

Der Düsseldorfer Programmierer Werner Koch, dem die Projektleitung angetragen wurde, erklärte gegenüber der "Times", Ziel sei eine "eingeschweißte" Version von GPG für Windows-Endanwender. "Es wird eine Privat- und eine Geschäftsversion mit Zusatzfunktionen für Verträge geben", so Koch. "Wir werden das Produkt darüber hinaus mit populären E-Mail-Programmen wie Microsofts ,Outlook'' abstimmen." Ebenfalls geplant ist eine Version für "Lotus Notes", das außerhalb der USA nur mit eingeschränkter Verschlüsselung zu haben ist. Der größte Teil der Software werde unter der Open-Source-Lizenz "GNU Public License" (GPL) veröffentlicht werden, erklärte Koch.

Den USA dürfte das Vorpreschen der Bundesregierung nicht gefallen. Erst im vergangenen Mai hatte sich Justizministerin Janet Reno mit einem Schreiben an die Verantwortlichen (damals noch in Bonn) mit der Bitte gewandt, den Export von Open-Source-Kryptografie zu beschränken. Koch sieht das allerdings ganz anders - er hofft auf einen technologischen Vorsprung der Deutschen beim E-Commerce.